INTERVIEW 27.10.2014

Karmasin: „Integration beginnt im Kindergarten“

© Zarko Aleksic / KOSMO
KOSMO sprach mit Sophie Karmasin (ÖVP), Bundesministerin für Familie und Jugend, über Väterkarenz, Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern und die Bedeutung des Kindergartens.


KOSMO: Sie sind Mütter zweier Söhne. Wie lebt die Familienministerin ihr eigenes Familienleben?

Sophie Karmasin: Mir ist das Wohl meiner Kinder am wichtigsten. Wir leben unser Familienleben sehr partnerschaftlich. Unsere Kinder dürfen auch dazu beitragen – besonders wenn es um ihre Zimmer und Haustiere geht!

Sie wollen Österreich bis 2025 als familienfreundlichstes Land der EU gestalten. Was bedeutet das konkret?

Es ist eine Fülle von Maßnahmen, die teilweise bereits umgesetzt wurden, wie z.B. die Erhöhung der Familienbeihilfe, deren monatliche Auszahlung, mehr Männer als Kindergartenpädagogen oder der bundesweite Ausbau von Kindergärten und Krippen. Was wir nun verhandeln, ist die Reform des Kinderbetreuungsgelds zu einem flexiblen Kinderbetreuungsgeld-Konto. Wir starten damit einen sehr breiten und offenen Prozess, der zu mehr Möglichkeiten und mehr Väterbeteiligung führen soll.

Wird diese Flexibilisierung den Familien mehr Geld bringen?

Wir haben momentan vier Pauschal-Varianten und die einkommens-abhängige Variante. Wir denken jetzt ein Konto an, mit einer flexiblen Geldsumme, mit der man die Bezugslänge flexibler ändern oder z.B. die Mittel für den späteren Schulbeginn aufheben kann. Geplant ist das ab 2016. Aus der anderen Seite wollen wir die bestehenden und eher komplizierten vier Pauschal-Varianten abschaffen. Die einkommens-abhängige Variante soll erhalten bleiben weil sie sich immer größerer Beliebtheit erfreut.

Sie setzen sich für einen schnelleren Berufseinstieg von Frauen nach der Karenz ein. Müssen Sie viel Überzeugungsarbeit leisten?

Ich möchte niemanden überzeugen, sondern alle Möglichkeiten offenlegen. Es gibt Familien mit unterschiedlichen Bedürfnissen, und für alle diese Varianten muss es genug Auswahlmöglichkeiten geben. Für jedes Modell soll es also politische Rahmenbedingungen geben. Wo es noch Aufholbedarf gibt, sind Kinderbetreuungsplätze für unter Dreijährige und die Öffnungszeiten, die den Bedürfnissen der Familien entsprechen sollen.

Die große Rolle spielen dabei auch die Väter. Es entscheiden sich immer noch wenige von ihnen – besonders aus den Zuwandererfamilien – für die Väterkarenz...


Generell gehen in Österreich zu wenige Väter in Vaterkarenz. Im Schnitt sind es 17 Prozent der  Väter, die sich dazu entscheiden auch eine Zeit in Karenz zu gehen. Wir wollen deshalb Anreize schaffen, durch das eben besprochene Kinderbetreuungskonto, die sog. väterreservierten Monate oder durch den Vaterschaftsbonus. Es gibt mittlerweile auch Unternehmen, die Sonderangebote für Väter in Karenz schaffen. Wir wollen sie unterstützen. Wir dürfen ebenfalls nicht vergessen, dass die ausgeprägte Einkommensschere zwischen Männern und Frauen immer noch viele Männer daran hindert, in Karenz zu gehen. Daran müssen wir arbeiten.

Die Mehrheit aller Neugeburten in den großen Ballungszentren in Österreich kommt aus den Zuwandererfamilien. Neue Österreicher sind interkulturell. Ist die Familien- und Bildungspolitik überhaupt darauf vorbereitet?

Es ist wichtig, im Kindergartenbereich anzusetzen: Wir brauchen ein ausreichendes und qualitatives Angebot mit ausreichendem Kinderbetreuungspersonal. Ich brauche aber auch ein klares Bekenntnis zum Kindergarten. Denn gerade ist das letzte Kindergartenjahr für die Sprachförderung sehr wichtig.

Kindergartenpädagogen und -assistenten klagen aber über niedrige Einstiegsgehälter. Sollte man nicht gerade dort ansetzen?

Wir brauchen mehr Bewusstsein für diesen sehr wichtigen Beruf und müssen neben der Akademisierung auch die Forschung in dem Bereich stärken. Was die Gehälter betrifft, müssen wir natürlich evaluieren, wie zeitgemäß sie sind. Aber wenn ich mir Wien anschaue, da betragen die Einstiegsgehälter über 2.000 Euro brutto. Es gibt viele andere Berufe, die mit weniger Geld anfangen.

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