INTERVIEW 10.09.2013

„Meine Filme müssen ein bestimmtes Gefühl bei mir auslösen“

© zVg.
Anlässlich seines Besuchs beim diesjährigen LET’S CEE Film Festival (13. – 21. September) sprachen wir mit dem international ausgezeichneten slowenischen Regisseur Damjan Kozole.


Mit 22 Jahren drehte er The Fatal Telephone, eine der ersten unabhängigen Produktionen des ehemaligen Jugoslawiens. Der Filmemacher wurde unter anderem mit dem Jury Prize des Sarajevo Film Festivals (2003) sowie dem Regiepreis beim Valencia Festival of Mediterranean Cinema (2006) ausgezeichnet.

Die Retrospektive in Anwesenheit des Regisseurs auf dem LET’S CEE Film Festival (KOSMO hat berichtet) zeigt drei seiner erfolgreichsten Werke: Spare Parts (2003), Labour Equals Freedom (2004) und Slovenian Girl (2009). Daneben gibt es bei einer der LET''S CEE-Master Classes für alle Filminteressierten die Gelegenheit, im Rahmen eines Workshops Einblicke in die Arbeit und Denkweise des slowenischen Regisseurs zu gewinnen.

GEWINNSPIEL: KOSMO verlost 25-mal je 2 Tickets für die Vorstellung von Slovenian Girl in Anwesenheit des Regisseurs am Sonntag 15.09. 22:30 in der Urania. Einfach Mail mit dem Betreff „Slovenian Girl“ an gewinnspiel@kosmo.at schicken und gewinnen.


INTERVIEW

Die Protagonisten ihrer Filme befinden sich alle in schwierigen Lebenssituationen. Warum widmen Sie sich lieber problematischen, nicht einfachen Themen?

Es gibt verschiedene Arten von Kinogängern - die einen wollen im Kino nur Spaß  und Ablenkung von den eigenen Problemen haben, das verstehe ich. Es gibt aber auch das Publikum, welches sich mit den Fragen unserer Existenz beschäftigt - wie Truffaut sagte: “A film has to tell us something about life and something about cinema.”

Im welchem Ausmaß sind ihre Filme autobiografisch?

In allen Geschichten sind persönliche Erfahrungen mit Fiktion verflochten. Die Idee für Spare Parts habe ich von einem befreundeten Rennfahrer bekommen, der später tatsächlich beim Schmuggeln von Flüchtlingen mitgemacht hat. Zwei von den drei Filmen sind in der Kleinstadt Krsko entstanden, wo ich aufgewachsen bin, einem Ort, den ich gut kenne. Keine der Produktionen ist zufällig entstanden, denn meine Filme müssen ein bestimmtes Gefühl bei mir auslösen.

Kann man die Problematiken dieser Filme auch auf österreichische oder andere Gesellschaften übertragen?

Wir sind letztendlich nicht so unterschiedlich, egal ob in Slowenien, Österreich oder Tasmanien. Mich interessieren Geschichten, die von modernen Menschen, ihren Ängsten und Konflikten handeln. Mich interessiert der Mensch an sich. Heute haben wir alle mit ähnlichen Schwächen, Versuchungen und Tugenden umzugehen.

Wie finden Sie die Filmauswahl ihrer Produktionen beim LET’S CEE Filmfestival? Was haben die drei Filme gemeinsam?

Alle drei Filme wurden nach 2000 produziert und geben einen guten Einblick in meine Arbeit. Spare Parts ist der älteste, er öffnete die Tür für meine anschließenden Produktionen. Work Liberates ist ein low-budget Film, eine schwarze Komödie über Menschenwürde. Callgirl, der dritte Film, handelt von Gier und Kapitalismus. Alle drei Filme verbindet die Intension, dass der Zuschauer seine eigene Probleme und Dilemmata dabei erkennt und Mitgefühl erweckt wird.

Inwieweit tragen Festivals zur Bekanntheit eines Filmes bei?

Sehr! Wegen amerikanischer Übernahme des Distributionssystems sind europäische, asiatische und andere Filme aus dem Gleichgewicht geraten. Festivals sind heute teilweise ein Ersatz für Distributionssysteme, die existieren sollte. Menschen bekommen die einzigartige Gelegenheit, sich Filme anzusehen, die sonst nicht gezeigt werden. Das ist Privileg und Chance auch für eine kleine Filmlandschaft wie die slowenische.

Haben Sie denn jemals Lust auf Hollywood bekommen?

Nie wirklich. Ich hatte immer mehr Interesse am mitteleuropäischen Raum.


Interview: Anja Malenšek

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