AUSTRIA MEETS BALKAN 19.03.2015

Ich und meine kroatische Schwiegermutter

© istockphoto.com
Schwiegermütter vom Balkan sind ein bisschen anders. Das weiß auch unsere Bloggerin Barbara Šikić. Ein amüsanter Bericht aus dem interkulturellen Leben zwischen Österreich und Balkan.


Meine kroatische Schwiegermama wohnt in einem Haus am äußersten Rand des Bebauungsgebietes, umgeben von Äckern und ihrem riesigen Gemüsegarten. Schon von weitem hat sie ein sich näherndes Fahrzeug auf dem Radar. Enthält dieses Fahrzeug auch noch Familienmitglieder (und die Familie ist groß und füllt jede Menge Fahrzeuge) steht sie bereits freudig winkend vor dem Haus, eilt die Treppen herunter und reißt die Wagentüre auf noch bevor der Motor zur Ruhe kommt. Das allerliebste Enkeltöchterchen wird dem Kindersitz entrissen und geknuddelt, gedrückt und geherzt und mit einem Schwall von Liebesbekundungen überhäuft. Zwischendrin und nicht minder herzlich werden wir Eltern/Kinder/Schwiegerkinder begrüßt. Auf das „Bok, kako si?“ folgt, ohne eine Antwort abzuwarten „Si gladna?“

Und jetzt wird’s chancenfrei: Egal ob man diese Frage mit ja oder nein beantwortet, die Schwiegermama erwidert unweigerlich: „Ja imam…“ und es folgt eine Aufzählung von 3-8 Hauptgerichten inklusive dobra juha und Mehlspeise hintendrein. Das gilt auch für Überraschungsbesuche. Die Schwiegermama hat immer einen Braten in der Röhre bzw. unter der peka. Es ist phänomenal.

Jetzt wird verhandelt

Sollte ich es nun wagen, im Angesicht des riesen Angebotes nicht freudig zu erstrahlen und nicht sofort (um 15:00 Uhr nachmittags) einen Bärenhunger verspüren, wird das Gesicht der Schwiegermama schlagartig ernst (wohl gemerkt passiert das alles immer noch im Zuge einer überaus herzlichen und überschwänglichen Begrüßungszeremonie) und sie setzt völlig fassungslos nach: „Ne želiš li ništa isti?!“

Die Schwiegermama beäugt mich kritisch von unten bis oben, bohrt ihre Röntgenaugen tief in meinen Bauch hinein  und stellt dann fachmännisch fest: „A Barbara, ti moraš dobro isti!!!“ Nun, ich muss zugeben, recht viel auf den Rippen habe ich ja nicht. Aber selbst wenn ich das hätte, wäre das kein Argument. Man muss also feilschen. Und die Schwiegermama ist tough. Es ist ihr dabei auch völlig gleichgültig, ob man sie versteht oder nicht – jetzt wird verhandelt! Wer nichts sagt oder sagen kann, der isst anstandslos alles. Mit dem Erfolg, dass ich zumindest dieses Thema mittlerweile auf Kroatisch recht gut bestreiten kann. Die Glanzleistung, die Schwiegermama auf nur eine Suppe herunterzuhandeln gelingt mir dennoch so gut wie nie.

Für alle Fälle gerüstet

So landen die Gäste schließlich immer zuerst am Esstisch - in diesem Haus, das vom Keller bis unters Dach 2 riesige Wohnküchen beherbergt (nicht zu vergessen die Freiluftküche bzw. das Feuerhaus draußen im Garten) und ansonsten nur Zimmer mit Gästebetten, die stets frisch bezogen sind – nur für den Fall, dass mal wieder Familie und/oder Freunde überraschend zu Besuch kommen könnten, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit: Sie werden über alle Erwartungen hinaus mehr als gebührend empfangen und verpflegt sein und sich zu allererst am Esstisch niederlassen.

Barbara Šikić / KOSMO

*Übersetzung:

 „Bok, kako si?“ -  Hallo, wie geht es Dir?
„Si gladna?“ - Bist hungrig?
„Ja imam…“ - Ich habe…
dobra juha - gute Suppe
peka - Glocke (unter der Fleisch zubereitet wird)
„Ne želiš li ništa isti?!“ - Du willst also nichts essen?!
„A Barbara, ti moraš dobro isti!!!“ - Aber Du musst doch gut essen!!!


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