THEATER 23.10.2014

Hinter den Kulissen des migrantischen Alltags

© Ljubiša Buzić / KOSMO
Wir haben Darko Markov bei den Proben seines neuen Stücks "Od vulkanizera do menadžera" besucht. Premiere ist am 25. Oktober im Presseclub Concordia - ein großer Tipp für alle, die über sich selbst lachen können.


Wer sich für echte migrantische Literatur in Muttersprache interessiert, kommt an Darko Markov nicht vorbei. Mit seinem Buch „Sumrak u Bečkom haustoru“ ("Dämmerung in einem Wiener Stiegenhaus") gelang dem in Wien lebenden Schriftsteller ein Riesenerfolg in der ex-jugoslawischen Community in Österreich. Es folgte eine nicht minder erfolgreiche Bühnenadaption als Monodrama, mit der er nicht nur hierzulande, sondern auch in Serbien Erfolge feierte. Mit viel Ironie und Liebe zum Detail blickt Markov in das Leben seiner Landsleute in der neuen Heimat. Als „Chronist des Wiener Lebens“ versammelt er eine bunte Mischung aus Schlitzohren, Gaunern und schrägen Vögeln aus der Community und schickt sie durch allerlei absurde Situationen. Viele der Geschichten und Charaktere, die er beschreibt sind echt – selbst erlebt oder dem Autor zumindest so zugetragen, wie er versichert.

Mit seinem neuen Bühnenstück "Od vulkanizera do menadžera" ("Vom Vulkaniseur zum Manager") setzt er noch eins drauf. Waren seine ersten Bühnenarbeiten noch als Monodramen konzipiert, so ist das Ensemble für sein neues Stück auf rund 14 Darsteller angewachsen – ausschließlich Laiendarsteller, wie der Autor betont. Das Ensemble ist ein Team aus Wiener Originalen.

„Ich habe gezielt nach Menschen gesucht, die bestimmte Typen repräsentieren. Wichtiger als schauspielerische Erfahrungen war das richtige Gesicht, die körperliche Präsenz oder die Eigenarten ihrer Sprechweise“, erklärt Markov, der mit seinem Team bereits seit Monaten an dem Projekt arbeitet.

„Viele werden sich wiedererkennen“

Die Handlung des Stücks ist direkt aus dem Leben der Community gegriffen: Bei einer festlichen Veranstaltung treffen sich Vertreter der serbischen Gemeinde in Österreich. Doch hinter der Bussi-Bussi-Fassade werden kräftige Seitenhiebe ausgeteilt. Auch ein „echter“ Österreicher darf als Ehrengast an dieser illustren Nabelschau nicht fehlen. Und dieser wird prompt zum Zankapfel der beiden „Häuptlinge“ der serbischen Community, die sich nicht einigen können, wer denn nun von ihnen der eigentliche Vertreter seiner Landsleute ist. Während im Laufe des Abends immer mehr Masken fallen, wird es für den Zuseher immer bunter.

„Die Zuseher werden sich selbst in dem Stück wiedererkennen“, verspricht der Autor und Regisseur, der in seinem Stück dafür gesorgt hat, dass all die Repräsentanten, Vereinsmeier und Emporkömmlinge seiner Community satirisch durch den Kakao gezogen werden. Auf die Reaktionen am Premierenabend ist der Autor selbst gespannt. Seine aktuelle Arbeit wird definitiv bissiger und scharfzüngiger als alles, was er bisher geschrieben hat.

Eines hat sich bei Darko Markov aber nicht geändert. Seine Texte sind echte Wiener Geschichten. „Die Texte sind in Wien entstanden, werden mit Wiener Darstellern für ein Wiener Publikum aufgeführt“, so der Autor. „Wer wirklich etwas über unsere Community in Österreich erfahren möchte, sollte das nicht verpassen“.

Die Premiere von "Od vulkanizera do manadžera" ist am 25. Oktober 2014 um 19:30 im Presseclub Concordia (Bankgasse 8, 1010 Wien). Weitere Vorstellungen finden am 08. November und 15. November statt.

Ljubiša Buzic / KOSMO

Darko Markov - Chronist des Wiener Lebens

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