INTERVIEW 04.06.2013

Ich lebe für die Liebe!

© KOSMO/Radule Božinović
Anthony Tony Cetinski wurde am 31. Mai 1969 in Pula geboren. Er ist ein beliebter kroatischer Musiker und Sänger. Toni begann mit 15 Jahren, in verschiedenen Bands zu singen, und trat bei Gitarrenwettbewerben auf. Seine erfolgreiche Karriere startete er 1991 mit seinem Umzug nach Zagreb.

KOSMO: Anlass für dieses Gespräch ist dein Auftritt in Wien am 9. März. War dieses Konzert eigentlich ein um einen Tag verspätetes Geschenk an die Frauen?
Tony Cetinski: Um den Frauen etwas Schönes zu schenken, ist es niemals zu früh und niemals zu spät, irgendwie gilt das auch für dieses Konzert. Ich schenke es allen, die sich zu meinen Liedern verlieben, zusammenkommen, sich trennen, Spaß haben und traurig sind. Allen Damen, aber auch ihren Partnern.

Wie oft bist du in Wien und in Österreich? Wie gefällt dir Wien?
Ich bin ein häufiger Gast in Österreich, ich komme mindestens einmal im Jahr in mein Lieblingsskigebiet Nassfeld in Kärnten. Ich habe auch Wien schon mehrmals besucht und bin jedes Mal begeistert von der Schönheit der Stadt, der Architektur, den kulturellen Denkmälern und natürlich den berühmten Mehlspeisen. Meine Besuche sind immer mit  Musik verbunden, und umso mehr liebe ich Wien. Entweder gebe ich ein Konzert, so wie heute, oder ich komme zu irgendeinem guten Konzert nach Wien. Ich liebe diese Stadt.

Immer wieder zum Skifahren nach Österreich. Bist du ein guter Skifahrer?

Nach Nassfeld komme ich schon mehrere Jahre zum Skifahren, in den letzten fünf Jahren immer mindestens einmal. Es ist nah, nur 260 Kilometer von Zagreb entfernt. Ich finde hier genügend Ruhe und Entspannung für mich und meine Familie und Freunde. Es gibt mehr als 110 Kilometer angelegte Pisten, auf denen man hervorragend fahren kann, und zwar für alle Alters- und Leistungsgruppen. Ich hatte mit meinen Kollegen eine Verabredung zu einem Skirennen auf der längsten Piste, aber dann habe ich darauf doch verzichtet, um mich nicht zu verletzen.

Magst du lieber den Sommer oder den Winter?
Ich mag alle Jahreszeiten, ich mag auch den Winter und das Skifahren. Ich mag auch Zagreb, aber wenn ich durch den Učka-Tunnel fahre, muss ich zugeben, dass mein Herz anders schlägt. In Zagreb fühle ich mich wohl, aber Istrien ist dennoch mein erstes und liebstes Zuhause, und ich fahre immer häufiger hinunter. Sommer und Rovinj sind meine Definition des Paradieses auf Erden.

Heute gibt es auf dem Balkan viele Talentshows. Du warst in der Jury einer solchen Sendung. Was ist dein Eindruck: Gibt es Talente?
Zu den Vorsingen kommen durchschnittlich tausend Kandidaten pro Stadt, und da ist wirklich alles dabei. Es ist unwahrscheinlich, wie arrogant und unverschämt die sind, die keine Ahnung vom Singen haben. Sie denken, sie können alles, sie sind super.... und die Stillsten singen hervorragend. Ein unwahrscheinliches Phänomen.
Natürlich gibt es Talente, und sie kommen meistens ins Finale, aber ich muss sagen, dass sich ein Talent ohne harte Arbeit und Verzicht nicht durchsetzen kann. Solche Sendungen sind ein hervorragendes Sprungbrett, aber wichtig ist, was nach der Show kommt, und zwar darum, weil eine Agentur für den Sänger kämpfen muss. Heute sind Management, Marketing und PR entscheidend. Und wenn ein Sänger neben seinen Liedern kein Team hat, das hinter ihm steht, kommt er nicht weit.

Wie sehr hat dich dein Vater Mirko, der selbst Sänger war, in deiner Entwicklung beeinflusst, und hat dich deine Mutter Vinka gedrängt, die Tourismusschule zu besuchen?
Ich spiele und singe schon, so lange ich denken kann. Mein Vater hat mich in einen Musikkindergarten eingeschrieben und dafür muss ich ihm noch heute dankbar sein. Später hat mich niemand zu irgendetwas gedrängt, was gut war, und auch dafür bin ich meinen Eltern dankbar. Sie haben mich immer in allem unterstützt, was mich interessiert hat, und ich spüre diese Unterstützung noch heute. Ich bin in die Gastronomieschule gegangen, und daneben auch in die Musikschule. Da Istrien sich an Italien und dem Tourismus orientiert, besteht die gute Gelegenheit, durch die Gastronomie viele Sprachen zu lernen. Sprachen haben mich interessiert und ich mochte den Kontakt mit den Menschen und Touristen. Später habe ich auch als Touristenanimateur gearbeitet, und all das lief irgendwie auf das Show-Business hinaus, auf die Musik, die mein Lebensinhalt ist.

“Blago onom tko te ima” ist ein wunderschönes Lied. Für wen singst du das jetzt? Hast du im Moment eine bessere Hälfte und lebst du in einer glücklichen Beziehung?
Danke der Nachfrage. Mir geht es gut, so viel kann ich sagen. Jeder Monat ist ein Monat der Liebe, auch der März. Die Liebe ist die Kraft hinter allem. Der Motor der Welt. Die Liebe zur Arbeit, zu Kindern, zu Freunden. Für die Liebe leben die Menschen, für die Liebe lebe auch ich.

Du füllst Stadien und Hallen in ganz Jugoslawien. Was ist das für ein Gefühl? Welche Stadt, welches Konzert ist dir in Erinnerung geblieben?
Ich erinnere mich an alle Konzerte, ob ihr es glaubt oder nicht. An die Menschen und die Energie, die wir beim Auftritt austauschen. Jede Region und jede Stadt hat etwas Eigenes, aber mein Publikum ist überall gleich, und der gemeinsame Nenner für alle Konzerte sind die Emotionen und die Energie, die man nicht vergessen kann. Musik ist mein Leben, und am meisten liebe ich die Konzerte und das Zusammentreffen mit dem Publikum. Das sind unvergleichliche Erlebnisse, die mir Energie geben und die mir in Erinnerung bleiben.

Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Placido Domingo, Jose Carreras, Montserrat Caballe gekommen? Wie waren diese berühmten Musiker als Menschen im Kontakt mit dir?
Ich hatte Gelegenheiten zur Zusammenarbeit, die ich mir nie hätte träumen lassen. Ich weiß nicht, manchmal fügt sich im Leben alles wunderbar zusammen. Man muss beharrlich sein, an sich arbeiten, und dann passiert das, was für dich am besten ist. Heute kann ich auf Auftritte mit solchen Stars zurückblicken, mit mehreren bei mehr als einem Konzert, und ich weiß, dass es im Leben keine Zufälle gibt. Mit Michael Bolton bin ich noch immer in Kontakt, er hat mich bei einem Konzert in der Royal Albert Hall sogar seinen Freund genannt, und das sind wahre Werte und Erfolge. Sie alle sind einfache Menschen. Es stimmt absolut: Je größer ein Star ist, desto einfacher ist er in der Zusammenarbeit und Kommunikation. Sie sind hervorragende Profis und sehr anspruchsvoll in ihrer Arbeit, aber auch bereit, Rat und Unterstützung zu geben.

Gehen Sänger in Pension, und wie siehst du dich in dieser Situation?
Ich sehe mich gar nicht. Ich habe noch viel zu geben. Ich weiß nicht, ob ich darüber sprechen will, was in 20, 25 Jahren sein wird, aber ich sehe mich noch mit 60 Jahren mit einem Mikrophon in der Hand. Gut, wahrscheinlich singe ich dann nicht mehr „Totalno sam lud“ („Ich bin ganz verrückt“) oder „Tvoje tijelo“ („Dein Körper“), das wäre nicht mehr passend, aber ich werde singen, das ist sicher. Wenn Gott mir nur die Gesundheit gibt, werde ich dann noch immer auf der Bühne stehen.

Am Ende: Was gibt es Neues in deiner Discographie?
Mein zehntes Studioalbum „Opet si pobijedila“ („Du hast wieder gesiegt“) ist gerade herausgekommen. Im Chor singen wir sowohl alte als auch neue Lieder, und das freut mich am meisten. Ich lebe und komponiere für mein Publikum. Es freut mich, dass dieses Album beim Publikum so gut ankommt, das macht mich sehr glücklich.

KOSMO-Redaktion

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook