INTERVIEW 25.09.2014

Mahrer: „Junge Zuwanderer sollen studieren”

© KOSMO / Radule Božinović
Harald Mahrer (ÖVP) ist seit September Staatssekretär im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und gilt als Stratege hinter der aktuellen „Evolution“ der ÖVP. Mit ihm sprach KOSMO-Chefredakteur Nedad Memić.


KOSMO: Was steckt hinterher der ÖVP-„Evolution“?


Harald Mahrer: Das ist eine Weiterentwicklung der Volkspartei, in der wir unsere Wertegemeinschaft ins 21. Jahrhundert bringen möchten. Wir entwickeln ein Programm für Menschen des 21. Jahrhunderts, die Interesse an Leistung, Aufstieg und Wohlstand haben.

Bis wann wollen Sie das erste Ergebnis des „Evolution“-Prozesses präsentieren?

Über unsere Web-Plattform evolution.oevp.at kann man schon Ideen einbringen. Unser Plan ist, bei dem Parteikonvent „70 Jahre ÖVP“ im Mai 2015 das weiterentwickelte Grundsatzprogramm zu beschließen.

In den etablierten Parteien gibt es immer noch zu wenig Menschen mit Migrationshintergrund. Haben sie Platz in Ihrem neuen Parteiprogramm gefunden?

Unsere Schwesterpartei in der Schweiz, die CVP, schafft für unterschiedliche Communitys Fan-Organisationen in der Partei. Wir überlegen auch in der Volkspartei Fan-Gruppen für Communitys zu organisieren. Es wäre doch cool, wenn wir Fans unserer Ideen und Positionen mit bosnischem, kroatischen und serbischen Hintergrund haben!

Die Großparteien verlieren jedoch kontinuierlich bei den Wahlen...

Wir brauchen eine Politik des Machens: weniger schwafeln, mehr Ergebnisse liefern. Wir wollen wieder eine Partei des Machens werden und eine sachorientierte und auf Konsens basierte Politik machen.

Heißt das, dass die ÖVP nun zu mehr Zugeständnissen bereit ist, z.B. in der Frage der Steuerreform?

Wir wollen keinen politischen Handel wie am Basar, denn das ist die alte Politik. Wir wollen zielorientiert arbeiten und analytisch definieren, wie wir gemeinsam zu diesem Ziel kommen.

Österreich gilt international nicht gerade als Paradies für Selbstständige. Da sind unsere Zuwanderer doch eine Ausnahme. Wie wollen Sie dieses Land unternehmerfreundlich gestalten?

Wir müssen in den frühen Jahren ansetzen und Risikobereitschaft bzw. Kreativität bei jungen Leuten fördern. Bei vielen künftigen Unternehmensgründern ist hingegen das größte Problem das Aufstellen von Geld. Da bemühen wir uns um eine Gesetzesnovelle im Bereich des Crowdfundings und eine neue Start-up-Strategie. Und wir haben neue Finanzierungsmöglichkeiten, z.B. über die EU-Förderungsprogramme.

Wie behalten wir gute Studienabsolventen im Land, die Rot-Weiß-Rot-Card reicht eindeutig nicht aus...

Wir müssen gute Leute behalten, egal ob sie zugewandert sind oder nicht. Unsere Willkommenskultur muss kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Gerade bei vielen Migranten in Österreich mangelt es an Uni-Ausbildung.

Als offene Volkswirtschaft brauchen wir mehr Know-how und Innovationskraft. Wir können da nicht auf Schätze aus den Zuwanderercommunitys verzichten. Wenn junge Zuwanderer es drauf haben, dann sollen sie studieren! Das Land braucht das!

 Interview: Nedad Memić / KOSMO

„Nicht nur neben-, sondern miteinander leben“

Ein Nicht genügend fürs Schulsystem

Faßman: "Unser Ziel ist nicht die Segregation"

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook