BLOG 21.04.2015

Wie sagt man „Die Katze ist in der Garage eingesperrt“ auf Kroatisch?

© istockphoto.com
Sprachen lernen eröffnet neue Welten. Es erschließt unbekannte Denkweisen und Zugänge. Warum man welche Sprache lernt, kann verschiedenste Gründe haben: Urlaubsdestination, Geschichte, Kultur, Land und Leute, Freunde – ja und ganz bestimmt die Liebe.


Mein Mann ist Kroate und unsere Beziehung begann mit einem "Hvala". Nur wenige Zeit später hatte er schon Geburtstag und ich erfragte bei seinen Kumpels den Wortlaut „Sve najbolje za rođjendan!“, das ich dann mühsam auf eine Karte kritzelte mitsamt dem mir ungewohnten „đ“. Nachdem ich dann der Schwiegermutter mal mühsam aufmalen musste, dass die Katze in der Garage eingesperrt war und ich sie nicht befreien konnte, weil ich keinen Schlüssel hatte – was für ein Comic! – machte ich mich eifrig daran, diese Sprache zu lernen.

Zumindest war das mein Plan. Nach alter Gewohnheit – denn Kroatisch war meine siebte Sprache und vier davon hatte ich mir im Selbststudium angeeignet – kaufte ich mir voller Zuversicht diverse Bücher: „Einstieg Kroatisch für Kurzentschlossene“ war das erste Werk. Brav wurschtelte ich mich durch Vokabeln und slawische Grammatik. Kapitel 13: „Soba s pogledom na more“ – super! Die Schwiegermama lachte. Das Wichtigste der Welt ist doch ein Zimmer mit Meerblick! Darüber unterhalte ich mich auch so gerne mit meinem (damals) Freund! Sexy.

Mein Kauderwelsch-Kroatisch

Also nächstes: „Kroatisch am PC“. Und wieder ging es eifrig durch Dubrovnik und die Fischrestaurants… Auch „Kauderwelsch Kroatisch Wort für Wort“ hantelte sich entlang der typischen Touristenthemen. Entweder touristisch kroatisch oder burgenlandkroatisch. Es schien mir, als gäbe es zu Burgenlandkroatisch fast mehr Unterrichtsmaterial als zu „normalem“ Kroatisch.

Richtig kompliziert wurde es allerdings erst, als ich versuchte, mittels Langenscheidts Wörterbuch kroatische Wörter zu suchen: „Rasomiti“? (man muss ja auch mal hören lernen, ob ein s zischt oder ein z summt…)  Gab’s nicht. Bis ich endlich mal entdeckte, dass es „razumjeti“ war, dauerte es eine Weile. Und dass der Dide eigentlich „djed“ ist – puh! Auch grammatikalisch konnte mir keiner so richtig weiterhelfen. Irgendwie waren die Regeln nicht greifbar. Ein Mischmasch aus Dalmatinisch, Kroatisch, altem Serbokroatisch und Burgenlandkroatisch übermannte mich. Als wäre die Kommunikation nur innerhalb kleinster Sozialverbände einheitlich. Mein Bemühen und meine grammatikalische i-Tüpfel-Reiterei wurden belächelt. Aber auch das, was tatsächlich in den Lehrbüchern stand, wurde einfach oft als Unsinn abgetan.  Irgendwann habe ich aufgegeben und Kroatisch nach der Naturmethode gelernt – zumindest das, was in meinem kleinen dalmatinischen Sozialgefüge als kroatische Sprache verwendet wird.

Igranje na „Tischu“

Deshalb spreche ich auch nach 8 Jahren – zumindest nach meinen Maßstäben – immer noch nicht richtig gut. Verstehen kann ich viel: Wenn ich jetzt in Wien in der Straßenbahn sitze, kommt mir vor, ich verstehe 80% (!!!) mehr. Unglaublich, wie viele diese Sprache oder Abwandlungen davon sprechen und welch witzige Sprachkombinationen mit Deutsch entstehen: „Moraš se igrati na tischu“ sagte eine Mama mal zu ihrer Tochter in der Kinderkrippe.

Manchmal glaube ich, dass diese vielen Sprachen, die sich da aus dem Serbokroatischen auseinanderentwickelt haben noch viel zu jung sind. Sie entwickeln sich immer noch. Vielleicht ist das ja die Ursache dafür, dass sie sich nicht in ein Lehrbuch einfangen lassen, dass sie nicht festgehalten und festgeschrieben werden können, sodass auch alle Kroaten, Bosnier und Serben mit ihren jeweiligen Sprachen und sprachlichen Regeln zufrieden sind? Noch nicht zumindest. Derweil sind sie dynamisch und differenzieren sich mit der Zeit immer weiter voneinander, um die verschiedenen Identitäten fest zu machen. Ein interessanter Aspekt, dass sich Sprache und Identität zuerst diversifizieren können müssen, um schließlich gesamtheitlich ein besseres  Miteinander zu ermöglichen.

Barbara Šikić / KOSMO

Übersetzungen:
Hvala: Danke
Sve najbolje za rođjendan: Alles Gute zum Geburtstag
Soba s pogledom na more: Zimmer mit Meerblick
Razumjeti: verstehen
Dide oder djed: Opa
Moraš se igrati na tischu: Du musst auf dem Tisch spielen

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