SCHULE 26.11.2013

Mehrsprachige Chemie-Asse

© Ljubiša Buzić / KOSMO
Mit dem Projekt „Chemie-Koffer“ werden naturwissenschaftliche Talente von Kindern gefördert. Zusätzliche soll im Rahmen des Projekts nun die Mehrsprachigkeit an Österreichs Volksschulen gestärkt werden. KOSMO war in einer der teilnehmenden Schulen vor Ort.


Zwei siebenjährige Buben zeigen mit konzentriertem Blick, wie sie ein Teelicht dazu bringen können, an den Grund einer Schale mit Wasser zu tauchen, ohne es zu berühren. Was wir hier sehen, ist aber kein Zaubertrick, sondern Naturwissenschaft. Hier an der Volksschule Rothenburggasse  in Wien Meidling werden Volksschulkinder im Rahmen des Projekts „Chemie-Koffer“ in Naturwissenschaften unterrichtet und gleichzeitig in ihrer Erstsprache gefördert.

Ein Chemie-Koffer, ist eine Box, die jedes der Kinder für seine Experimente bekommt. Darin befinden sich Dinge, die man in jedem Haushalt findet, wie Salz, Zucker, Brausetabletten, aber auch Zutaten wie Zitronensäure. Zusätzlich enthält der Chemie-Koffer, der aussieht wie eine übergroße Frischhaltebox, auch ein kindergerecht gestaltetes Heft mit Aufgaben für die Schüler. In altersgerecht aufbereiteten Experimenten können die Kinder lernen, wie man etwa Farbstoffe aus Süßigkeiten, wie bunten M&Ms, extrahieren kann. „Blau besteht aus gelb und grün“, erklärt ein 7-jähriges Mädchen den erwachsenen Besuchern in der  Rothenburggasse.

400 Schulen nehmen österreichweit Teil

Mit dem 2001 vom Fachverband der Chemischen Industrie (FCIO) initiierten Projekt soll dem drohenden Fachkräftemangel in den naturwissenschaftlichen Berufen entgegengewirkt werden. Zusätzlich soll nun auch die Mehrsprachigkeit der Schülerinnen und Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache gefördert werden. Der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund liegt an Wiens Volksschulen bei 54 Prozent, österreichweit beträgt er 25 Prozent. Die Volksschule Rothenburggasse ist eine von mittlerweile über  400 Schulen in Österreich, die an dem Projekt „Chemie-Koffer“ teilnimmt.

Den Schritt, jetzt auch Mehrsprachigkeit in das Projekt aufzunehmen erklärt Mag. Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs, bei einem Hintergrundgespräch in der Volksschule Rothenburgstraße: „Fachkräfte in den Naturwissenschaften werden immer schwieriger zu bekommen sein. Aber das Potenzial beim Nachwuchs mit Migrationshintergrund ist noch nicht vollständig ausgeschöpft. Deswegen muss die Förderung besonders früh starten“, sagte Hofinger.

Fachliche Begabung aber Sprachprobleme

„Grundsätzlich zeigen die Kinder eine hohe Begeisterung für Naturwissenschaften“, erklärt die Direktorin der Volksschule Mag. Gabriele Edlinger. „Probleme gibt es erst dann, wenn sie ihre Experimente erklären oder aufschreiben sollen.“

An der Volksschule Rothenburggasse gibt es laut Direktorin Mag. Gabriele Edlinger derzeit zwei naturwissenschaftliche Lehrveranstaltungen pro Woche. Hier bekommen die Kinder zusätzlichen Unterreicht in Arabisch und Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. Bei den naturwissenschaftlichen Unterrichtseinheiten sollen von nun an auch Lehrer der Muttersprache dabei sein.

Ljubiša Buzić / KOSMO

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