INTEGRATION 06.08.2013

Integrationsbericht 2013: „Frühförderung statt später reparieren“

© zVg.
Sebastian Kurz präsentiert eine Bestandsaufnahme der Integrationspolitik. Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte und Schulpflicht bis 18 werden empfohlen.


Möglicherweise wird die Schulpflicht in Österreich bald vom 15. Lebensjahr  (1.-9. Schulstufe) auf das 18. Lebensjahr ausgeweitet. Dieser Vorschlag sorgte bereits im Vorfeld der Präsentation des Integrationsberichts 2013 am 6. August für jede Menge Aufmerksamkeit. Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz und der Leiter des unabhängigen Expertenrates für Integration, Dr. Heinz Fassmann sowie Dr. Stephan Marik-Lebeck, Statistik Austria, präsentierten eine Bestandsaufnahme zum Thema Migration und Integration in Österreich.

Laut aktuellen Erhebungen der Statistik Austria hat jeder fünfte Einwohner in Österreich einen Migrationshintergrund, das sind ca. 19 Prozent der Bevölkerung. Etwa ein Drittel davon kommt aus EU-Staaten.


Zweites Kindergartenjahr und Schulpflicht bis 18

Eines der Kernthemen des Integrationsberichts war die Jugend- und Bildungspolitik. In der Schule habe man noch die besten Chancen, etwas zu bewirken, so Integrationsstaatssekretär Kurz. Die Frühförderung müsse daher bereits im Kindergartenalter ansetzen. Ein bedarfsorientiertes zweites Kindergartenjahr für Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen sollte verpflichtend werden. „Der Kindergarten sollte als erste Bildungseinrichtung und nicht als reine Betreuungseinrichtung gesehen werden“, so Kurz.

Jene bildungspolitische Idee die bereits im Vorfeld für Aufsehen sorgte ist die Verlängerung der Schulpflicht um drei Jahre. Integrationsstaatssekretär Kurz und Integrationsexperte Dr. Fassmann sprachen sich für ein neues System aus, das sich nicht auf ein „Absitzen“ der Schulpflicht beschränken, sondern an der Erreichung von Bildungszielen orientieren sollte. Für Schüler die mit dem 15. Lebensjahr noch starke Bildungsdefizite haben sollen die Schulpflicht bis zum 18. Lebensjahr ausgeweitet werden. Kurz kann sich hier ein modulares, auf die Bedürfnisse der Schüler abgestimmtes System vorstellen.


Reformen bei Rot-Weiß-Rot-Karte

Wir leben in einer globalisierten Welt im ständigen Wettbewerb um die besten Köpfe. Um qualifizierte Fachkräfte zu bekommen muss ein Land in seiner Zuwanderungspolitik konkurrenzfähig sein. Dementsprechend empfiehlt der Integrationsbericht eine stärkere Willkommenskultur, wie sie schon mit den Welcome Desks (KOSMO hat berichtet) begonnen wurde.

Optimierungsbedarf sehen Kurz und Fassmann bei der Rot-Weiß-Rot-Karte, die seit 2011 den Aufenthalt für hochqualifizierte Fachkräfte und Studierende aus Nicht-EU-Ländern regelt.

Konkret sei das, für den Aufenthalt geforderte, Einkommen von 1.900 Euro nicht realistisch. Das Einstiegsgehalt liege bei Absolventen vieler Studienrichtungen, etwa der Geisteswissenschaften, oft unterhalb dieser Grenze.

Auch der Zeitraum für die Arbeitssuche der Berufseinsteiger sei mit sechs Monaten zu knapp bemessen. „Es ist absurd, wenn wir mit teurem Steuergeld Akademiker ausbilden und dann schauen, dass wir sie schnell wieder loswerden“, meint Kurz dazu.


KOSMO-Redaktion

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