INTERVIEW 08.07.2013

“Mein Leben ist die Quelle meiner Inspiration"

© zVg
Interview: Der kroatische Pop-Star Gibonni (Zlatan Stipišić) sprach mit unserem Reporter Zoran Radojkovic – Pile

Seine Karriere als Berufsmusiker begann er Mitte der 1980er Jahre, als Sänger der Hard Rock-Band „Osmik Putnik“. Nach dem Zerfall der Band arbeitete Gibonni mit Dino Dvornik zusammen und schrieb einige seiner größten Hits. Er trat auf zahlreichen Festivals auf und errang verschiedene Preise und Auszeichnungen. Er gilt als der erfolgreichste kroatische Sänger und Liedermacher der letzten zehn Jahre. Sein neues Album„20th Century Man“ ist am 20.6. beim Verleger Pate Records in Wien erschienen.


Ihr Vater Ljubo Stipišić ist Ethnomusikologe von Beruf. Haben Sie von ihm die ersten traditionellen kroatischen Lieder gehört, und wie sehr hat Ihr Vater Ihre Karriere beeinflusst?

Er hat mich sehr beeinflusst, denn er war ein echter Musikfanatiker. Er lebte 24 Stunden täglich mit Musik. Mehrere Musikergenerationen sind durch unser Haus gegangen, und von jedem habe ich etwas gelernt. Gute Sachen und auch schlechte Sachen…

Sie sind Komponist, Sänger, Instrumentalist…. Wie hat das alles begonnen, in welchem Jahr haben Sie begriffen, dass Musik Ihr Leben ist?

Schon mit zwölf, und seitdem hat sich nichts geändert. Vielleicht habe ich kurz einmal daran gedacht, Profiboxer zu werden. Aber dann bin ich von einem sehr harten Training davongelaufen und niemals wieder zurückgekehrt. Ich bin einfach nicht dafür geschaffen.    
                                                                                                                    
Woher nehmen Sie die Inspiration, wie erholen Sie sich und wo? Ist Split eine Stadt, die Ihnen dabei hilft?

Die Stadt Split hat sehr viele Sportstars von Weltruf. Hier wäre Bruce Springsteen kaum ein Star geworden. Viele Menschen kennen und unterstützen mich, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass in Split niemand ein Star sein kann, auch ich nicht. Inspiration beziehe ich aus meinem Leben und dem Leben der Menschen um mich herum. Gute Themen für Lieder gibt es überall, man muss nur Augen und Ohren offen halten. Und wenn Sie fragen, wo ich mich erhole – in Dalmatien. Ich mag den Robinson-Tourismus.        

Neben „Osmi Putnik“ haben Sie auch in der BuH-Gruppe „Divlje Jagode“ und auch in der Berliner Band „V2“ gespielt… Von einem Metal-Sänger mit Metal-Frisur und Metal-Musikstil sind sie zu einem der bedeutendsten Liedermacher des Balkans geworden…

Sie haben schon alles gesagt. Ich kann nur mit Sicherheit sagen, dass ein Lied seine Fassade verändern kann, es kann Pop oder Rock genannt werden, aber sein Wesen liegt in der Energie und dem Gefühl. Das ändert sich bei mir nie.

Sie haben auch für andere geschrieben. Nach dem Lied „Cesarica“, das Sie für Oliver Dragojević geschrieben haben, gab es eine erfolgreiche Nummer nach der anderen… Mit wem haben Sie gerne zusammengearbeitet und welche Lieder sind Ihnen aus jener Periode die liebsten?

Ich habe gerne mit meinem verstorbenen Freund Dino Dvornik zusammengearbeitet, der vor fünf Jahren gestorben ist. Für ihn habe ich 16 Lieder geschrieben, und ich glaube, dass wir das Gesamtbild der Musik auf dem Balkan verändert haben. Ich kann sagen, dass mir Dino sehr fehlt.

Später haben Sie „Porin“-Preise und andere gewonnen. Das Album „Toleranca“ hat ihnen 2010 gleich fünf „Porins“ eingebracht. Wie stehen Sie zu Preisen und Anerkennungen?

Mein wichtigster Preis ist mein Publikum. In meinen Liedern bin ich ehrlich, sie drücken immer meine Standpunkte und meine Meinungen aus. Alle Menschen, die sich in ihnen wiederfinden und sie mögen, betrachte ich als meine Familie und meine engsten Freunde.

Sie sind UNICEF-Botschafter des Guten Willens. Wie sieht Ihre ehrenamtliche Arbeit aus, wohin sind Sie gereist und wie sehr erfüllt Sie diese Tätigkeit?

Unicef-Botschafter bin ich seit 2003 und ich glaube, dass ich eine ganze Zahl erfolgreicher Aktionen gemacht und Menschen geholfen habe, sowohl öffentlich als auch im Verborgenen. Es gibt aber auch eine große Frustration über die Dinge, die ich nicht geschafft habe. Humanität sollte eine Massenbewegung sein und nicht der Kampf eines Einzelnen gegen Windmühlen. Wie man bei uns sagt: „Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling.“

Sie haben überall in Ex-Jugoslawien gespielt, Arenen und Stadien gefüllt. Wo ist das Publikum am begeistertsten, was bleibt Ihnen von Ihren Auftritten in Erinnerung, irgendeine Anekdote?

Überall ist es fantastisch, weil ich mit meinem Publikum gewachsen bin. Wie sind dieselbe Art Menschen. Es ist interessant, dass mein Publikum unabhängig von meiner Medienpräsenz oder –nichtpräsenz seinen Kopf und seinen Charakter hat. Meine Konzerte wirken sehr familiär, als ob wir gemeinsam Geburtstag feierten.

Wie oft treten Sie in der Diaspora auf und wann waren Sie zum letzten Mal in Wien?

In Wien war ich das letzte Mal im Club „Porgy & Bess“ vor drei Jahren. Das Konzert war schon Tage vorher ausverkauft. Es waren zur Hälfte Österreicher und zur Hälfte Leute aus unserer Region. Ich habe es genossen, das Konzert wird mir in Erinnerung bleiben.

Was denken Sie über Österreich, welche Stadt mögen Sie am meisten?

Wien, Klagenfurt, Graz, Salzburg… Ich bin aus verschiedenen Gründen gekommen. Um zu spielen oder um zu Ikea zu gehen… Aber ich fühle mich immer wohl in Österreich.


Lesen Sie diesen Artikel auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch in unserer aktuellen KOSMO-Ausgabe (Nr. 45. 07-08/2013).
 

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