INTERVIEW: SABRINA ANDERSRUM 17.06.2015

„Ich hatte Sex mit einem ÖFB-Kicker“

© Peter Provaznik / KOSMO
Sabrina Andersrum (45) ist eine der bekanntesten Trans-Ikonen Österreichs mit Wurzeln in Serbien. Im KOSMO-Interview spricht sie offen über ihre Transsexualität, die Wiener LGBT-Szene (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender), aber erstmals auch über ihre Affären mit Politikern und Sportlern.

KOSMO: Wann hast du beschlossen eine Frau zu werden?

Sabrina Andersrum:
Mit vier Jahren habe ich zum ersten Mal die Schminksachen meiner Mutter und meiner Tante gestohlen. Ich hab schon immer mit Barbies gespielt. Wenn die Burschen draußen Indianerkrieg gespielt haben, war ich hinter den Kulissen und hab auf die Verletzten aufgepasst. Ich war schon immer anders als alle anderen.

Du nimmst weibliche Hormone und hast dir Brüste machen lassen, aber du hast deinen Penis behalten. Wieso?

Ich bin das dritte Geschlecht! Und ich bin die Heilige, die Hure, die Hausfrau, die Schwuchtel und die Lesbe. Ich gebe meinen Pimmel nicht her und ich fühl mich gut, so wie es ist. Ein Penis macht dich nicht zum Mann und eine Vagina macht dich nicht zur Frau.

Aber Brüste hast du dir doch machen lassen. Wieviel hast du für diese Transformation ausgegeben?

Na, da habe ich einfach viel Kalbfleisch gegessen und sie sind gewachsen (lacht). Aber Scherz beiseite: Die sind aus Silikon, aber frag lieber nicht nach dem Geld. Ich hätte drei Mercedes und zwei Villen dafür haben können. Soviel kann ich dir sagen.

Wie haben deine Eltern reagiert?

Sie hatten zwei Optionen: mich umzubringen oder mich zu akzeptieren, wie ich bin. Sie haben sich für die zweite entschieden. Eine Mutter liebt ihr Kind immer, egal, wie es ist und was es tut. Sie haben sich damit abgefunden.

Man sieht dich häufig in unseren Clubs in Wien.


Es gibt keine Party ohne uns Balkaner, aber auch nicht ohne Volksmusik. Ich liebe die Ottakringer Straße, das Chic, Konzerte im Village und beim Lugner. Zorica, Ceca, Dara Bubamara, Karleuša... Šaban Šaulić hat sogar einmal versucht, mich in Wien anzubaggern, aber dann hat ihm der Wirt gesteckt, dass ich eine Transe bin. Ich bin schon immer in die Balkanlokale gegangen und war die erste Transe in unserer Szene, die das Eis gebrochen hat. Ich habe als erste balkanische LGBT-Partys unter dem Namen „Ballcancan“ veranstaltet.

Ich nehme an, dass du in unseren Clubs auch negative Erfahrungen gemacht hast...

Du irrst dich. Die Menschen mögen mich, und ich war sowohl an den feinsten Orten als auch in den schlimmsten Balkan-Löchern. Ich kenne sie alle, die Businessmänner und die Mafiosi, die Bauarbeiter und die Huren, die Schwulen, die Armen und die Reichen. Meine Erfahrung ist, dass unsere Landsleute mehr Probleme mit Schwulen und Lesben haben als mit uns Transen. Allerdings ist es schade, dass sich die Homosexuellen gegenüber den Transsexuellen oft genauso verhalten wie sich unsere Landsleute ihnen gegenüber benehmen.

Du willst sagen, dass die Homosexuellen die Transsexuellen diskriminieren?


Naja, das ist hauptsächlich ein Problem eines guten Teils unserer Homosexuellen in Wien. Das kann ich aus meiner Erfahrung als Eventmanagerin für diese Szene sagen. Ich spreche hier nicht von allen, aber es gibt bestimmte Gruppierungen, die ich nicht verstehen kann. Erst sind sie selbst in ihren Kaffs von anderen gemobbt worden, dann sind sie nach Wien gekommen, und statt dass sie sich jetzt daraus befreien, schießen sie sich selbst ins Knie, indem sie andere diskriminieren. Wirklich schade.

Du stehst auf Hetero-Männer. Was für Pornos schaust du?

Am liebsten drehe ich die Pornos selber, anschauen tue ich sie seltener. Es gibt ein paar von mir im Netz, überzeug dich selbst. Viele Hetero-Männer fahren auf mich ab, aber auch allgemein auf Transen. Die wissen schon, warum (lacht).

Du bist auch mit vielen bekannten Persönlichkeiten im Kontakt. Hattest du auch Sex mit einigen der Reichen und Berühmten?

Das ist schon vorgekommen, natürlich! Ich bin sowohl Hure als auch Heilige, darum verrate ich keine Namen. Aber ich kann dir sagen, dass ich mit einem hohen Politiker, einem Familienmenschen, Sex hatte. Er liebte es, mit mir für ein, zwei Stunden ins Hotel zu gehen, und dafür hat er etwas bekommen, was ihm niemand sonst geben kann. Ich hatte kürzlich auf einer Party auch Sex mit einem österreichischen Fußballnationalspieler. Er nahm meine Freundin, und ich nahm ihn von hinten.

Es gab ja einen bekannten österreichischen Politiker, der angeblich schwul war…


Ich werde dir nicht verraten, von wem ich spreche, egal, wie du mich verhörst (lacht), aber er ist noch aktuell und im Amt.

Eine Botschaft zum Abschluss?


Seid tolerant, lasst euch nicht provozieren und geht euren Weg. Verbreitet Liebe, nicht Hass.

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