INTERVIEW 04.02.2014

Humor über die Grenzen hinweg

© Aleksandar Kostić / KOSMO
Stand-up-Comedian Peđa Bajović hat eine sehr interessante Biographie. Dass er aus allen Teilen des ehemaligen Jugoslawien kommt, gibt ihm das Recht, uns heute zu bloßzustellen. Er ist ein regionaler Stand-up Comedian und Produzent mit Zagreber Adresse.


Peđa wollte nicht immer Komiker werden, sondern eigentlich Pilot. Nicht wegen des Fliegens, sondern wegen der Mädchen. Zu langsam und tollpatschig für Ersteres, entschied er sich zum Ziele der Zielerreichung (wie er selbst sagt) für das Zweite. Er wurde einer der Begründer der Stand-up Comedy-Szene in Kroatien und tritt im allen Ländern des ehemaligen Jugoslawien auf.

KOSMO: Kannst du uns erklären, was Stand-up Comedy ist?

Peđa Bajović: Die Hauptaktivität der Stand-up Comedy ist das Spotten. Das ist ein Spotten mit Fingerzeigen, physisch und mental. Wir reden über Dinge, über die man sonst schweigt oder unter vier Augen redet. Ein Stand-up Comedian spricht laut über Menschen und Vorkommnisse. Das ist sein Job. Einen Vorgang zu bespotten und durch seinen Humor ad absurdum zu führen. Das Publikum honoriert das mit Lachen. Aber dass das Publikum lacht, heißt nicht, dass ich Spaß mache. Bei vielen Dingen lachen die Leute über sich selber, das ist das Prinzip.

Deine Biographie ist wie gemacht für eine Karriere als Stand-up Comedian auf dem Balkan. Woher kommst du?

Ich bin kulturologisch gesehen Jugoslawe, genauer gesagt, die westliche Variante eines Jugoslawen. Geboren bin ich in Montenegro, die Volksschule habe ich in Serbien abgeschlossen, die Mittelschule in Bosnien-Herzegowina. Jetzt lebe, arbeite und vermehre ich mich in Zagreb, in Kroatien.

Welche Schule muss ein Komiker abschließen?

Das kann ich dir nicht sagen. Aber bei mir ist das alles aus Amerika gekommen. Ich habe Zeitung gelesen, und gesehen, dass ein Stipendium für zwei Jahre in den USA angeboten wurde. Das war 1999. Da ich nichts Besseres zu tun hatte, bin ich nach Amerika gegangen. Ich hatte 1.000 Dollar, und nach zwei Jahren bin ich mit genauso viel Geld und einem Magisterzeugnis zurückgekommen. Ich habe Medienmanagement abgeschlossen. Und dort habe ich die ersten richtigen Stand-up Comedians gesehen. Amerika hat mir sehr geholfen.

Jetzt reist du über den ganzen Balkan. Wo findest du es am schönsten, wo fühlst du dich am wohlsten?

Bosnien. Auf jeden Fall Bosnien. Ich bin vor allem Bosnier, selbst wenn ich auch ein Viertel Herzegowinaer wählen könnte. Das ist das Stück Land mit einer Kultur der Lebensfreude, die mir gefällt. Ja, wenn ich wählen kann, dann bin ich Bosnier.

Bist du ein Jugonostalgiker?

Ich bin nicht nostalgisch, ich gehöre zu den Fatalisten. Alles, was untergegangen ist, hat es verdient, unterzugehen. Aber ich würde gerne alle diese kleinen Länder eines Tages wieder in der Europäischen Union vereint sehen. Ohne Grenzen, ohne diese technischen Barrieren. Dass man auf würdige Weise leben und arbeiten kann. Natürlich auch, dass man besser verdient als heute in diesen kleinen Ländern, die ich so liebe.

Weißt du, dass hier viele Menschen aus unserem ehemaligen Land leben?

Ja, das ist fantastisch. Ich bin zum Beispiel heute Abend hierher gekommen und habe mich gefühlt, als würde ich durch Belgrad, Zagreb oder Sarajevo laufen. Das ist diese Architektur. Und dann habe ich gleich im Vorbeigehen unsere Sprache gehört. Diese Oase unserer Landsleute vermittelt mir immer das Vertrauen, dass wir in einem geordneten System gemeinsam leben und die Spielregeln akzeptieren können. Wenn ich das erlebe, kann ich in Frieden sterben...

Du bist einer der Veranstalter der „Panbalkanischen Stand-up Comedians“?


Wir haben eine kleine informelle Vereinigung, am einfachsten findet man uns im Internet.

Kannst du von dieser Arbeit leben?

Es geht. Man wird nicht gerade reich, aber man kann leben. Ich habe sehr viele Auftritte. Ich wünsche mir, dass das während meiner Karriere zu einer Industrie wird, dass ich dazu beitrage und daran mitwirke, dass aus diesem Genre eine Industrie wird. Dass dies ein ernsthaftes Geschäft wird. Aber bis dahin: von Stadt zu Stadt, vom Triglav bis nach Gevgelija.

Interview: Zoran Radojković Pile / KOSMO

www.pedjabajovic.com

Mehr als der KULTUR

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook