INTEGRATION 04.06.2014

Migranten sind Teil der Österreichischen Geschichte

© zVg.
Die Geschichte der Migranten in Österreich steht im Mittelpunkt der dreitägigen internationalen Konferenz „Orte, Räume und das Gedächtnis der Migration“, die vom 4. bis 6. Juni in Wien stattfindet.


„Wer nicht in den Geschichtsbüchern sichtbar ist, hat auch keinen Platz in der Gesellschaft“, fasst der Historiker Dirk Rupnow die Situation der Migranten in Österreich zusammen. Migranten sind im offiziellen Geschichtsdiskurs in Österreich praktisch nicht präsent, so Rupnow, der gemeinsam mit Christiane Hintermann die internationale Konferenz „Orte, Räume und das Gedächtnis der Migration“, die vom 4. bis 6. Juni in Wien stattfindet, leitet. Die Konferenz wird von der Grünen Bildungswerkstatt Minderheiten, dem Karl Renner Institut, und der Initative Minderheiten organisiert.

Anlass ist das fünfzigste Jubiläum des Anwerbeabkommens zwischen Österreich und der Türkei. Das Thema sei zwar in einigen Medien aufgegriffen worden, aber ein großer öffentlicher symbolischer Wurf von offiziellen Seiten habe gefehlt, kritisiert Rupnow. Generell gibt es in Österreich kaum institutionalisierte historische Aufarbeitungen zum Thema Migration.

Migrantische Geschichte wird verdrängt

Auf die Eingliederung der Migranten in die moderne österreichische Geschichtsschreibung sei kaum Wert gelegt worden. Aktuelle Forschungsarbeit wird zudem durch den schwierigen Zugang zu historischen Quellen erschwert. Das Archiv der Anwerbestelle in Istanbul ist laut Rupnow nur noch zum Teil vorhanden. In Belgrad und Madrid gibt es gar kein Archiv. Schockierend ist für den Historiker vor allem, dass es beim ÖGB nach der Übersiedlung in ein neues Gebäude keinerlei Archiv mehr gebe.

Fehlen von Denkmälern und Erinnerungsorten

Erinnerungsorte und Denkmäler, die sich mit migrantischer Geschichte beschäftigen, sucht man in Wien praktisch vergebens, erklärt Christiane Hintermann. Das bisher einzige Denkmal ist jenes, das an den nigerianischen Asylwerber Marcus Omofuma erinnert, der 1999 bei seiner Abschiebung an den Folgen der Misshandlung durch die Beamten verstorben ist. Dafür gibt es zahlreiche Erinnerungsorte, die sich etwa mit der Türkenbelagerung beschäftigen.

Unter den Vortragenden befinden sich nationale und internationale Experten die sich damit befassen, wie man migrantische Geschichte einer Öffentlichkeit präsentieren kann. Auf der dreitägigen Veranstaltung werden auch Zeitzeugen zu Wort kommen, die in den ersten Jahren der Arbeiterzuwanderung Betreuungsarbeit gemacht haben.

KOSMO-Redaktion

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