RAKIJA 30.10.2014

Kein Balkan ohne Šljivovica

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Heute steht in fast jedem Haushalt eine Flasche Šljivovica (Sliwowitz). Dieser Obstbrand wird am Balkan immer noch gerne als Heilmittel, für Umschläge oder zum Inhalieren bei Erkältung und Grippe verwendet - vor allem aber dient er zur „inneren Anwendung“, als Getränk. Wir verraten die Geheimnisse eines richtigen Šljivovica.


Der Šljivovica, der traditionelle Pflaumenschnaps, ist ein alkoholisches Getränk, das seit Menschengedenken vor allem auf dem Balkan, aber auch in Mittel- und Osteuropa produziert wird. In Serbien als einem der weltweit größten Pflaumenproduzenten und als größtem Exporteur des Šljivovica ist diese Art von Schnaps ein tief verwurzelter Bestandteil der nationalen Identität. Überhaupt ist die Pflaume als Baum in Serbien allgegenwärtig. Ein altes serbisches Sprichwort besagt, dass man sein Haus an dem Platz bauen sollte, an dem die Pflaume die meisten Früchte trägt.

42 Millionen Pflaumenbäume in Serbien

Nach Dr. Ninoslav Nikičević, Professor an der Landwirtschaftlichen Fakultät in Belgrad, gibt es in Serbien heute etwa 42 Millionen Pflaumenbäume. Das heißt, dass auf jeden Einwohner Serbiens fünf bis sechs Pflaumenbäume kommen. Im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien ist der Šljivovica noch immer der bei weitem verbreitetste Schnaps und Obstbrand. Und es ist einer seiner größten Vorteile, dass sein Grundstoff eine natürliche Frucht ist und nicht Mais, Weizen oder Melasse, aus denen Whisky und Wodka hergestellt werden, sagt Dipl. Ing. Darko Bojković, Nahrungsmitteltechniker aus Smederevo und Gründer des Internetportals www.sljivovica.net.

In Serbien gelten die Sorten Požegača und Crvena Ranka als beste Pflaumen für den Šljivovica, aber auch die Čačanska-Sorten werden immer häufiger verwendet. Die Früchte müssen sehr reif sein und die Steine müssen unbedingt entfernt werden. So werden sie zerstampft und anschließend zur Fermentierung in Gefäße gefüllt. Nach Abschluss der Gärung, wenn der ganze Zucker in Alkohol umgewandelt ist, muss die vergorene Maische möglichst schnell destilliert werden. Die industrielle Destillation wird heute in großen Destillerien durchgeführt, während in unserer Region noch immer die häusliche Schnapsproduktion vorherrscht.

„Hausgebrannt schmeckt am besten“


Beim häuslichen Schnapsbrennen am Land werden vor allem einfache Apparate, Kessel und Alambics, für die Destillation verwendet. Viele alte Kessel, die in den Manufakturen erfahrener Kessler gefertigt wurden, sind, wenn sie gut erhalten sind, noch heute hervorragend, denn sie sind aus einer dicken Schicht besten, fast hundertprozentig reinen Kupfers gefertigt. Das bestätigt man uns in der alten Kesselmanufaktur Cvetković Barbut in Prokuplje, in der seit 1936 Kessel für die Rakijaproduktion hergestellt werden. „Die wichtigsten Eigenschaften eines guten Kessels sind die Reinheit des Kupfers, die Dicke des Blechs und die Qualität der Verarbeitung“, sagt Radmilo Cvetković.

Das Aroma des Šljivovica ändert sich auch während der Lagerung allmählich. Šljivovica muss in Holzfässern aus Eiche, Maulbeerbaum, Akazie oder Esche gelagert werden. Die Wahl des Holzes gibt dem Schnaps auch seine entsprechende Farbe. Fässer aus Eiche geben dem Šljivovica eine goldbraune Färbung, während Maulbeerholz zu einer bernsteinähnlichen Farbe führt.

Trinken mit Genuss und Maß

Wie jedes bekannte Getränk wird der Šljivovica traditionell aus birnenförmigen Gläsern von normalerweise 0,3 – 0,5 Dezilitern Volumen getrunken, die „čokanjče“, “unuče” oder in der Vojvodina auch „fićuk“ genannt werden. Dieser Rakija ist ein Getränk, das man genießen sollte, ohne sich damit zu betrinken. Es passt hervorragend zu kalten Aufschnittplatten (Meze) mit würzigem Käse oder Kajmak, zu Essiggurken und Trockenfleisch. Im Winter wird er als „Šumadija-Tee“ auch heiß getrunken.

Milan Ilić / KOSMO

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