KOMMENTAR 15.04.2015

Fußball in Kroatien: Korrupte Manager und brutale Hooligans

Geldstrafen wegen rassistischer Parolen der Fans, Hooligan-Drohungen an Funktionäre und leere Tribünen als Sanktion: Der kroatische Fußball sorgt derzeit hauptsächlich für negative Schlagzeilen.

Der Tiefpunkt aller Ereignise ist der Angriff von Hajduk-Split-Hooligans auf die Delegation des Kroatischen Fußballverbands, in der auch der Teamchef Niko Kovač war. Davor sorgte bereits eine Strafe der UEFA für weltweite Aufmerksamkeit: Der kroatische Fußballverband wird mit einem "Geisterspiel" vor leeren Tribünen gegen Italien bestraft, da die Fantribüne beim Spiel gegen Norwegen erneut nicht auf die kontroverse Parole „Za dom spremni“ verzichten wollte.

Die Geister, die sie riefen

Die jetzigen Ereignisse sind traurig, aber dennoch nicht überraschend. In Wirklichkeit handelt es sich um Geister, die ein korruptes System und seine wichtigsten Funktionäre mit ihrem Verhalten selber gerufen haben: Systematisch regieren über kroatische Klubs und Ligen jahrelang skrupellose Lokalsheriffs und ominöse Geschäftsleute, von denen einige immer wieder für zwei Tage hinter Gitter wandern, aber dann doch unbescholten davon kommen.

Wenn man sich die Videos von manchen Sitzungen des kroatischen Fußballverbands aus der näheren Vergangenheit anschaut, braucht man sich nicht über die Gewalt der Fans wundern: Mehrmals kam es bei Verbandspräsidentenwahlen zu Skandalen, gegenseitigen Beschimpfungen, verbalen Ausrutschern von hohen Funktionären und Situationen, die am Rande einer körperlichen Auseinandersetzung waren. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es eben auch zurück.

Krankes System

In diesem kranken System steht schon lange der Fußball selbst nicht mehr im Vordergrund. Es geht um korrupte Deals und Profitgier von Managern, sklavenartige Verträge und gewinnbringende Transfers, um gegenseitige Abrechnungen zwischen verschiedenen Clans im Fußballverband und um frustierte, gewaltbereite Fangruppen, die zumeist die größten Verlierer der Gesellschaft sind und daher sowieso nichts mehr zu verlieren haben.

Ihre letzte Leidenschaft haben diese ja in Wirklichkeit schon längst verloren: den Fußball. 

Petar Rosandić / KOSMO

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