BILDUNG 12.06.2013

KOSMO-Talk: Vielfalt an Schulen ist nicht nur Sprache, sondern auch Kultur

© KOSMO/Radule Božinović
„Wie viel Vielfalt vertragen Wiens Schulen?“ – diese Frage stellte KOSMO in Kooperation mit dem BFI Wien am Donnerstagabend, 6. Juni 2013, fünf ExpertInnen. 60 interessierte BesucherInnen hatten sich zum „KOSMO Talk“ in die HAK des BFI Wien im fünften Wiener Gemeindebezirk eingefunden, um neue Eindrücke zu einem brennenden Thema zu erhalten und sich auch selbst in die spannende Debatte einzubringen.

Unter der Leitung von KOSMO-Chefredakteur Dr. Nedad Memić diskutierten Wiens Stadtschulrats-Präsidentin Dr. Susanne Brandsteidl, Bildungswissenschaftlerin Dr. Neda Forghani-Arani (Universität Wien), Schülerunion-Bundesobmann Daniel Perschy, die Chefredakteurin der Wiener Bezirkszeitung Mag. Alexandra Laubner sowie Gastgeber Mag. Fred Burda, Direktor der Schulen des BFI Wien.

Sehr rasch spitzte sich das Gespräch über Vielfalt auf die sprachlichen Kenntnisse von Kindern mit Migrationshintergrund zu. Auf der Bühne wie im Publikum bemühten sich die Anwesenden jedoch, von dieser Verkürzung wegzukommen. Einerseits im gemeinsamen Konsens, dass weniger auf Mängel bei Kenntnissen der deutschen Sprache hingewiesen als vielmehr Kenntnisse von Zweit- und Drittsprachen als Bereicherung anerkannt werden sollten. Darüber hinaus waren die Podiumsgäste mit Memic einig, dass die (Wiener) Vielfalt v.a. eine kulturelle sei.

Daniel Perschy forderte die Etablierung von Kulturtagen in den Schulklassen ein, bei denen SchülerInnen jeweils über ihre Herkunft, die Geschichte ihrer Familie und kulturelle Eigenheiten  sprechen – und einander bestenfalls auch noch gegenseitig mit bislang vielleicht weniger bekannten kulinarischen Köstlichkeiten erfreuen.

Alexandra Laubner wollte von Stadtschulratspräsidentin Brandsteidl wissen, warum Kinder aus Schulen in Simmering eine deutlich niedrigere Lesekompetenz als z.B. SchülerInnen in Hietzing hätten. „Einen solchen Fall habe ich kürzlich bei einem SchülerInnenbesuch in der Redaktion gehabt", erklärte Laubner. Weiters stellte die Chefredakteurin fest: „Eine Berichterstattung, die darauf abzielt, Menschen gegeneinander aufzuhetzen, ist ein absolutes No-Go. Ich sage es ganz offen, Journalisten, die so ticken sind bei uns in der Redaktion der bz-Wiener Bezirkszeitung fehl am Platz.“

Ein gutes Fallbeispiel lieferte Schuldirektor Fred Burda: Das Projekt des Bosnischen, Kroatischen und Serbischen als Maturafach an der HAK des BFI Wien brachte der Schule positive Erfahrungen: "Wir unterstützen die schulische Vielfalt durch zahlreiche Maßnahmen und Projekte im Unterricht", so Burda.

Susanne Brandsteidl
bestätigte, die Augen nicht vor realen Problemen zu schließen, verwies jedoch auf die guten Ergebnisse von Lesetests an Wiener Schulen und auf ihre ambitionierten Pläne: Die Ganztagsschule solle sich als Norm durchsetzen, Kinder künftig verpflichtend ab dem ersten Lebensjahr in einen Kindergarten gehen. Eine allfällige politische Umsetzung dieser Vorstellungen wird sich voraussichtlich noch ziehen.

Schließlich stellte die gebürtige Perserin Neda Forghani-Arani fest, dass der Umgang mit kultureller Vielfalt ein hochkomplexes Unterfangen ist: „Das ist keine einfache Sache, und wird es auch in zehn Jahren noch nicht sein.“ Im Sinne des friedlichen Zusammenlebens und der positiven gesellschaftlichen Entwicklung „müssen wir uns alle bemühen, lernfähig zu bleiben“.
 
Im Rahmen des KOSMO-Talks wurde auch ein Maturaprojekt aus der HAK des BFI Wien zum Thema Vielfalt vorgestellt und vom Publikum mit Applaus und Zustimmung honoriert.

KOSMO-Redaktion

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