INTERVIEW 02.04.2014

König der klassischen Gitarre

© KOSMO / Radule Božinović
Miloš Karadaglić ist heute einer der gefragtesten Musiker an der klassischen Gitarre. Dabei fing alles mit der alten Gitarre seines Vaters an, die er als Kind in die Hand nahm…


Geboren 1983 in Podgorica (Montenegro), fing Miloš Karadaglić in seinem achten Lebensjahr an, auf der alten Gitarre seines Vaters zu spielen. Mit neun hatte er den ersten öffentlichen Auftritt, und schon mit elf triumphierte er bei einem nationalen Wettbewerb. Heute sind seine Konzerte in den größten Sälen ausverkauft. Die großen internationalen Medien nennen ihn den König und einen Helden der klassischen Gitarre, und Musikfreunde behaupten, dass er auf dem besten Weg sei, den Geiger Andre Rieu in den Schatten zu stellen. KOSMO lernte Miloš Karadaglić bei seinem ersten Auftritt in Wien kennen, der von der montenegrinischen Botschaft organisiert war.

KOSMO: Als du diese Gitarre deines Vaters aus dem Schrank zogst, was wolltest du da eigentlich?

Miloš Karadaglić: Als ich klein war, habe ich gerne gesungen. Ich war Mitglied in einem Chor. Ich habe mir vorgestellt, zur Gitarre einige Liedchen zu singen. Dabei sollte es bleiben. Aber dann zeigte ich große Hartnäckigkeit und den Wunsch, das Spiel auf diesem Instrument zu lernen.

Mit 16 hast du eine Bewerbung an die Königliche Musikakademie in London geschickt...

Ja, das stimmt! Ich war 16, als ich meine Interpretation von Melodien für die klassische Gitarre aufnahm und die Aufnahme nach London schickte. Da ich keine Antwort erhielt, dachte ich, dass ich nicht genommen worden sei. Ich rief dann trotzdem in London an und erfuhr, dass man mir einen Brief geschickt hatte, der verloren gegangen war. Dieses Gespräch hat mein Leben verändert. Ich erfuhr, dass ich in die Königliche Akademie aufgenommen war.

Wie war deine erste Begegnung mit London?

Erst, als ich schon in London angekommen war, war mir klar, wohin es mich da verschlagen hatte. Ich konnte zwar die Sprache, aber es war trotzdem schwer für mich. Ich war erst 17, ich gehörte zu den Jüngsten an der Akademie, aber mir war schon bewusst, dass es mein Lebenstraum ist, für Menschen auf der ganzen Welt zu spielen.

Mit dem Londoner Symphonieorchester hast du eine CD aufgenommen, aber du trittst auch mit anderen internationalen Philharmonien auf. Mit wem spielst du in diesem Jahr?

Für einen Gitarristen ist es ein großer Erfolg, wenn man von einem Philharmonieorchester eingeladen wird, ein Solokonzert zu spielen. In dieser Saison habe ich Konzerte mit den Philharmonieorchestern von London, Madrid, Rom, Paris, Los Angeles, Chicago, Cleveland, Tokio und anderen geplant. Mit dem Wiener Philharmonieorchester habe ich noch nicht gespielt, aber ich glaube, das wird auch noch kommen.

Schmeichelt dir die große Aufmerksamkeit der internationalen Musiköffentlichkeit?

Es schmeichelt einem natürlich. Allerdings schmeichelt mir am meisten die Bewunderung des Publikums. Das ist die größte Auszeichnung, die für mich viel wichtiger und wertvoller ist als aller Medienrummel.

Was ist neben der klassischen Gitarre dein liebstes Genre?

Natürlich mag ich das, was ich tue, am liebsten. Aber in meiner Freizeit widme ich mich der Oper. Vieles in der Opernmusik ist für Sologitarre geschrieben, und es gibt auch viele Bearbeitungen von Opernarien für Sologitarre. Das war im 19. Jahrhundert eine Mode in den Salons der reichen Familien.

Wie oft kommst du noch nach Montenegro?

Immer, wenn ich kann. Meine Eltern leben in Montenegro, mein Bruder ist Ökonom in Madrid. Montenegro trage ich mit all seinen Vor- und Nachteilen immer in mir. Es macht mich zu dem Künstler und Menschen, der ich heute bin. Ich lebe seit 13 Jahren in London.  Ich glaube, dass mein musikalischer Ausdruck ganz anders geworden wäre, wenn ich in Paris, Wien oder London geboren worden wäre.

Interview: Vera Marjanović

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