INTEGRATIONSBERICHT 2014 28.07.2014

Kurz: „Wir wollen keine Segregation der Schüler“

© BMI / Egon Weissheimer
Integrationsminister Sebastian Kurz präsentierte heute den Integrationsbericht 2014. Für Aufsehen sorgte im Vorfeld die Idee, reine Deutsch-Förderklassen für Schüler mit Migrationshintergrund einzurichten.


Schüler mit Sprachdefiziten könnten in Zukunft in gesonderten Klassen mit intensiven Deutschkursen unterrichtet werden. Dieser Vorschlag des Expertenrats für Integration sorgte in den vergangenen Tagen für Diskussionen. Er war auch eines der zentralen Themen bei der heutigen Präsentation des jährlichen Integrationsberichts in Anwesenheit von Integrationsminister Sebastian Kurz, dem Vorsitzende des unabhängigen Expertenrats für Integration Prof. Heinz Faßmann und Dr. Stephan Marik-Lebeck von der Statistik Austria.

„Wir wollen mit dieser Maßnahme auf keinen Fall für eine Segregation der Schüler sorgen“, sagte Sebastian Kurz zu dem Konzept. Er betonte, dass es sich bei dem Vorschlag lediglich um eine vorübergehende Maßnahme für gerade erst zugewanderte Quereinsteiger und Kinder mit schlechteren Deutschkenntnissen handeln sollte. Diese sollten noch vor dem Eintritt in reguläre Schulklassen in speziellen Deutsch-Förderklassen unterrichtet werden. Fraglich ist jedoch, wer den Deutschunterricht in diesen Klassen führen soll, da Österreichs Pädagoginnen und Pädagogen nicht ausreichend für den Unterreicht von Deutsch als Fremdsprache qualifiziert sind.

Positiveres Integrationsklima

Insgesamt fiel die Billanz von Integrationsminister Sebastian Kurz seit der Gründung des Integrationsstaatssekretariats 2011 und der Aufwertung zum Ministerium ist sehr positiv aus. So hat sich das Integrationsklima sowohl bei Zuwanderern als auch bei alteingesessenen Österreichern positiv entwickelt. Meinten bei Befragungen 2010 noch 69 Prozent, dass Integration in Österreich schlecht funktioniere, so reduzierte sich dieser Wert auf 51 Prozent. Umgekehrt bewerten 49 Prozent der Österreicher die Integration als gut – 2010 waren es nur 31 Prozent. Auch das Zugehörigkeitsgefühl der Migranten zu Österreich hat sich von 56 Prozent auf 70 Prozent erhöht. Rund jeder Fünfte in Österreich hat Migrationshintergrund.

Reformen bei Rot-Weiß-Rot-Karte und Anerkennungen

Trotz der positiven Entwicklungen gibt es weitere Probleme zu lösen, etwa bei den höheren Raten bei Schulabbrüchen und der höheren Arbeitslosigkeit unter Migranten, wie der Minister betonte. Kurz kündigte auch Verbesserungen bei der Anerkennung von im Ausland erworbenen Ausbildungen an. Eine Reform der Anerkennungsverfahren soll laut Kurz noch in dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden.

Reformen kündigte der Minister auch bei der zuletzt stark kritisierten Rot-Weiß-Rot-Karte (siehe KOSMO-Bericht) an. Hier sollen vor allem für Zuwanderer, die ihr Studium in Österreich abgeschlossen haben, Erleichterungen eingeführt und die Verfahren beschleunigt werden. Bezüglich des künftigen Islamgesetzes sagte Kurz, dass der Text schon so gut wie fertig sei. Das Gesetz soll Rechte und Pflichten für rund eine halbe Million Muslime in Österreich regeln.

Auch Sprachkurse für EU-Bürger

Die Zuwanderungsstruktur nach Österreich hat sich in den vergangenen Jahren signifikant verändert. Während früher die Türkei zu den Spitzenreitern in Sachen Zuwanderung zählte, kamen im vergangenen Jahr lediglich 1.000 Personen aus der Türkei nach Österreich. Tatsächlich sind rund 57 Prozent der Zuwanderer EU- bzw. EWR. Für diese Zuwanderer forderte Kurz nun die Ausweitung der EU-Förderungen für Sprachkurse. Bisher fördert die EU ausschließlich Integrationsmaßnahmen für Zuwanderer aus Drittstaaten.

KOSMO-Redaktion

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