INTEGRATION 18.11.2013

Migranten mit Uni-Abschluss benachteiligt

© zVg.
Neue Studie zeigt: Akademiker mit Migrationshintergrund müssen doppelt so viele Bewerbungen schreiben wie Nicht-Migranten.


Akademiker mit Migrationshintergrund haben es in Österreich deutlich schwerer, eine Stelle zu bekommen als Nicht-Migranten. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Soziologie der Universität Wien.

In der Studie wurden über 800 Universitätsabsolventen nach ihrem Einstieg ins Berufsleben befragt. Das Ergebnis zeigt, dass Menschen mit einem ausländisch klingenden Namen doppelt so viele Bewerbungen schreiben müssen wie ihre Mitbewerber ohne Migrationshintergrund, bis sie überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden.

Oft in wenig qualifizierten Stellen

Migranten mit Universitätsabschluss haben darüber hinaus schlechtere Chancen, einen Job zu bekommen, der ihren Qualifikationen entspricht. Sie werden viel öfter nur als geringfügig Beschäftigte, freie Dienstnehmer oder auf Werkvertragbasis eingestellt oder müssen sich mit befristeten Arbeitsverhältnissen begnügen. Im öffentlichen Dienst werden Migranten vorwiegend in niedrigqualifizierten Bereichen eingestellt. Die Arbeitslosenquote ist  unter türkischstämmigen (6,2 Prozent) und unter ex-jugoslawischen (7,1 Prozent) Akademikern ebenfalls höher als unter österreichischen (2,9 Prozent). Wenn sie es aber schließlich einmal in qualifizierte Positionen schaffen, gibt es aber kaum Unterschiede in der Bezahlung.

Akademikerquote vervierfacht

Die Ausbildungsstandards von Migranten haben sich in den letzten Jahrzehnten wesentlich verbessert. Lag der Anteil von Universitätsabschlüssen unter Migranten 1971 nur bei 4,4 Prozent, sind es heute um die 19 Prozent. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben nicht mit dieser Entwicklung mitgehalten, so die Ergebnisse der Untersuchung.

Roland Verwiebe, der Leiter der Studie, fordert zum Kampf gegen diese Form der Diskriminierung auf. Ein erster Schritt könnte eine Anonymisierung der Bewerbungsunterlagen nach Vorbild der USA sein. Merkmale wie Aussehen, Geschlecht, Religion oder Migrationshintergrund könnten auf diese Weise aus dem Bewerbungsverfahren herausgehalten werden.

Die besten Chancen haben Migranten laut der Studie übrigens in Unternehmen, die ohnehin schon interkulturell ausgerichtet sind. Dort werden ihre Herkunft und ihre sprachlichen und kulturellen Kenntnisse als Vorteil anerkannt.

KOSMO-Redaktion

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