INTERVIEW: DIVLJE JAGODE 14.11.2014

Harte Rocker mit weichen Herzen

© Zarko Aleksic / KOSMO
Der Saal des Admiral Dome dröhnte am 8. November vom Sound der zahlreichen Hits von der Rockband Divlje Jagode. KOSMO hat die Jungs und ihren Frontmann Sead – Zele - Lipovača unmittelbar vor dem Konzert getroffen.


KOSMO: Im vergangenen Jahr haben ihr euer 12. Album „Biodinamička ljubav“ („Biodynamische Liebe“) herausgebracht. Was ist an dem Album anders?


Zele Lipovača: Eigentlich hat sich gegenüber allen vorherigen Alben nichts Wesentliches verändert, außer dass die Menschen, die Jagode mögen, zehn neue Lieder und eine neue Version des Lieds ,,Đjavolji Grad“ genießen können, die schon 1984 aufgenommen wurde. Eine Band zu gründen und einen eigenen Stil für sie zu finden, ist eine langwierige und schwierige Aufgabe. Unabhängig davon, wie viele Jahre du mit etwas verbracht hast und wie viel Arbeit du hinein gesteckt hast, besteht immer die Möglichkeit, das alles wieder zu verlieren.

Divlje Jagode behaupten sich jetzt schon 35 Jahre in der Szene und strahlen trotzdem noch immer einen jugendlich energischen Geist aus. Was ist euer Geheimnis?

Es sind viele Musiker durch die Band gegangen und alle haben eine mehr oder weniger tiefe Spur hinterlassen. Für die, die das nicht wissen: Mir gebührt die unrühmliche Rolle, die einzige Konstante zu sein. Das heißt, ich bin der Kapitän, der das Schiff niemals verlassen hat und niemals verlassen wird. Das heißt aber auch, dass ich für alle Misserfolge und für die Erfolge der „Erdbeeren“ verantwortlich bin (lacht). Ich weiß nicht, wie es in Zukunft sein wird, aber bisher spüre ich noch keine Materialermüdung. Wenn ich Ihnen mein Geheimnis verrate, dann ist es ja kein Geheimnis mehr.

Der Name “Divlje Jagode” klingt nach Rebellion… Seid ihr noch immer wild oder wurden Sie schon ein bisschen gezähmt?

Das ist eine gute Frage, denn ich glaube, dass mich das Publikum nach so vielen Jahren relativ falsch wahrnimmt, sowohl privat als auch mit Bezug auf das, was ich mache. Ich war weder wild, noch bin ich jetzt zahm. Die, die mich etwas besser kennen, sagen, dass ich mich in all den Jahren gar nicht verändert habe. Das Stereotyp, nach dem ich aufgeblasen und immer mit einer Flasche Whisky bewaffnet bin, hat einfach nichts mit mir zu tun.

Das erste Album habt ihr 1979 herausgebracht. Was hat sich im Wesentlichen seitdem in der Szene, aber auch beim Publikums verändert?

Es ist natürlich, dass sich die Dinge verändern und dass jede neue Generation die Dinge anders sieht. Was sich sicher nicht verändert hat, ist, was uns betrifft, das Verhältnis des Publikums zu unseren unvergänglichen Liedern. Jede Generation hat Lieder wie „Krivo je more“, „Jedina moja“, „Motori“ u.s.w. aufgenommen, als wenn sie ausschließlich ihr gehören würden. Aber wenn es um die Gitarre geht hat sich fast nichts verändert. Noch immer steckt dieses Stück Holz mit seinem bisschen Draht voller Magie.

Ihr habt viele Hits, die von unglücklicher Liebe handeln. Kann nur dieses Leiden und Sehnen für die Kunst produktiv sein?


Wie es Beziehungen und Lieben gibt, die in uns die schönsten Gefühle wecken und immer ein Lächeln auf unsere Gesichter zaubern, so gibt es auch diejenigen Lieben, die kein „Happy End“ haben und schlimme Erinnerungen hinterlassen. Mein verstorbener Vater hat häufig davon gesprochen, „dass Liebe Schmerz bedeutet“, und auch ich habe mich davon schon überzeugen können.

Ich glaube, das ist nicht dein erster Besuch in der österreichischen Hauptstadt. Hast du Lieblingsplätze in dieser Stadt?

Vor langer Zeit hatte ich mal eine Freundin in Wien und bin häufig zu Besuch gekommen, sodass ich Gelegenheit hatte, die Stadt ziemlich gut kennenzulernen. Außer den Kaffeehäusern und Restaurants fallen mir unter diesen unvergessenen Plätzen zuerst das Museum Belvedere, das Schloss Schönbrunn und auf jeden Fall auch die Albertina ein.

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