KOMMENTAR 13.06.2014

Kroatien: Sieger der Herzen

Kroatiens Teamchef Niko Kovač ist nach der Niederlage gegen Brasilien stinksauer. Der sonst so ruhige und ausgeglichene 42-Jährige, der als in Berlin aufgewachsener Auslandskroate am Balkan für seine „guten deutschen Manieren“ und seine besonnene Art bekannt ist, musste nach dem Spiel endgültig die Nerven wegschmeißen.

Und das zurecht: Erst ein Elfmeter in der 71. Spielminute, den unter den Milliarden von Zuschauern weltweit wohl nur die Augen des japanischen Schiedsrichters Yuichi Nishimuri gesehen haben, sollte dem Gastgeber Brasilien die Wende gegen die Kroaten bringen. Eine theaterwürdige Schwalbe von Fred war der Auslöser für die 2:1-Führung für den Gastgeber, der – nicht wie von den Fußballfans erwartet – mit brasilianischen Traumfußball, sondern mit der Hilfe des japanischen Schiedsrichters drei Punkte holte.  

Yuichi Nishimuri, dessen Elfmeterpfiff nicht die einzige fragwürdige und spielbeinflussende Entscheidung des Abends war (unter anderem wurde ein Ausgleichstor von Olić aberkannt), hat sich wohl in Brasilien zumindest eine Straße verdient, die nach ihm benannt werden kann. Dafür sollte er aber in Kroatien vorerst wohl besser keinen Urlaub machen.  

Eine Niederlage für den Fußball


Selbst wenn man nicht auf die möglichen Verschwörungstheorien eingehen möchte, hat das gestrige Match einen bitteren Beigeschmack – und zwar nicht nur für die kroatischen Fans, sondern für den Fußball im Allgemeinen.

Die zweieinhalb Milliarden Zuschauer vor den Fernsehern haben allen Grund enttäuscht zu sein: Nicht nur die Leistung des Schiedsrichters war alles andere als weltmeisterlich. Auch Brasilien spielte trotz Star-Aufgebot nur wenig Brasilianisch und als der Schiedsrichter ihnen aushalf, gingen die Sympathien für die „Sambakicker“, die wenig Samba zeigten, endgültig verloren. Viele in der Welt, die vorher mit Brasilien sympathisierten, wurden plötzlich zu lautstarken Kroatien-Fans. Es war eben Kroatien, welches herzhaft, fair und leidenschaftlich kämpfte und - was niemand erwartet hätte - phasenweise sogar besser als die berüchtigten Sambakicker.

Auch wenn im Fußball am Ende des Tages nur das Resultat zählt: Wenn es um Sympathien geht, ist Kroatien eindeutig der Sieger des Abends und der Sieger der Herzen. Bravo, Vatreni!

Petar Rosandić / KOSMO

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