COMMUNITY 15.07.2014

Gut, besser, Brajlovic!

© KOSMO / Radule Božinović
Kaum etwas verbindet man so sehr mit der Heimat, wie Essen. Der Unternehmer Anel Ćerimagić hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen vom Balkan mit Lebensmitteln aus der Heimat zu versorgen.


„Drei meiner Freunde und ich waren noch Studenten, als wir 2003 unsere Firma gründeten“ erzählt Anel Ćerimagić über die Anfänge seines Unternehmens in Österreich. „Wir bauten unsere eigene Erzeugung von Fleischprodukten im Rahmen der Brajlović GmbH in Wien auf. Wir beachten die EU-Standards, aber arbeiten nach Rezepten aus unserer Heimat“, sagt Herr Ćerimagić. Mittlerweile bedient das Unternehmen die Märkte von Österreich, Deutschland, Großbritannien, Skandinavien und bald auch der Benelux-Länder mit ca. 30 Fleischprodukten

Anel Ćerimagić ist 1977 in Trebinje geboren. Mit 14 Jahren kam er mit seiner Mutter als Kriegsflüchtling nach Österreich. Für den Teenager war das ein großer Schock. Trotzdem passte er sich schnell an und besuchte bald ein Gymnasium in Wien. „Die Matura habe ich problemlos bestanden und auch Freunde gewonnen, mit denen ich mich später gemeinsam an der Universität eingeschrieben habe. Wir hatten alle ähnliche Schicksale und haben uns gut verstanden. So haben wir auch gemeinsam unsere erste Firma gegründet. Die feste Freundschaft und die Geschäftspartnerschaft bestehen bis heute“, betont Anel.

Anfangs Misstrauen in Österreich

Auch wenn Anels Geschäftsgeschichte märchenhaft wirkt, war der Weg zum Erfolg doch nicht ganz leicht. Während die Qualität der Brajlović-Produkte in Skandinavien sofort anerkannt wurde, zeigten die Händler in Österreich und Deutschland anfangs kein Interesse für die außergewöhnlichen Fleischprodukte. „Wir haben uns entschieden, neben der Produktion auch selbst den Verkauf zu übernehmen. In Österreich haben wir ein Vertriebsnetz aufgebaut, denn es war uns wichtig, an möglichst vielen Verkaufsstellen präsent zu sein. Mittlerweile haben wir es geschafft, uns die Türen der großen Handelsketten zu öffnen. Heute gibt es kaum ein Geschäft, in dessen Regalen keine Lebensmittelprodukte von Brajlovac stehen“, betont dieser Geschäftsmann stolz.

Nachdem der österreichische Markt gewonnen war, kam Deutschland an die Reihe. Vor drei Jahren wurde in Stuttgart die Firma Natura mit ca. 20 Mitarbeitern gegründet. Inzwischen hat das Unternehmen in London die Firma Magaza übernommen, in Sarajevo haben die Firma Brams, die mit Massenverbrauchsgütern handelt, sowie auch eine Marketingagentur. Auch in Skandinavien haben sie eine Partnerfirma, an einer Expansion in die Benelux-Länder wird gearbeitet.  

Den Namen Natura trägt auch ihre Anlage zur Verarbeitung von Obst und Gemüse in Semberija. In Bosnien-Herzegowina habt das Unternehmen eine landwirtschaftliche Genossenschaft gegründet, die ca. 400 Bauernhöfe umfasst. Auf diese Weise wird den Landwirten die Chance geboten, ihre gesamte Produktion zu verkaufen. „Unsere einzige Bedingung ist die Qualität. Wenn die nicht stimmt, weicht das Endprodukt von unseren und den EU-Standards ab“, unterstreicht Anel Ćerimagić.

Kochen wie in der Heimat

Mit den Produkten von Natura auf dem Tisch haben unsere Hausfrauen in den europäischen Ländern das Gefühl, ihre Wintervorräte selbst zubereitet zu haben. Etwa vierzig große und eine ganze Reihe kleinerer Lebensmittelproduzenten aus allen Ländern des westlichen Balkans platzieren eine breitgefächerte Palette hochwertiger und beliebter Produkte über die Adriatic Holding auf den Märkten der Europäischen Union.

„Unsere Firma ist im Bereich des ehemaligen Jugoslawiens der größte Lebensmittelexporteur in die großen EU-Länder. Allerdings tut es mir manchmal leid, dass wir mit den Botschaften der Länder unserer Region keinen Kontakt haben. Bei uns melden sich Botschaften geographisch weit entfernter Länder und bitten um Hilfe bei der Platzierung ihrer Produkte, aber von unseren eigenen Botschaften hören wir nichts“, sagt Anel bedauernd und fügt hinzu, dass eine Firma, die ihre Produkte über die Adriatic Holding in die EU exportieren möchte, die Qualitätsstandards erfüllen und Produkte anbieten muss, die es hier noch nicht gibt.

Vera Marjanović / KOSMO

Mit Tesla durch Wien

Balkanküche vom Feinsten

Der Traum vom eigenen Lokal

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook