KOSMO-BLOG: AUSTRIA MEETS BALKAN 07.11.2014

Hilfe, mein Freund kommt vom Balkan!

© istockphoto.com
Wenn Österreich auf Balkan trifft: Unsere Bloggerin Nicole Rauscher gibt diesmal Einblicke in das interkulturelle Beziehungsleben – insbesondere die Fußballbegeisterung balkanesischer Männer...


EH, DA SMO JOŠ STARA JUGA...*

Unlängst wurde ich gefragt, welche Probleme der austro-balkansche Beziehungsalltag so mit sich brächte. Da musste ich dann doch etwas länger überlegen: Dass der Liebste aus schwer bis unmöglich nachvollziehbaren Gründen auf Austro-Pop steht, ist damit wohl nicht gemeint. Und eine überschwängliche Sportbegeisterung, meinte ich, ist weder besonders jugo-spezifisch noch etwas, womit ich nicht umgehen könnte. Allerdings habe ich da Verschiedenes nicht bedacht...

Lautstarke Begeisterung

Es ist zwar (wie ich schon mal erwähnt haben dürfte) so, dass das Herz in erster Linie für den Fudbalski Klub Crvena Zvezda* schlägt. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht auch jedes einzelne Spiel von Partizan, auch im Familienverband, sehen muss. Wobei „sehen“ in diesem Fall immer „mitfiebern“ bedeutet und je nach Performance der Mannschaften zu, manchmal tränenreichen, Gefühlsausbrüchen in Lautstärken führt, bei denen sich der Hund unter dem Tisch verkriecht. IMMER. Egal, wer spielt und wann gespielt wurde. Denn selbst ein pränatal stattgefundenes, legendäres Spiel wie gegen Bulgarien in der Europameisterschaftsqualifikation 1983 führt bei der Nachschau zu selben Reaktionen. Wenn der Kommentator Mladen Delić, nachdem er zuvor 20 Minuten gejammert hat, in den letzten Sekunden des Spiels "Nema više vremena za bilo šta... Vujović, Vujović... i evo šansa.... GOL!  GOL! Ljudi, pa je li to moguće! Ludnica, pa šta je ovo! Šta ćese ovde dogoditi?!"* schreit, bin ich ob des Begeisterungssturms manchmal auch versucht, mich zum Hund unter den Tisch zu legen.

Es liegt vermutlich doch auch ein klitzekleines bisschen am balkanschen Kontext, dass bei internationalen Fußball-Bewerben, dann nicht nur die österreichische Nationalmannschaft verfolgt werden muss, was an sich schon traurig genug wäre, sondern auch die Zmajevi, die Orlovi und die Vatreni. Obwohl ich in Jugendjahren selbst fußballbegeistert und regelmäßig im Stadion einer Linzer Mannschaft zugegen war, könnte ich wetten, dass in den letzten sechs Jahren mehr Spiele gesehen habe, als in der ganzen Zeit davor. Und damit nicht genug.

Serbien hat nämlich auch noch eine ziemlich passable Basketballnationalmannschaft, die heuer die Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft geholt hat. Die gleiche Platzierung erreichte 2013 auch die serbische Frauen-Handballmannschaft. Und bei den Olympischen Sommerspielen 2012 kam Serbien auf 4 Medaillen - Gold, Silber und 2x Bronze, Kroatien auf 3 goldene, 1 silberne und 2 bronzene Medaillen und Bosnien auf keine einzige. Ihr kommt sicher selber drauf, woher ich das weiß.

Nicole Rauscher

*Švabo-Legende:

- Eh, da smo još stara Juga... - Ach, wenn wir noch das alte Jugo wären... /
- Fudbalski klub Crvena Zvezda – Fußballklub Roter Stern Belgrad /
- „Nema više vremena za bilo šta... Vujović, Vujović... i evo šansa.... GOL! GOL! Ljudi, pa je li to moguće! Ludnica, pa šta je ovo!  
Šta ćese ovde dogoditi?!“ - "Es bleibt keine Zeit mehr für irgendwas... Vujovic, Vujovic!  Tor! TOR! Leute, ist das denn möglich!? Ein Irrenhaus, was ist das denn?! Was wird hier noch passieren!?"/
- Zmajevi – Die Drachen (Bosnische Fußballnationalmannschaft) / Orlovi – Die Adler (Serbische Fußballnationalmannschaft) / Vatreni – Die Feurigen (Kroatische Fußballnationalmannschaft)

Koma-Grillen und Sarma-Orgien

„Eine Jugo-Hochzeit dauert drei Tage“

From Belgrade with Love

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook