INTEGRATION 20.11.2013

Jung, mehrsprachig, engagiert

© VWFI/Magdalena Possert
Beim gestern gestarteten mehrsprachigen Redewettbewerb „Sag’s Multi“ messen sich über 400 Schülerinnen und Schüler in 39 Sprachen.


Das österreichische Schulsystem sei überlastet mit den vielen migrantischen Kindern, heißt es immer wieder. Sogar bis zum Verbot der Muttersprache an den Schulen reichen die Ideen mancher Politiker und Pädagogen. Eine Veranstaltung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Mehrsprachigkeit zu bestärken, ist der gestern gestartete Redewettbewerb „Sag’s Multi“. Der Wettbewerb findet heuer bereits zum fünften Mal statt und wird vom Verein Wirtschaft für Integration und dem Edcult-Institut organisiert. Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Bei ihren Reden müssen sie zwischen ihrer Erstsprache und Deutsch hin- und herwechseln.

Oftmals vernachläsigte Sprachen

Türkisch, Arabisch, Rumänisch, Polnisch – natürlich auch Bosnisch/Kroatisch/Serbisch – die Sprachen, die man hier hört, sind keine Modesprachen. Das weiß auch Georg Kraft-Kinz, Obmann des Vereins Wirtschaft für Integration, und gerade das liegt ihm am Herzen.

Insgesamt haben sich für den Wettbewerb 407 Schülerinnen und Schüler aus 84 Schulen in ganz Österreich angemeldet. 39 Sprachen sind hier vertreten. Der Wettbewerb geht über mehrere Runden und wird im März 2014 mit einer Preisverleihung im Wiener Rathaus abgeschlossen. „Mit der Veranstaltung wollen wir helfen Wertschätzung für Mehrsprachigkeit zu entwickeln und junge Sprachtalente zu fördern“, erklärt Kraft-Kinz.

Mehrsprachige Idealisten

Eines dieser jungen Talente ist der 15-jährige Daniel. In seinem Kurzvortrag auf Serbisch und Deutsch spricht er von der Macht der guten Taten, und der Verantwortung des Einzelnen. Wie ein stilles Wasser, das eine verändernde Kraft entwickeln kann, wenn alle mithelfen. Dass er erst seit zwei Monaten in Österreich lebt würde man seiner flüssigen Rede niemals anmerken. „Es war schon immer mein größter Wunsch, nach Österreich zu kommen“, erzählt er später am Gang. Und so konnte er seine Eltern schließlich überzeugen, ihn in einem Schülerwohnheim in Wien einzuschreiben. Hier in der Fremde ist er auf sich alleine gestellt, die Familie ist in Serbien geblieben. In der neuen Schule fühlt er sich aber willkommen.

Im nächsten Raum hält ein Mädchen, das gerade mal über das Rednerpult sehen kann eine engagierte Ansprache zum Thema Umweltschutz auf Deutsch und Rumänisch. Die Rednerin, die nach ihr kommt ist vielleicht zwei Jahre älter. Sie spricht auf Spanisch und Deutsch über Krieg.

Aber die Themen müssen nicht immer politisch sein. Die 12-jährige Marija hat sich über Rap-Musik Gedanken gemacht. Marija rappt selbst und in ihrer Rede auf Serbisch und Deutsch beschäftigt sie sich mit Berliner Rapperin Lumaraa.

Potenziale der Zukunft


„Fünfzig Kinder und Jugendliche werden wir heute noch sehen“, erzählen uns Maria Martinović und Niq Krasniqi in dem Raum mit der Aufschrift „Albanisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Serbokroatisch“. Die beiden sind bereits seit dem ersten Wettbewerb vor fünf Jahren als Juroren dabei.

„Je besser ihr Umgang mit ihrer ersten Sprache ist, desto besser sprechen die Kinder auch deutsch“, betont Krasniqi. „Das weiß die Psychologie schon seit Jahrzehnten, aber langsam dringt es auch zur Politik durch“.

Der albanischstämmige Juror arbeitet schon seit über fünfzehn Jahren als Dolmetscher in Österreich und engagiert sich auch für verschiedene Integrationsprojekte. „Diese jungen Menschen zu beurteilen, ist das Schwierigste, die Qualität der Reden ist oft sehr hoch“, erzählen Krasniqi und seine serbischstämmige Kollegin. Heute hatte etwa ein 17-jähriges Mädchen eine so detaillierte Analyse der Volkabstimmung über die Homo-Ehe in Kroatien gemacht, dass man nur noch verblüfft sein kann. „Diese Kinder werden in Zukunft eine tragende Rolle spielen“, davon sind beide überzeugt.

Ljubiša Buzić / KOSMO

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