POLITIK 28.11.2014

Krise wegen Seselj: kroatischer Premierminister sagt Besuch ab

© zVg.
Der kroatische Premierminister Zoran Milanović sagte einen geplanten Serbien-Besuch ab. Grund ist der kürzlich vom UNO-Kriegsverbrechertribunal entlassene Ultranationalist Vojislav Šešelj.


Seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis des UNO-Kriegsverbrechertribunals polarisierte der serbische Ultranationalist Vojislav Šešelj nicht nur in Belgrad, sondern auch über die Grenzen Serbiens hinaus (siehe KOSMO-Bericht). Der wegen seiner schweren Krebserkrankung vorläufig freigelassene ehemalige Führer der Serbischen Radikalen Partei (SRS) setzte sich in seinen Reden für ein Großserbien ein, das weit über die Grenzen Bosnien-Herzegowinas und Kroatiens reichen sollte und provozierte anlässlich des Gedenktags der in den 1990er Jahren belagerten und zerstörten kroatischen Stadt Vukovar.

Nun könnten Šešeljs umstrittene Auftritte zu einer ernsthaften Krise für die internationalen Beziehungen Serbiens führen. Im Lauf der Woche hatte es bereits Resolutionen des kroatischen Parlaments und des Europaparlaments gegeben, die das Verhalten des Ultranationalisten kritisierten. Serbiens Premierminister Vučić reagierte scharf auf die EU-Kritik und kritisierte seinerseits Kroatiens Umgang mit seinen Kriegsverbrechern und Nationalisten.

Hetzreden stoppen

Heute meldeten die Medien, dass kroatische Außenminister Zoran Milanović einen Besuch Serbiens abgesagt habe. Als Grund nannte Milanovic die „Passivität der serbischen Regierung angesichts der Hetzreden von Šešelj“.

Trotz der medienwirksamen Auftritte Seseljs berichten Meinungsforscher in Serbien von der sinkenden Popularität Šešeljs und seiner Radikalen Partei. So gab das Meinungsforschungsinstitut Faktor plus an, dass die Beliebtheit des Ultranationalisten nach einem vorübergehenden Sprung auf acht Prozent unmittelbar nach seiner Entlassung nun bei drei Prozent gelandet sei.

KOSMO-Redaktion

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