INTERVIEW 31.01.2014

Maria Vassilakou: Klinken putzen für das Herzensprojekt

© Newald / Stadt Wien
KOSMO traf Wiens Vizebürgermeisterin und Stadträtin Maria Vassilakou (Grüne) bei ihrer Überzeugungskampagne für die Mariahilfer Straße neu. Mit uns sprach sie über die Reaktionen der Bürger, die begangenen Fehler und ihre persönliche Vision einer neuen Mariahlifer Straße.


Es ist ein hartes Stück Arbeit, das Maria Vassilakou noch zu bewältigen hat. Im Zuge ihrer Überzeugungskampagen für die Bürgerbefragung über die neue Mariahilfer Straße geht Vassilakou derzeit von Tür zu Tür in und steht den Bewohnern von Mariahilf und Neubau Rede und Antwort. Ab dem 17. Februar entscheiden die Bürger über das Herzensprojekt der Grünen Politikerin.


KOSMO: Sie haben gerade an einem der zahlreichen Bürgergespräche über die Umgestaltung der Mariahilfer Straße teilgenommen. Was sind die häufigsten Reaktionen die sie bekommen?  

Maria Vassilakou: Es gibt viel Zuspruch und auch viel Kritik. Die Gespräche zeigen, dass wer sich informiert und mit dem Projekt beschäftigt, auch seine Skepsis meistens ablegt. Viele Anwohnerinnen und Anwohner wünschen sich allerdings die Öffnung von Querungen und auch das Radfahren in der FußgängerInnenzone bleibt ein Zankapfel. Die Gespräche zeigen mir, dass die meisten die Fußgängerzone wollen, aber mit Querungen. Das macht die Befragung jetzt möglich.


Warum befragen Sie nicht alle Wiener zum Thema der Mariahilfer Straße?

Die Bewohnerinnen und Bewohner des 6. und 7. Bezirks sind unbestritten am stärksten von den Vorteilen aber auch den Nachteilen der Umgestaltung betroffen. Daher sind sie gefragt, um über ihre Lebensumgebung zu entscheiden.

Einige Verfassungsexperten haben Bedenken zu dieser Art der Bürgerbefragung geäußert.


Mit ist es wichtig, dass alle Bezirksbewohner, die das Bezirksparlament und den Bezirksvorsteher wählen, auch bei der Umfrage mitmachen dürfen. Alles andere wäre wenig logisch. Lokale Verkehrsprojekte gehen nun mal alle etwas an und demokratiepolitisch sind wir gut beraten, möglichst alle Bewohnerinnen und Bewohner eines Gebiets zu Wort kommen zu lassen.


Der Testlauf der Fußgängerzone hat für viel Kritik und Proteste gesorgt. Was hätte die Stadtregierung rückblickend besser machen können, um dieses Konfliktpotenzial zu vermeiden?

Dass ein Projekt dieser Größenordnung für Aufregung sorgt, ist nicht weiter verwunderlich. Aber im Nachhinein ist man immer klüger. Eine Möglichkeit wäre gewesen, einen kurzen Abschnitt neu zu pflastern und gemäß den Planungen zu gestalten. Dann hätten sich vermutlich viele Fragen von Anfang nicht gestellt.


Geschäftsleute in und um die Mariahilfer Straße gehören zu den lautesten Gegnern Ihrer Pläne. Haben Sie die zumindest teilweise von Ihren Plänen überreden können?

Es gibt hier seitens der Wirtschaftstreibenden sehr unterschiedliche Einschätzungen. Es gibt viele junge neue Geschäfte, die sich im Wissen der Umgestaltung jetzt ansiedeln. Ich glaube, dass die Neugestaltung der Mariahilfer Straße auch für alle Gewerbetreibenden mittelfristig etwas bringt, das zeigt die Erfahrung. Die Straße wird schöner, mehr Menschen kommen und bleiben länger.


Was ist Ihre Vision der künftigen Mariahilfer Straße?

Wir wollen, dass im Bereich der Fußgängerzone Kinder spielen können, dass Fußgänger auf der gesamten Mariahilfer Straße Vorrang haben, dass die Menschen die Mariahilfer Straße als Ort empfinden, an dem sie sich gerne aufhalten. Die Vision ist, einen neuen freien Raum mitten in der Stadt zu erschaffen. Gerade in der Innenstadt, wo die Häuser dicht an dicht und Autos Stoßstange an Stoßstange stehen, sind Projekte wie die Neugestaltung der Mariahilfer Straße sehr wertvoll für die Lebensqualität. Die Mariahilfer Straße ist beides: die größte Einkaufsstraße Österreichs, aber auch zentraler Aufenthaltsort für die Wiener, besonders für die Bewohner des 6. und 7. Bezirks. Durch den Umbau würde diese wichtige Straße stark aufgewertet und  - das ist für die Wirtschaft wichtig -, die Einkaufsstraße auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben.

Stärkt Ihnen die Wiener SPÖ in der Frage der Mariahilfer Straße völlig den Rücken?

Die neue Mariahilfer Straße ist ein gemeinsames Projekt von SPÖ und Grünen.

Interview: Nedad Memić

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