INTEGRATION 30.01.2014

Migranten - Bewerber zweiter Klasse?

© zVg.
Bei einer Diskussionsveranstaltung des Vereins Wirtschaft für Integration wurde gestern über die Chancengleichheit am österreichischen Arbeitsmarkt gesprochen.


Akademiker mit ausländisch klingenden Namen müssen doppelt so viele Bewerbungen schreiben wie ihre Mitbewerber ohne Migrationshintergrund, um überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Das zeigte eine aktuelle Studie im vergangenen Herbst (siehe KOSMO-Bericht). Bei einer Diskussionsrunde der Vereins Wirtschaft für Integration trafen sich gestern Vertreter der Wirtschaft und Experten, um über Chancengleichheit und Diversität am österreichischen Arbeitsmarkt zu sprechen.

Fehlende Netzwerke

Neben schlechteren Ausbildungen und Sprachproblemen zählt das Fehlen von Netzwerken zu den größten Hindernissen für Menschen mit Migrationshintergrund, so AMS-Vorstand Johannes Kopf bei der gestrigen Diskussion. In vielen Betrieben sei es durchaus üblich, bei der Nachbesetzung von Stellen erst einmal nach internen Empfehlungen vorzugehen. Hier geborenen und gut ausgebildeten Nachkommen von Zuwanderern bleibt der Zugang zu dem großen informellen Arbeitsmarkt, der sich über persönliche Kontakte definiert, oftmals verschlossen.

Anonymisierte Bewerbung

Eines der zentralen Themen waren anonymisierte Bewerbungsverfahren, die in den letzten Jahren als mögliche Lösung immer wieder ins Feld geführt werden. Merkmale, die zu Diskriminierung bei der Arbeitssuche führen können, wie Name, Geschlecht, Alter der Bewerber sollen aus den Bewerbungsverfahren ausgeschlossen werden. Was in Schweden, Belgien oder den USA gang und gäbe ist, wird bei uns nur zurückhaltend aufgenommen.

Ernüchternde Ergebnisse brachte etwa ein Pilotversuch der REWE International, wie Johannes Zimmerl, Konzernpersonaldirektor der REWE International AG, berichtete. Nur 15 von über 1.000 Bewerbern haben die von der Möglichkeit einer anonymisierten Bewerbung Gebrauch gemacht. Eine Vorbildfunktion könnte hier auch der Staat erfüllen, so der allgemeine Tenor der Diskussionsteilnehmer.

KOSMO-Redaktion

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