INTERVIEW GOCA TRŽAN 06.03.2014

„Ich lebe besser als die meisten Serben“

© KOSMO / Radule Božinović
Wir sprachen mit der erfolgreichen Pop-Sängerin Goca Tržan über ihre Kindheit im jugoslawischen Militärchor, brutale Reality-Shows und das Leben ihrer Landsleute in Serbien.


KOSMO: Wie gut kennst du Wien?

Goca Tržan: Ich kenne Wien relativ gut. Das erste Mal habe ich die Stadt als Touristin besucht. Ich war im Belvedere, im Prater, im Zoo, und was mich am meisten gewundert hat, war, dass ich nirgendwo in der Schlange warten musste. Immer stand da irgendwer am Eingang, der rief: “Goca, bist du das? Komm hier an der Schlange vorbei, du musst nicht warten.” Das hat mich begeistert und da habe ich begriffen, wie viele unserer Landsleute es  hier gibt.

Ich habe gehört, dass du schon als ganz kleines Mädchen zu singen begonnen hast?

Ich habe mit vier Jahren im JNA-Chor gesungen, wir waren die sogenannten „Militärkolibris“. Die Kolibris gab es auch als zivile Variante, aber ich war im Chor für Soldatenkinder. Meinen ersten Auftritt hatte ich mit vier Jahren am Tag der Armee – vor den größten Würdenträgern jener Zeit. Nur Tito war nicht mehr am Leben. Aber Milka Planinc, Stane Dolanc und Vladimir Bakarić waren da. Jahrelang hatten wir solche Auftritte bei verschiedenen Veranstaltungen.

Alle waren positive überrascht, als sie die Serie „Selo gori, a baba se češlja“ („Das Dorf brennt, aber Oma kämmt sich“) gesehen haben. Wie ist es dazu gekommen?

Der Autor der Serie, Radoš Bajić, hat mich eingeladen. Ich bin kein Profi, aber ich habe mir Mühe gegeben. Meine Figur ist im Film zur gleichnamigen Serie besser herausgekommen. Im Sava Centar habe ich bei der Prämiere Ovationen erhalten und das hat mir viel bedeutet. Ich hätte gerne einmal die Gelegenheit, auch eine ernstere Rolle zu spielen.

Die Zuschauer haben dich auch in einer Reality Show gesehen, im Survivor. Dort warst du eine geborene Führerin, irgendwie warst du ein “Mannweib”, eine große Kämpferin?


Ja, das bin ich, aber ich hatte mich auch vorbereitet. Ich hatte vorher die ausländischen Versionen dieses Programms gesehen und kapiert, dass das ein Spiel um soziale Intelligenz ist. Ich  wusste, wo ich war, dass ich nicht zum Sonnbaden und Schwimmen am Meer war, sondern um ein Spiel zu spielen. Natürlich habe ich auch wegen des Geldes mitgemacht, aber auch, um den Menschen eine gute Show zu bieten. Ich bin da auf die Hälfte geschrumpft, wir hatten nichts zu essen. Noch heute habe ich Narben von dieser Show.

Kannst du von den Auftritten gut leben?

Von Volksmusik würde ich besser leben, aber ich kann mich nicht beschweren. Ich lebe besser als die meisten in meinem Land.

Es kursieren Gerüchte, dass für dich nur jüngere Männer in Frage kommen…

Ich brauche einen Mann, der mit mir mitkommt. Ich bin dynamisch, hyperaktiv aber ich könnte nicht mit einem Jungchen zusammen sein. Es ist durch Zufall vorgekommen, dass meine Männer jünger waren, aber es gab auch andere. Aber lassen wir das...

Interview: Zoran Radojković Pile / KOSMO

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