FILM FESTIVAL 25.06.2014

Großes Kino für wenig Geld

© zVg.
Warum Produktionen aus Zentral- und Osteuropa nur selten den Weg in die heimischen Kinos finden, weshalb das LET’S CEE Film Festival von den Kulturabteilungen der Stadt Wien und des Bundes nur sehr mangelhaft unterstützt wird und welche Balkan-Filme heuer in Wien zu sehen werden: ein Interview mit den Gründern und Direktoren des internationalen LET’S CEE Film Festivals, Magdalena Żelasko und Wolfgang P. Schwelle.


Was sind die Schwerpunkte des LET’S CEE Festivals 2014?

Magdalena Zelasko: 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten und 75 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges ist es zugleich auch an der Zeit, Resümee über das erste Vierteljahrhundert seit der Öffnung des Eisernen Vorhangs und über die ersten zehn Jahre nach der EU-Osterweiterung zu ziehen. Alle diese Gedenkjahre werden sich heuer in unserem Programm widerspiegeln. Wir sind dieses Jahr also ziemlich historisch unterwegs. Aber eben nicht nur...

Weiß man schon, welche Filmemacher kommen werden?

Wolfgang P. Schwelle: Die allererste feste Zusage in puncto Festivalgäste kam heuer aus Kroatien, von wo der zweifache Oscar-Preisträger und Holocaust-Überlebende Branko Lustig anreisen wird. Auch der ungarische Oscar-Preisträger István Szabó hat bereits zugesagt. Und mit vielen anderen Branchengrößen verhandeln wir noch...

Inwiefern sind diese Filmen für Integration wichtig?

In den Festival-Kinos wird man bei LET’S CEE rund 25 Sprachen zu hören bekommen, allerdings werden alle gezeigten Filme mit deutschen oder englischen Untertiteln versehen sein. Genau soviele Sprachen aus dem CEE-Raum werden auch oft in Wien gesprochen. In den Wohnungen der neuen Wiener und Wienerinnen, in Lokalen, auf der Straße, in der U-Bahn und natürlich zudem in Betrieben und Büros. Und alle diese hier bei uns gesprochenen Sprachen sind unserer festen Überzeugung nach keine Belastung, sondern eine enorme Bereicherung für die Stadt. Integration ist keine Einbahnstraße, sondern ein Dialog. Sprich: Es geht nicht nur darum, dass die Migranten und Migrantinnen Deutsch lernen – das ist ja ohnehin selbstverständlich - sondern auch darum, dass die Zuwanderer ihre Muttersprache nicht vergessen, auf ihre Kultur stolz sind und diese gerne mit ihren österreichischen Freunden oder Arbeitskollegen teilen.

Sogar der weltbekannte Filmregisseur, der US-Amerikaner Steven Spielberg, hat sich letztes Jahr persönlich zu Wort gemeldet und dem Festival eine Grußbotschschaft übermittelt. Es scheint, dass das Festival tatsächlich im Ausland mehr Anerkennung findet als bei den offiziellen österreichischen Einrichtungen …

MZ: Das ist sogar ganz sicher richtig. Uns haben etwa Förderstellen aus dem Ausland von Anfang an sehr viel besser unterstützt als österreichische und über uns haben in der Vergangenheit mit Sicherheit mehr Medien in aller Welt berichtet als hierzulande, allerdings holen wir auf dem heimischen Markt gerade ziemlich flott auf. Zumindestens pressemäßig, die Politik lässt uns immer noch brutal hängen.

Woher kommt das? Wie erklären Sie sich das?

WPS: Wir haben hier in Wien selbständig eine neue Initiative gestartet, die zwei Bevölkerungsgruppen bedient, welche trotz ihrer Größe bislang von der Kulturpolitik der Stadt nur sehr mangelhaft bedient werden: die der Filmliebhaber und Cineasten einerseits und die der Zuwanderer andererseits. Damit haben wir praktisch gleich zwei Mal auf das falsche Pferd gesetzt, jedenfalls was das aktuelle Förderunwesen betrifft. Dazu kommen aber noch andere Probleme. So fehlte es uns als Newcomern da wie dort etwa auch am Zugang zu Entscheidungsträgern. Und natürlich stehen die verantwortlichen Kulturpolitiker ihrerseits ebenfalls kräfig unter Druck, der Kuchen wird ja nicht größer.  

Das Motto Ihres diesjährigen Festivals lautet „Großes Kino für wenig Geld“.

WPS: Ja, und das gilt im doppeldeutigen und wahrsten Sinne des Wortes. Zum einen weisen wir damit darauf hin, dass wir eben von den zuständigen Kulturabteilungen der Stadt und des Bundes immer noch sträflich vernachlässigt werden und trotzdem weitermachen. Und zum anderen passt dieses Motto auch, weil wir unsere Ticketpreise trotz unserer budgetären Nöte weiterhin niedrig halten werden.

Was wäre Ihre persönliche „must-see“ Empfehlung – welcher Film aus der Balkan-Region ist Ihr Favorit?

MZ:
Eine sehr gute Orientierungshilfe wird dieses Jahr allerdings unsere Filmreihe „25 – The Retrospective“ schaffen. Wir zeigen dabei den jeweils besten Film der letzten 25 Jahre, also den besten Film seit dem Mauerfall aus jedem der 25 Länder, die wir mit dem LET’S CEE Film Festival abdecken. Und da sind ja dann letztlich alle Balkan-Länder mit dabei. Welche Produktionen es aber ganz konkret auf die Liste schaffen werden, das werden führende Filmkritiker aus aller Welt und nicht wir bestimmen.

Wo und ab wann kann man Tickets kaufen?

MZ: Ab Ende August wird das vollständige Programm feststehen und ebenfalls Ende August wird auch der Ticketverkauf starten, und zwar sowohl auf unserer Website www.letsceefilmfestival.com als auch über Oeticket.

Interview: Uroš Miloradović / KOSMO

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