INTERVIEW 24.10.2014

Markovic nach FPÖ-Austritt: „Mein Pakt mit dem Teufel“

© Alexander Schuppich / KOSMO
Sieben Jahre lang war der Gastronom Luka Marković (40) ein Vorzeige-Serbe der FPÖ. Nach seinem Parteiaustritt sprachen wir mit ihm über ausländerfeindliche FPÖ-Sogans, H.C. Straches Serben-Liebe und die Wahrheit über seine ehemaligen Parteikollegen.


„Ich muss immer lachen. Mir geht es jetzt gut“, sagt Luka Markovć zu Beginn unseres Gesprächs in seinem Lokal in Wien, Meidling. Nach seinem medienwirksamen Parteiaustritt aus der FPÖ Mitte der Woche, spricht der Meidlinger Bezirksrat mit uns offen über seine FPÖ-Zeit.

KOSMO: Sie waren sieben Jahre Parteimitglied der FPÖ. Wie kamen Sie überhaupt in die Partei?

Luka Marković: Ich lernte H.C. Strache persönlich kennen und begann seine Veranstaltungen zu besuchen und Gespräche zu führen. Immer wenn ich etwas für ihn tat, revanchierte er sich ein wenig. Und dieses Wenig war für mich als Gastarbeiterkind sehr wichtig. Wenn ein hoher Politiker in dein Lokal kommt, hast du Respekt und bist dankbar.

Hat es Sie gar nicht gestört, dass die FPÖ in ihren ganzen Slogans gegen Ausländer vorging?

Doch, genau das ist die FPÖ, aber wir lachten über den eigenen Blödsinn. Das war etwas Typisches für die FPÖ. Für uns war das alltäglich. Und wenn du drinnen bist, siehst du, dass das eine Partei ist, in der jeder für sich arbeitet. Du schaust auf deine eigenen Interessen, hast deine Ziele und versuchst das Beste daraus zu machen. Um zu gewinnen, musst du einen Pakt mit dem Teufel eingehen.

Herr Strache versucht seit ein paar Jahren, die Serben für sich zu gewinnen. Wie authentisch ist seine Serben-Liebe?

Liebe gibt es keine. Vielleicht besteht ein gegenseitiger Respekt. Das war es, was ich erwartet und gewünscht hatte. Das ist Straches Taktik: Er schließt Freundschaften mit Staaten, in denen Serben leben, mit den pro-serbischen Parteien. Aber die serbischen Bürger Wiens haben nichts davon. Wenn Strache mit einem Politiker in Serbien gute Kontakte hat – was er in Wirklichkeit mit niemandem dort hat – was hat ein Austro-Serbe davon? Gar nichts. In der FPÖ gab es zwei Serben, nämlich mich und Konstantin Dobrilović. H.C. kannte weder unsere Kultur noch unsere Geschichte oder irgendetwas über die Serben. Alles was er sagte, bekam er von uns.

Man spricht aber auch von einer Konkurrenz zwischen Ihnen und Herrn Dobrilović, dem zweiten prominenten Serben in der Partei. Wieso konnte er sich in der FPÖ besser durchsetzen, als Sie?

Ganz einfach: Als wir angefangen haben, war Konstantin Dobrilović um die zwanzig Jahre alt und saß von Anfang an mittendrin. Zur Konkurrenz kann ich nur sagen: Zwischen wem? Konstantin ist in Deutschland geboren, er ist deutscher Staatsbürger. Ich bin gekommen, um etwas für meine Community zu erreichen. Für ihn ist das ein Beruf, den er ausübt. Ich halte es für einen Fehler, dass sich FPÖ Leute aus dem Ausland hereinholen. Es gibt hier Menschen, die seit Jahrzehnten hier leben und keine Chance bekommen.

Jetzt wollen Sie zur SPÖ wechseln…

Das stimmt so nicht. Ich möchte bei den Wirtschafskammerwahlen für den SWV (Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Österreich, Anm.) kandidieren, weil ich dort persönlich Menschen kenne, die meiner Community viel geholfen haben. Gute Taten darf man nicht vergessen.

Die FPÖ sagt jetzt über Sie, dass Sie zu wenig Einsatz gezeigt haben und schlechte Deutschkenntnisse haben...


Das ist interessant, dass sie nach sieben Jahren bemerken, dass meine Aussprache nicht so gut ist. 99 Prozent der Menschen, die mit mir sprechen oder telefonieren bemerken das sofort.

Die FPÖ sagt auch, dass Sie Ihre Rolle in der Partei überschätzt haben…


Ja, so ist das immer. Wenn du klein bist und dir jemand hilft, sagst du danke. Das ist ein Problem in der Mentalität der Menschen in der FPÖ. Aber in der Stadt weiß man, wer ich bin und was ich geleistet habe.

Sie sprechen immer wieder von der „Community“. Wen meinen Sie eigentlich, Serben, Ex-Jugoslawen?

Austro-Serben, Wiener Serben und alle, die wir „Jugos“ nennen. Es gibt nur zwei Arten von Leuten, gute und schlechte. Intern in der Partei musst du sagen: Von hier bekomme ich die meisten Stimmen, diese Leute sollen auch am meisten zurückbekommen. Aber eine Teilung der Leute darf es nicht geben.

Würden Sie sich auch für albanische Mitbürger einsetzen?

Natürlich. Und das habe ich auch getan. In mein Lokal kommen auch Albaner. Wer immer mich um Hilfe bittet, bekommt sie, wenn ich kann. Deswegen habe ich mich mit der Partei oft gestritten. Weil sie mir nicht erlaubt haben, mich für bestimmte Gruppen einzusetzen. Sie wollen nur Schauspieler, die sie bezahlen und die ihre Darstellung spielen.

Wieso haben Sie mit ihren Parteiaustritt dann so lange gewartet?

Ich habe das schon vor zwei Jahren angekündigt. Ältere FPÖ-Politiker haben mir geraten, abzuwarten. Jetzt war es keine Entscheidung, sondern ich konnte nicht mehr. Ich wurde nur als Mittel zum Zweck genutzt.

Was sind ihre politischen Ziele?

Ich möchte als freier Mandatar etwas für meine Community tun. Ich glaube, dass ich auf die Art die Möglichkeit habe, andere Kooperationen zustande zu bringen. Gespräche mit der SPÖ stehen erst an, da werden wir weitersehen.

Interview: Ljubiša Buzić / KOSMO

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