INTERVIEW 07.05.2014

„Jede freigeistige Frau ist eine Frajla“

© Sever Zolak / The Frajle
Direkt aus Novi Sad kommt die beliebteste akustische Frauenband The Frajle nach Wien. KOSMO sprach mit den Musikerinnen anlässlich ihres Konzerts am 10. Mai.


KOSMO: „Frajla“ ist in der Vojvodina ein Ausdruck für einen bestimmten Frauentyp. Wie würdet ihr einem Außenstehenden erklären, was eine Frajla eigentlich ist?

The Frajle: Frajla ist die altertümliche Bezeichnung für ein Fräulein. Sie stammt aus der Zeit Österreich-Ungarns. In der Vojvodina hat sie sich bis heute erhalten, und wir haben noch einige Details hinzugefügt. Eine Frajla ist eine gebildete, kulturbewusste, feine, aber gerne auch ein wenig freche junge Dame mit guten Manieren und einem freien Verstand. Jede freigeistige Frau ist eine Frajla.

Ist es heute leichter seine solche „Frajle“, eine freigeistige Frau, zu sein?

Ein Freigeist zu sein und das Leben einfach zu genießen, ist für viele eine Herausforderung. Für manche ist es einfach eine Lebensweise. Es imponiert uns, dass wir so wahrgenommen werden.

Eure Lieder verbinden akustische Gitarren mit oftmals treibenden Rhythmen und spritzigen Texten. Wie definiert ihr eine Musik?

Unsere Musik ist eine Verbindung unserer vier - sehr unterschiedlichen – Charaktere. Man hört Klänge der Tamburica, mediterrante Elemente, Bećarac, Pop-Musik, ein bißchen Jazz, Gypsi-Swing, gemischt mit Geschichten aus dem Leben. Manche nennen es „Vojvodina Tango“, andere oder „weiblicher Bećarac“. Aber am häufigsten nennt man es „Frajlismus“.

Gibt es eine klare Rollenverteilung – wer schreibt die Lieder, wer komponiert, wer bestimmt die Kleidung... ?

Bei uns gilt die Regel, dass jeder das tut, was er am besten kann. Wir alle haben Musikerfahrung, darum schreiben wir selbst und machen unsere eigenen musikalischen Arrangements. Alle geben ihre Ideen überall dazu, und am Anfang haben wir alles selbst gemacht. Eigentlich sind wir von Beruf Juristin, Psychologin, Französischprofessorin und Ökologin. Ein Winning Team also…

Ihr habt schon einige Preise gewonnen, vor kurzem den MTV Video Play Award – was bedeuten euch solche Auszeichnungen?

Wir haben schon sieben größere Auszeichnungen bekommen, für unser Lieder, unser visuelles Konzept, unsere Spots und unsere Polularität. Wir sind sehr stolz darauf. Die meisten Auszeichnungen kommen aus dem Balkan-Raum, aber wir sind bereit, mit unserer Musik die Welt zu erobern.

Im Mai kommt euer neues Album heraus. Wie sehen eure Tage derzeit aus?

Es gibt viel Arbeit, die vor dem Erscheinen des Albums hinter den Kulissen passiert. Natürlich sind wir an allem beteiligt, unser Team bringt die Ideen hervor und setzt sie in die Tat um. Jeden Tag wird an der Musik, an der visuellen Identität, den Medienkontakten und den Geschäftsplänen und -aktivitäten gearbeitet. In den Pausen laden wir unsere Batterien für die bevorstehenden Reisen, Verpflichtungen und für das neue Album auf.

Das Wiener Publikum hatte schon im Januar beim Sveti-Sava-Ball seinen Spaß mit euch, und am 10. Mai kommen ihr wieder zu uns. Was gefällt den Fräulein so gut in Wien?

So modern die Stadt ist, so sehr schützt und bewahrt sie den Geist einer alten Stadt mit wunderschöner Architektur, Museen, Palästen und Gärten, Denkmälern und malerischen Kutschen, die Sie direkt durch die Geschichte fahren. Wir fahren niemals ohne Fotos, das eine oder andere Souvenir und ein Stück leckerer Sachertorte heim.

Werden Sie dann bald auch einen Spot in Wien aufnehmen?

Warum nicht! Wir freuen uns schon darauf, wiederzukommen. Bis bald!

Interview: Sandra Radovanović / KOSMO

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