AUSTRIA MEETS BALKAN 28.11.2014

„Jugo-Sprache, schwere Sprache“

© zVg.
Wenn Österreich auf Balkan trifft: Unsere Bloggerin Nicole Rauscher lernt Bosnisch/Kroatisch/Serbisch.


Aufgrund einer gewissen Sprachbegabung kam mir irgendwann der irre Gedanke, es wäre doch nett, ein bisschen „Jugo“ zu lernen. Wenn Englisch, Französisch und Italienisch funktionieren, werd’ ich mir schon nicht an den diversen Richtungen des alten Serbokroatisch die Zähne ausbeißen, dachte ich. Zu der Zeit wusste ich weder etwas von den sieben Fällen, konnte mit Ekavisch und Ijekavisch gar nichts anfangen und hatte keinen blassen Dunst von der Existenz kyrillischer Schreibschrift.

Obwohl seit dem Zerfall Jugoslawiens die Eigenständigkeit der Sprachen gefördert wird, bietet das Slawistik-Institut der Uni Wien einen einzigen Kurs an: BKS – Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, wahlweise mit ein bisschen Burgenland-Kroatisch. Wie man uns Studenten eingangs erklärte, wär’ das schon deswegen kein Problem, weil die Grammatik dieselbe sei und man sich im Laufe des Kurses entscheiden könne, welche Variante man bevorzuge. Leichter gesagt, als getan.

Kinderbücher und Kneipen-Humor

Weil das Bosnische mal Kroatisch, mal Serbisch, manchmal mit türkischem Einschlag und zudem Ijekavisch ist, zollte ich der Komplexität der Sprache Tribut und beschloss mich aufs orthographisch „einfachere“ ekavische Serbisch zu beschränken. Dass das auch hieß, das kyrillische Alphabet zumindest in Großbuchstaben zu lernen, das ich heute noch nicht in der richtigen Reihenfolge beherrsche, kam mir erst, als ich krakelige Zeichen in mein Übungsheft malte und bei der Knjižara „Mi“ in der Burggasse „Приче о животињама“ („Tiergeschichten“) kaufte.

Dort trau’ ich mich übrigens nicht mehr hin. Als ich das Buch letzten Sommer kaufte, habe ich dem herzigen Herrn Prstojević gestanden, dass es für mich und nicht für ein Kind bestimmt war. Er hat gelacht und gemeint, ich solle wieder kommen, wenn ich es durch hätte. Ich hab’s nicht durch.

Und dann hat er mir einen Witz erzählt: „Ženo, udarila si policajca!“

- „Ma, to je bio ležeći policajac...“ -„Ako je ležeći... otkud onda pendrek na šoferšajbi?!“*

Ob ich inzwischen halbwegs Serbisch kann? Nope. Jede/r einzelne Verwandte des Liebsten kann das bezeugen. Seit der Traumtänzer nämlich erzählt hat, ich hätte mir ein Semester, dreimal pro Woche, das komplizierte, grammatische Konstrukt ihrer Sprache gegeben, redet sogar Baba mit mir. In einem – für mich - unverständlichen, ijekavischen, ländlich-bosnischen Dialekt. Aber ich geb’ erst auf, wenn ich sie versteh’.

 Nicole Rauscher

Švabo-Legende:
Knjižara – Buchhandlung / Приче о животињама (Priče o životinjama) – Geschichten über Tiere / „Ženo, udarila si policajca!“ „Ma, to je bio ležeći policajac...“ „Ako je ležeći... otkud onda pendrek na šoferšajbi?!“ - „Frau, du hast einen Polizisten angefahren!“ „Ach, das war ein liegender Polizist...“ „Wenn es ein liegender war... warum ist dann ein Schlagstock auf der Windschutzscheibe!?“
 
Hilfe, mein Freund kommt vom Balkan!


Koma-Grillen und Sarma-Orgien

„Eine Jugo-Hochzeit dauert drei Tage“

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Rap-Legende Juice
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