COMMUNITY 27.10.2014

„Ich habe viel von den Österreichern gelernt“

© KOSMO / Radule Božinović
Edin Islamović hat einen langen Weg von seiner Kindheit in Bosnien-Herzegowina bis zu seinem erfolgreichen Leben als Geschäftsmann in Wien hinter sich. KOSMO besuchte den Unternehmer in seinem Lokal in der Mariahilfer Straße.


„Dieses Lokal ist in gewisser Weise die Verbindung zwischen meinem heutigen Leben und den Jahren, die ich in Bosnien-Herzegowina verbracht habe. Als Kind habe ich im Lokal meiner Eltern in Modriča Gläser gespült und Gäste bedient“, erzählt uns Edin Islamović (42) im eleganten Ambiente des Lokals Coffeeshop in der Mariahilfer Straße 147. Dieses Lokal ist nur eines seiner vielen Geschäfte in Wien. Bei einem ausgezeichneten Smoothy fließt das Gespräch über sein verzweigtes Unternehmen und seine Anfänge in Österreich.

„Ich war erst 20, hatte das Gymnasium abgeschlossen und wollte anfangen zu studieren, als der Krieg ausbrach und ich mit meinen Eltern ins Ungewisse aufbrach. In Wien wurden wir als Flüchtlinge anerkannt und fanden sofort Arbeit bei einem Heurigen. Wir glaubten noch, dass wir bald wieder nach Hause gehen würden, aber als wir sahen, dass der Krieg sich ausweitete, meldeten wir nach sechs Monaten unsere erste Firma an, die Islamovic KEG, und eröffneten einen kleinen Imbiss. Wir wollten dem Staat nicht zur Last fallen“, erzählt unser Gesprächspartner.

„Ich habe meinen eigenen Weg gesucht“


Wie alle jungen Leute wollte sich auch Edin außerhalb des familiären Nests erproben und begann, als Textilverkäufer zu arbeiten. Der nächste Schritt war eine Beschäftigung bei der Firma UPC Telekabel, die gleichzeitig seine erste berufliche Begegnung mit der Telekommunikation war.

„Ich war das erste Mitglied unserer Community, das im Bereich Anmeldung und Beratung arbeitete. Ich bin von morgens bis abends von Haus zu Haus gegangen, mein Bereich war ein Stadtteil mit 10.000 Klienten“, so Edin. Aber davon hatte er 2003 genug. Er konnte nicht mehr jeden Abend von Tür zu Tür gehen und suchte eine ernstere Herausforderung. So eröffnete Edin einen UPC Telekabel-Shop in der Ottakringer Straße und wurde schon im ersten Monat zum besten Partner in Österreich. Heute besitzt er sechs Drei-Shops und einen exklusiven T-Mobile-Shop an exponierten Stellen der Stadt. Er beschäftigt in seinen acht Geschäften 32 Angestellte.

Ein guter Arbeitgeber


„Meine Mitarbeiter sind einer der wichtigsten Faktoren für meinen geschäftlichen Erfolg. Ich bin sehr stolz auf sie. Wir geben auch Personen, die von der Mittelschule kommen, eine Chance und bilden sie nach unseren Standards aus. Für mich wäre es ein großer Misserfolg zu hören, dass einer meiner Mitarbeiter am Morgen schlecht gelaunt zur Arbeit geht, weil er einen schlechten Chef hat“, betont Edin. Die Angestellten, unter denen auch viele aus unserer Region sind, sprechen mehrere Sprachen, aber Deutsch ist natürlich eine Grundvoraussetzung.

Obwohl er nicht studiert hat, hat sich Edin Islamović in Seminaren und Trainings weiterentwickelt. Er sagt, dass ihn die Österreicher die gute Geschäftsführung gelehrt haben. „Ich hatte Glück. Im größten Unglück, dass mich getroffen hat, bin ich in ein Land geraten, das Ausländern keine Hindernisse in den Weg legt. Obwohl ich jetzt schon länger in Österreich lebe, als ich in Bosnien-Herzegowina gewohnt habe, fühle ich mich als Bosnier und bin stolz auf meine Herkunft. Ich habe mich bemüht, möglichst viel zu sehen, mir einen guten Lebensstil anzueignen und einige negative Eigenschaften, die für uns typisch sind, abzulegen“, schließt Edin.

Die wichtigste Rolle im Leben

Auf dem Weg, seine geschäftlichen Ziele zu erreichen, hatte Edin die rückhaltlose Unterstützung seiner Eltern, die stolz sind auf ihren einzigen Sohn. Ihnen war es immer am wichtigsten, dass ihr Sohn ein guter Mensch wird und bleibt. „Ich stehe mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Der Erfolg hat mich nicht verdorben und ich habe mir niemals gewünscht, teure Autos zu fahren, an exotischen Orten Immobilien zu kaufen und mein Geld zum Fenster zu werfen“, verrät uns Edin mit einem breiten Lächeln auch einen Teil seines Privatlebens.

Jeden freien Moment widmet der erfolgreiche Geschäftsmann seinen Kindern. Die fünfjährige Hanna und den dreijährigen Zwillingen Haris und Hanadi bilden den Mittelpunkt seiner Welt. „Ich will keinen Moment verpassen, der für sie wichtig ist, und darum bemühe ich mich, meine geschäftlichen Aufgaben so zu erfüllen, dass die Familie nicht darunter leidet“, unterstreicht Edin Islamović seine Prioritäten.

Vera Marjanović / KOSMO

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