INTERVIEW: HEINISCH-HOSEK 22.10.2014

„Lehrer brauchen mehr Sprachkompetenz“

© zVg.
KOSMO sprach mit Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), Bundesministerin für Bildung und Frauen, über Gesamtschule, Schulstart Neu und Mehrsprachigkeit in Österreichs Schulen.


Frau Bundesminister, im neuen Bildungsprogramm der Bundesregierung ist die Frage der Gesamtschule vorerst vom Tisch. Warum?

Ich bin offen für Gespräche über Modellregionen und auch der Vizekanzler hat bereits gesagt, dass wir darüber in der Reformkommission reden werden. Das ist kein Nein, und darüber bin ich natürlich sehr erfreut. Vorarlberg hat bereits Interesse an einem Schulversuch für die gemeinsame Schule gezeigt.

Sie sagen, die SPÖ gibt das Thema Gesamtschule trotzdem nicht auf. Wann werden Sie sich dann mit diesem Thema beschäftigen?


Auf dem Weg zur besten Bildung wollen wir nun bei den Kleinen beginnen, also im Kindergarten. Aber irgendwann werden wir auch über die Zehn- bis Vierzehnjährigen wieder reden, da bin ich mir sicher. Die gemeinsame Schule ist nach wie vor Ziel der Sozialdemokratie. Andere Länder machen es vor, dass diese gemeinsame Phase der Zehn- bis Vierzehnjährigen mit individueller Förderung einfach das bessere Modell ist. Wir werden die sechs in der Regierungsklausur vereinbarten Punkte in Angriff nehmen. Ein Schritt nach dem anderen.

Das neue Regierungsprogramm sieht einen Schulstart Neu vor. Was bedeutet das konkret?

Bei Schulstart Neu geht es um einen gestalteten Übergang vom Kindergarten in die Grundstufe. Mit dem Schulstart Neu rücken Pädagoginnen und Pädagogen beider Bildungseinrichtungen näher zusammen und begleiten Kinder beim Übertritt vom Kindergarten in die Volksschule. Beide Bildungseinrichtungen bilden die Schuleingangsphase und entwickeln standortbezogene Modelle der Sprachförderung, der individuellen Förderung sowie insgesamt der Kompetenzorientierung. Der Schulstart Neu soll 2016/2017 flächendeckend in Österreich umgesetzt werden. Derzeit starten wir mit 35 Volksschulen und Kindergärten.

Experten fordern in der Frühphase mehr Beachtung der Mehrsprachigkeit bei den Migrantenkindern. Wird dieses Thema im Schulstart neu berücksichtigt?

Sprachförderung ist dabei ein wichtiger Aspekt. Ziel ist eine durchgängige sprachliche Bildung, die auf die Kompetenzentwicklung im Kindergarten aufbauend, in der Schule fortgesetzt wird. Die Förderung der Mehrsprachigkeit gibt es in der Schule als muttersprachlichen Unterricht – er wird in mehr als 20 Sprachen angeboten, dafür sind ca. 400 Pädagogen in ganz Österreich im Einsatz.

Ihre Vorgängerin Claudia Schmidt wollte mehr Lehrpersonal mit Migrationshintergrund einstellen. Was wurde in dieser Frage bisher getan?


Die Pädagoginnenbildung Neu hat den Zugang zu pädagogischen Berufen für Studierende mit anderen Erstsprachen geöffnet, um eine höhere Diversität in diesem Berufsfeld zu erreichen. Lehrer für den muttersprachlichen Unterricht werden in speziellen Lehrgangsmodulen weiterqualifiziert – das Angebot wird sehr stark nachgefragt. Ihre Stellung im österreichischen Schulsystem wird dadurch gefestigt. Dem Thema sprachliche Bildung wird ein erhöhter Stellenwert in der PädagogInnenbildung Neu eingeräumt – damit wird auch der Mehrsprachigkeit von Studierenden Rechnung getragen, bzw. diese wird für die zukünftige pädagogische Arbeit genutzt.

Die Pädagogin Heidi Schrodt hat uns in einem Interview gesagt, die österreichische Schule sei immer noch monokulturell und monolingual ausgerichtet. Wann wird sich das ändern?

Diese Ausrichtung ändert sich kontinuierlich: Lehrkräfte, Schulleiter, etc. werden sensibler für die Vielfalt an Sprachen und kulturellen Hintergründen der Schülerinnen und Schüler. Das ist Fakt. An den Pädagogischen Hochschulen hat das Thema sprachliche Bildung zugenommen. Interkulturelle Bildung, Mehrsprachigkeit, Migration sind Schwerpunktthemen in der LehrerInnenfort- und Weiterbildung. Viele Schulen im ganzen Bundesgebiet haben das Thema Sprache in ihre Schulentwicklungspläne aufgenommen und verfolgen diese Ausrichtung konsequent.

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