KOMMENTAR 17.11.2014

Hooligans und Balkan-Sheriffs

Wäre beim gestrigen Spiel nicht die Gewalt der kroatischen Fans im Mittelpunkt gestanden, hätte Kroatien mit einem Sieg gegen Italien ein neues, feierliches Kapitel seiner Fußballgeschichte geschrieben.

Die von den Fans mit Rauchbomben provozierte Spielunterbrechung schadete der kroatischen Mannschaft, nützte dem Gegner und hinterließ in der Weltpresse wieder ein hässliches Bild, welches wir leider oft sehen wenn Fans von Mannschaften aus dem Balkan im Ausland gastieren.

„Was sind das für Fans, die einen Triumph ihrer eigenen Mannschaft verhindern?“, fragte sich wohl jeder normale Zuschauer. Es sind vor allem enttäuschte, gewaltbereite junge Männer, die als Verlierer der Gesellschaft in Wirklichkeit nichts mehr zu verlieren haben.

Der Caligula des kroatischen Fußballs


Diese Gruppe von Fans stellte ihre Wut gegen die Funktionäre und Strukturen des kroatischen Fußballs wieder in den Vordergrund: vor allem gegen den Verbandspräsident Davor Šuker und Dinamos Big Boss Zdravko Mamić, dem Caligula des kroatischen Fußballs. Während Šuker immer wieder willkürlich kroatische Fan-Tickets an seine Freunde und Geschäftspartner verteilt, benimmt sich Mamić als Chef von Dinamo Zagreb wie ein Sheriff im Wilden Westen.

In den Neunzigern sorgte Fußball in Kroatien noch für Euphorie und Massenjubel: Heute sehen wir in der dortigen Liga vor allem leere Tribünen (wie beim legendären Klub Dinamo Zagreb). Und wenn diese Tribünen mal voll sind, dann werden wir oft Zeuge von hässlichen Szenen und gewaltvollen Schreien der Verzweiflung – wie den von gestern im Mailänder San Siro Stadion.

Abbild eines kranken Systems 

Auch wenn diese Hooligans zweifellos mit Stadionverboten bestraft gehören, weil sie dem Ansehen eines ganzen Landes schaden und eine tolle sportliche Leistung in den Dreck ziehen, sind diese Aktionen gleichzeitig auch ein Abbild eines kranken Systems, in dem ominöse Fußball-Manager und Balkan-Sheriffs den Fußball zu ihrem eigenen Spielfeld erklärt haben.

Das Resultat sind leider nicht nur die Bilder von gestern, in welchen die größten Systemverlierer sogar Gewalt in Kauf nehmen und mit ihrer Frustration amoklaufen, sondern auch ein immer größeres Desinteresse der breiteren Öffentlichkeit in Kroatien am Fußballgeschehen überhaupt. Der größte Verlierer ist dabei der Sport selbst.

Petar Rosandić / KOSMO-Redaktion

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