INTERVIEW 29.04.2014

Kid Pex: „Barbara Rett steht auf meiner Liste“

© Thomas Unterberger
Wir sprachen mit dem Wiener Rapper Kid Pex über neue Sitten in Wien, warum er Mozart killen wollte und wieso Barbara Rett auf seiner Liste steht.


Kid Pex, der selbsternannte „Tschuschenrapper“ Österreichs, hat vor kurzem sein neues Album „Bečka škola“ (Wiener Schule) veröffentlicht. Schon mit der ersten Videoauskopplung aus dem Album sorgte der gebürtige Kroate für Schlagzeilen: Da im Video zur Single „Bečka škola“ Wolfgang Amadeus Mozart in einem fiktiven Videospiel getötet wird, sprach die Gratiszeitung Heute von einem „Skandal“ (siehe KOSMO-Bericht). Uns verrät einer der bekanntesten Hip Hopper hierzulande was hinter dem Albumtitel steckt und wieso Rap für ihn zugleich Provokation und Ventil ist.

KOSMO: Deine Albumpräsentation nähert sich – am 28. Mai im „Fania Live“. Was steht hinter dem Titel deines vierten Albums?

Kid Pex: Der Begriff Wiener Schule ist am Balkan, geprägt durch die Zeit der Monarchie, ein Synonym für gute Manieren und eine vornehme Art. Er steht zugleich auch für eine Elite, die der ganzen Gesellschaft Maßstäbe setzt. Ich selbst beschäftige mich mit dem Begriff ironisch. Ich mache sozusagen ein Update und zeige wie sich Wien durch seine Balkanzuwanderer verändert hat. Jetzt gibt`s nicht mehr nur Geigenspieler, Kinderchöre und fein angezogene Diplomaten, sondern auch laute Grillfeste, Fleischorgien mit Spannferkel und Balkanmachos, die mit teuren deutschen Sportautos die Stadt unsicher machen. Das ist eben die Wiener Schule im Jahr 2014.

Wegen deinem „Kill-Mozart“-Video warst du ein Thema in der Boulevardpresse. Wie siehst du den herbeigerufenen Skandal im Nachhinein?

Ich fand das schon alles sehr amüsant. Da ich ja das Ganze mit Augenzwinkern gemacht habe und mich im Video teilweise selber zum Clown mache, war die Reaktion der Heute-Zeitung schon eher übertrieben. Aber ja, in Österreich kann man scheinbar noch immer sehr leicht annecken. Und so wurde nach Jelinek und Bernhard auch der Tschuschenrapper zum Nestbeschmutzer und Staatsfeind der großen Kulturwächter aus dem U-Bahn-Blatt erklärt.

Wieso hast Du dir gerade Mozart vorgenommen?

Ach, gegen Mozart habe ich im Prinzip gar nichts und das war ja, wie gesagt, eher eine Comedy-Aktion. Er wurde eher ausgewählt, weil er diese Zeit der elitären, alten „Wiener Schule“ wohl am Besten repräsentiert. Außerdem fand ich die Idee lustig, dass Balkankinder in einem Videospiel Mozart jagen.

Und wer steht noch auf deiner Liste?


Sollte ich wieder so eine Parodie machen, dann nehme ich mir jemanden vor, der für die salonfähige Ausgrenzung steht. Und da gibt es hierzulande en masse Kandidaten. Vielleicht Heinz-Christian Strache, vielleicht Barbara Rett, mal schauen. Die Barbara liebt ja den Balkan (lacht). Elke Lichtenegger hätte es eigentlich auch verdient.

Was regt Dich auf in Österreich auf?


Der Alltagsrassismus und die Toleranz gegenüber extrem rechten politischen Parteien. Doch es sind nicht nur die Rechten. Dass ein Minister den Alaba auf Englisch anspricht, ist schon eher besorgniserregend als lustig. Genauso wie die Tatsache, dass Zweisprachigkeit paradoxerweise oft als Handicap verstanden wird. Es gibt einfach einige Indikatoren, dass sehr viele noch im Gestern leben. Wenn Barbara Rett den Balkan in der Primetime abwertet oder wenn ungerechtfertigte Kündigungen der Masse mit dem Argument „eh nur ein Slowake“ schmackhaft gemacht werden sollen, dann ist das schon auch ein erschreckendes Abbild der Realität in Österreich.

„Moja generacija“ (Meine Generation), ,,Daleko“ (Weit weg) und „Bečka škola“ (Wienerische Schule) sind einige von 21 Liedern, die auf deinem neuen Album sind. Welches ist dein Lieblingslied?

„Dijaspora“ (Diaspora) ist momentan mein Favorit, weil das Lied zeigt, dass ich auch Sinn für tiefe Texte mit Message habe. Das Lied setzt sich mit dem übertriebenen Folklorismus und Nationalismus in der Diaspora auseinander. Der blüht dann eben noch mehr auf...

Die meisten Fans von Kid Pex wissen nicht, dass du auch beim Ethnomagazin „KOSMO“ tätig bist. Fühlst du mehr als Journalist oder Rapper?


Ich bin beides und ich lebe auch beide Seiten aus. Rap ist in dem Zusammenhang für mich wie ein Ventil: Da darf ich Sachen machen, die im Journalismus so nicht möglich wären. Was meine journalistische und meine musikalische Tätigkeit verbindet ist mein Hang zur Professionalität. Ich versuche beides so profesionell wie möglich zu machen.

Sandra Radovanović / KOSMO

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"Bečka škola" Online anhören

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