BALKAN 02.12.2013

Kroatien: Mehrheit gegen Homo-Ehe

© zVg.
Das gestern abgehaltene Referendum in Kroatien ging mit einem eindeutigen Sieg der Konservativen aus.


Beim gestrigen Volksentscheid stimmten 65,87 Prozent oder  946.433 der Wahlberechtigten in Kroatien für eine Verfassungsänderung und somit gegen die Homo-Ehe. Mit 26,75 Prozent lag die Wahlbeteiligung  nur wenig über dem Anteil der Wähler, die das rechtsklerikale Volksbegehren mit ihrer Unterschriftensammlung erst ermöglicht hatten. Es ist eine der niedrigsten Stimmbeteiligungen in Kroatien. Nur bei den EU-Wahlen im Mai war die Beteiligung niedriger gewesen.

Von einem „traurigen und sinnlosen Referendum", sprach nach der Stimmabgabe der sozialdemokratische Premierminister Zoran Milanović dessen Mitte-Links-Kabinett sich gegen das Volksbegehren ausgesprochen hatte. Vor der Schließung der Wahllokale kündigte der Premier bei einer Parteiveranstaltung ein Gesetz für eine eingetragene Partnerschaft an, bei der die Partner, egal welcher sexuellen Orientierung, die gleichen Rechte bekommen sollen. Die Regierung werde das in der kommenden Woche beschließen, sagte Milanović.

Kritiker ausgesperrt

Der rechtskonservative  Oppositionschef Tomislav Karamarko stimmte am Sonntag für die Verfassungsänderung, begründete diese mit den Worten: „Wir wollen die traditionellen Werte schützen und wollen niemandem seine Rechte streitig machen, sondern lediglich unsere Rechte behalten." Die kirchennahe Organisation „Im Namen der Familie“, die das Referendum initiiert hatte, sorgte am Vortag des Referendums für einen Eklat, indem sie unliebsamen Medien die Akkreditierung für die Berichterstattung aus ihrer Zentrale verweigerte. Andere Medien zeigten sich solidarisch und gesellten sich zu den nicht Erwünschten.

Liberale Medien  und zahlreiche Prominente hatten vor ähnlichen Volksbegehren gewarnt, die sich gegen andere Minderheit richten könnten. „Heute die Homosexuelle, morgen Ihr", hatte beispielsweise die populäre Pop-Diva Severina gewarnt. Am selbenTag kündigten die Nationalisten in der ostkroatischen Stadt Vukovar eine neue Volksabstimmung an. Sie hätten genügend Unterschriften, um die kyrillische Schrift und die Sprache der serbischen Minderheit im Land praktisch zu verbieten.

KOSMO-Redaktion

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