AUSTRIA MEETS BALKAN 09.03.2015

Hilfe, mein Kind spricht Kroatisch!

© istockphoto.com
Zweisprachige Kindererziehung kann ihre Tücken haben – besonders, wenn man selbst eine der beiden Sprachen nicht so gut versteht. Barbara Šikić berichtet aus dem interkulturellen Leben zwischen Österreich und Balkan - über Babysprachen und mehrsprachige Gluckslaute.


Meinem lieben kroatischen Ehemann und mir wurde ein herziges Töchterlein beschert. Die Kleine wuchs in Wien auf. Ich in Karenz. Sehr penibel achteten wir darauf, dass ich immer Deutsch mit ihr redete und er immer Kroatisch. Das war uns beiden wichtig, zumal Kroatisch ihr ohnehin nicht erspart geblieben wäre, weil ein großer Teil der Familie gar keine deutsche Babysprache beherrscht (Babysprachen, d.h. zumindest das, was Erwachsene zu Babies in den Kinderwagen oder ins Bettchen hineinbrabbeln,  sind nämlich eigene Sprachen, die Erwachsene ausschließlich aus der Geburtssprache mitnehmen – da bin ich mir ganz sicher!)

Papasprache und Mamasprache

So wuchs also unser Mädel mit einer Papa- und einer Mamasprache auf. Irgendwann kommt dann die Zeit, wo aus den Glucks- und Gurgelexperimenten Laute werden und die Laute schließlich zu Worten. Eines Tages stand ich also mit meiner kleinen Tochter in der Küche. Sie lernte gerade das Laufen und hantelte sich entlang der vielen Griffe an den Küchenschubladen entlang. Ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen, dass sie zu mir aufschaute und plötzlich ganz bestimmt etwas sagte.

Etwas.

Ganz bestimmt.

Ein Etwas, das ich nicht verstand. Es entsprach nicht dem, was sie sonst so von sich gab. Gut, als Kleinkind lernt man ja auch jeden Tag zig neue Dinge. Aber es war definitiv kein Experiment und es klang anders als die „normale Melodie“, die ich sonst von ihr zu hören bekam. So standen wir da in der Küche. Sie schaute zu mir auf und ich zu ihr hinunter und zwischen uns das Etwas. Mein Rechner ratterte „Babysprache identifizieren! Status: Scanne alle bekannten Äußerungen und vergleiche“. Irgendwie klang das Ganze sehr nach „Baba*“ oder „Tetka*“…  Ich kam zu dem Schluss, dass ich schlicht und ergreifend vor meinem eigenen Kind stand und es nicht verstehen konnte. Auch nach mehrmaligen Wiederholungen nicht. Und weil sie es immer wieder gleich wiederholte, mit einem nachdrücklichen Gesichtsausdruck à la „Mama, aber das heißt doch so!!!“, bin ich mir sicher, dass es sich um Papasprache handelte.

„Ich nix razumim“

Bis heute weiß ich nicht, was sie mir damals mitteilen wollte. Als sehr sprachinteressierte Mama tut es mir auch unendlich leid, dass ich all das nicht erfassen konnte: Von den ersten deutschen Lauten und Begriffen konnte ich eine Liste anfertigen: Da war zum Beispiel „neke“ für Schnecke oder „tita“ für TickTack (also Uhr) oder „gli“ für Licht. Aber die kroatischen Äußerungen fehlen. Ich konnte sie nicht als solche wahrnehmen. Es blieb also sicher ein großer Teil unerfasst, unverstanden, undokumentiert.

Mittlerweile hatten wir alle ein wenig Zeit, um zu lernen. Meine Tochter spricht besser Kroatisch als ich und kann mir sogar oft schon etwas übersetzen, wenn meine Sprachkenntnisse nicht mehr ausreichen. Sie benutzt diese Sprache auch sehr gerne, wenn es Dinge gibt, die die Mama nicht wissen darf, aber mit dem Papa ausgetauscht werden müssen… aber die Mama hört mit und es ist immer ein Risiko, wie viel sie wohl doch verstehen könnte. Ich entscheide dann immer für mich, ob ich auf Empfang bin oder nicht – der größte Vorteil, wenn man Sprache nicht perfekt beherrscht ist nämlich: „Na - iiiich niiiix razumin*!“ ;) Eine Tatsache, die mir erst nach dem Erlernen meiner siebten (!) Sprache, dem Kroatischen, klar geworden ist.

Barbara Šikić / KOSMO

*Übersetzung: Baba – Oma, Tetka – Tante, razumim – verstehe

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