DISKUSSION 07.05.2014

Rassismus als Gesellschaftskiller

© ZZI
Bei einer Diskussionsveranstaltung des Zentrums für zeitgemäße Initiatien (ZZI), wurde über Rassismus in der Gesellschaft diskutiert.


Die Diskussion unter dem Titel „Rassismus – stiller Gesellschaftskiller“ wurde am Samstag, den 26. April 2014, im Kepler-Salon Linz abgehalten. Diskutiert wurden die Themen Fundamentalismus, Orientalismus, Antisemitismus, Islamophobie, Xenophobie, sowie Rassismus in österreichischen Schulen, bzw. in den österreichischen Schulbüchern.

Der Europaabgeordnete Prof. Dr. Josef Weidenholzer verwies einleitend auf den steigenden Rassismus in Europa. Besonders die Entwicklungen in einigen osteuropäischen Ländern, darunter insbesondere Ungarn, seien, bedingt durch den steigenden Grad an Antisemitismus und Antiziganismus sowie Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit, besorgniserregend. Dabei stellte er fest, dass Europa im Hinblick auf die Prävention und Bekämpfung von Rassismus seinen Ansprüchen nicht gerecht werde.

Ursprünglich positiv besetzter Begriff

Die historische Entstehungs- und Entwicklungslinie des Rassismus analysierte der Fundamentalismusexperte Moussa Al-Hassan Diaw und  verortete die Ursprünge des Rassismus im 15. und 16. Jahrhundert. Dabei bezog sich, wie er fernerhin argumentierte, der Begriff „Rasse“ in etymologischer Hinsicht zunächst auf ein Adelsgeschlecht oder eine Herrscherfamilie. Demnach wurde der Begriff „Rasse“ mit „positiven bzw. edlen Qualitäten“, die aufgrund einer langen Ahnenreihe „vererbt“ wurden, assoziiert. Überdies fügte Al-Hassan Diaw hinzu, dass bereits während der Reconquista Juden vom christlich geprägten Europa als eine eigene „Rasse“, die durch Eigenschaften wie Habsucht und Geldgier geprägt sei, definiert wurden. Dies bestärkte die zum damaligen Zeitpunkt in Europa verbreitete Judenfeindlichkeit (Stichwort: „Jesusmörder“).

Mit dem Aufkommen der modernen Naturwissenschaften sei auch der biologistische Rassismus in Erscheinung getreten. Diesen kennzeichne vor allem die Tatsache, dass er Menschen nach phänotypischen Merkmalen, wie Hautfarbe, klassifiziere und sie wertend hierarchisiere – mit der „weißen Rasse“ als die vollkommenste. Diese „Rassentheorie“ setzte sich allmählich zu einer allgemein anerkannten Grundhaltung durch und fungierte als Legitimationsgrundlage des Kolonialismus.

Das „Fremde“ als Bedrohung


Den Übergang vom biologistischen Rassismus zum Kulturrassismus führt auch der antirassistische Aktivist Baruch Wolski auf das „Identitätsbedürfnis“ Europas zurück. Europa habe in seiner Geschichte stets eine „fremde“ Kultur als Negativprojektion gebraucht, um sich selbst definieren zu können. Hierzu wurde vor allem, wie er in Anlehnung an Edward Saids „Orientalism“ meint, der Orient bzw. der islamische Kulturbereich herangezogen und als der „irrationale“ Gegenpol definiert. Dies sei auch in der aktuellen europäischen Islamdebatte deutlich erkennbar.

Der Journalist und M-Media Geschäftsführer Simon Inou sprach darüber, wie er die österreichischen Schulbücher einer Analyse in Bezug auf Rassismus unterzog. Hierzu initiierte er ein Projekt, welches insbesondere Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen dazu aufruft, jene rassistischen Passagen/Bilder in Schülerbüchern zu fotografieren und an die E-Mail Adresse schulbuch@m-media.or.at zu senden. Diese Inhalte werden in einer eigens dafür angefertigten Facebookgruppe veröffentlicht. Anschließend wird der Verleger kontaktiert und dazu aufgefordert, die rassistischen Passagen/Bilder zu entfernen. Besonders dieser Aspekt der frühzeitigen Rassismusprävention, sei, wie Inou betont, wichtig, um Kinder nicht mit rassistischen Denkschemata aufwachsen zu lassen.         

KOSMO-Redaktion

Im Web: Facebook-Gruppe: Rassismus in Schulbüchern

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