ÖSTERREICH/SERBIEN 09.01.2014

Hitlergruß mitten in Schönbrunn

© Youtube
Ein Youtube-Video, auf welchem Schüler aus der Vojvodina (Serbien) bei einem Ausflug in Wien die Hand zum Hitlergruß strecken, sorgt momentan für Wirbel in der serbischen Öffentlichkeit.


Alle großen serbischen Medien wie Blic, Kurir und Večernje novosti berichten heute von dem Skandal um das Youtube-Video. Auf dem Video sind Schüler des Gymnasiums in Vrbas bei einem Besuch im Schloss Schönbrunn zu sehen. Man sieht wie die Schüler auf dem Platz vor dem Schloss aufgestellt die rechte Hand ausstrecken, wobei ihr Deutschprofessor anwesend ist. Da die Tonqualität nicht optimal ist, gibt es mittlerweile verschiedene Deutungen was das Verhalten des Deutschprofessors betrifft. Manche behaupten auf der Aufnahme das Wort „Heil“ aus dem Mund des Lehrers hören zu können.

Schuldirektor zurückgetreten

Der Schuldirektor Svetozar Vujičić ist nach Erscheinen des Videos sofort zurückgetreten. Obwohl die Bilder eine deutliche Sprache sprechen, bleiben die Hintergründe des Skandals noch immer unklar: Ein Teil der Professoren aus dem Gymnasium behauptet, dass es sich um eine „jahrelange Kampagne gegen den Professor handelt“, die von seiner Kollegin Radojka Stepanov-Tmušić betrieben wird.

„Anstatt die Schüler wegen dem Nazi-Gruß zu ermahnen, reagiert er mit dem Spruch Heil“, steht in einem Kommentar zum Video, welches seit 22. Dezember 2013 online ist. Der Link zum Video wurde von der Russisch-Professorin Radojka Stepanov-Tmušić an zahlreiche serbische Medien, die Serbisch-orthodoxe Kirche, politische Parteien und staatliche Institutionen verschickt.

Faschismus als Normalzustand?

In ihrer Mail behauptet Tmušić sogar, dass die Schüler „in einem Kabinett Deutsch lernten, in dem Fotos von Hitlers Panzern mit Hakenkreuzen hängen, gleich daneben Poster der Habsburger Monarchie“. „Faschismus ist in unserem Gymnasium ein Normalzustand geworden“, so Tmušić.

Viele ihrer Kollegen wehren sich jedoch gegen ihre Vorwürfe und sprechen von einer üblen Kampagne der Russisch-Professorin. „Es ist ein unnötiger Schaden entstanden. In erster Linie für den Professor, aber dann auch für unsere Schule. In unserem Gymnasium gibt es keinen Faschismus, Nationalismus oder Nationalsozialismus, sondern vor allem gestörte zwischenmenschliche Beziehungen“, sagte Ljiljana Kovačević, die stellvertrende Direktorin der Schule, zur serbischen Tageszeitung  Blic.

Deutschprofessor: Täter oder Opfer?

Der beschuldigte Deutschprofessor Atila Kemivesija hat sich zu dem Skandal noch nicht geäußert. „Ich wollte ihm die Feiertage nicht verderben und habe eigentlich geplant, ihn erst beim Beginn des Unterrichts über die aktuellen Ereignisse zu informieren“, sagte Kovačević.

„Alle, die den Professor kennen, wissen dass er das eigentliche Opfer ist“, sagt Slavica Matijašević, eine Professorin des Gymnasiums.

Petar Rosandić  / KOSMO

Link zum Video auf Youtube

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