KOMMENTAR 31.10.2014

Migranten in der Politik – Stimmenfang hat Vorrang

© Wikimedia Commons
Ein Kommentar von KOSMO-Chefredakteur Nedad Memić über die Rolle der Migranten in der österreichischen Politik.


Viel Medienwirbel gab es in den letzten Wochen um den ehemaligen FPÖ-Bezirksrat in Meidling Luka Marković. Dieser hat Mitte Oktober entschieden, aus der Freiheitlichen Partei Österreichs auszutreten. Marković war einer jener serbischstämmigen Migranten, die der FPÖ dazu dienten, eingebürgerte Österreicher aus der bevölkerungsreichen serbischen Community zu mobilisieren. Bis das Fass nicht übergelaufen ist, wie er sagt. Marković ist unzufrieden mit dem Verhältnis der Partei zu den Migranten in den eigenen Reihen. Diese hätten dort gegen die Burschenschafter nämlich keine Chancen. Aus diesem Grund wird Marković bei den nächsten Wirtschaftskammerwahlen die Farbe wechseln und das gegnerische Lager vertreten, nämlich den Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband (SWV).

Dieser politische Übertritt wirft nun ein fragwürdiges Licht auf das politische System in Österreich und sein Verhältnis zu den migrantischen Wählern. Marković war sieben Jahre lang FPÖ-Mitglied – politische Positionierung der Partei hat ihn offenbar nicht zu sehr interessiert. Fremdenfeindliche Äußerungen der Freiheitlichen bezeichnete er in einem KOSMO-Interview als „Blödsinn, über den man lachte“, außerdem teile er Menschen nur in „gute“ und „schlechte“. Aufgrund dessen bleibt es rätselhaft, was Markovićs Motiv für eine FPÖ-Mitgliedschaft überhaupt war. Die serbische Community in Wien sah von seinem politischen Engagement jedenfalls wenig, für die FPÖ war aber jede zusätzliche migrantische Stimme durchaus kostbar.

Nichtsdestotrotz ist Markovićs weitere politische Karriere gesichert. Dafür sorgte die SPÖ, für die – wie auch für die FPÖ – der Stimmenfang doch Vorrang hat. Wer schert sich noch um ein politisches Programm, bessere Lebensbedingungen und breitere Partizipation von Migranten in Österreich.

Nedad Memić / KOSMO

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