KOMMENTAR 23.08.2013

Wahlumfragen: Gute Unterhaltung

© zVg.
Im Wahlkampf haben die Statistiker Hochsaison, obwohl auf ihre Ergebnisse in den letzen Jahren immer weniger Verlass ist. Die Wahlkampf-Wahrsagerei trägt manchmal skurrile Blüten.

Die Wiener Gratiszeitung „Heute“ veröffentlichte eine aktuelle Umfrage zur Nationalratswahl. Titel des Artikels: „Strache bei 20 Prozent“ (23. August 2013). Die Zeitung attestiert dem FPÖ-Obmann ein "sattes" Plus von einem Prozentpunkt. Nur in einem Nebensatz wird erwähnt, dass die Ergebnisse mit einer Schwankungsbreite von 1,8 Prozent zu genießen sind.

Zur Erklärung: In der Meinungsforschung wird eine bestimmte Anzahl von Menschen (in diesem Fall waren es 800) telefonisch befragt. Danach wird das Ergebnis mathematisch auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Oder hoch geredet. Wie verlässlich ein Plus von 1% bei einer Schwankungsbreite von 1,8% ist, kann sich jeder selbst ausrechnen. Interessant, unter diesem Aspekt, die Umfragewerte des BZÖ. Josef Buchers Partei kommt in der „Heute“-Umfrage auf gerade einmal einen einzigen schwankungsbehafteten Prozentpunkt. Könnte das also bedeuten, wenn sie Pech haben, dass sie den Wählern bis zu 0,8 Prozentpunkte zurückgeben müssen?

Die Zeitung „Österreich“ geht einen ganz anderen Weg. Sie interessiert sich für den „Glauben“ der Wahlbevölkerung. Sie fragt, was die Menschen "glauben", wer Bundeskanzler werden wird, und attestiert dem aktuellen Kanzler Werner Faymann 39 Glaubens-Prozent. Man sieht also, das Ganze hat einen irrsinnig großen Aussagewert.

Schön, dass uns die Medien immer wieder mit den neuesten Statistiken versorgen. Wenn man schon solche Umfragen veröffentlicht, dann sollte man sie wenigstens als das kennzeichnen, was sie sind: Nämlich gute Unterhaltung.

Ljubiša Buzić / KOSMO-Redaktion

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