INTERVIEW: KONSTANTIN DOBRILOVIĆ 11.03.2014

„Für ein Europa der Vaterländer“

© KOSMO / Radule Božinović
In Österreich findet am 25. Mai 2014 die Wahl zum Europäischen Parlament statt. Die Freiheitliche Partei Österreichs hat den 15. Platz ihrer Kandidatenliste an Konstantin Dobrilović (29) vergeben.


Konstantin Dobrilović ist in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger. Er stammt ursprünglich aus der Republika Srpska (Bosnien-Herzegowina) und ist eben dabei, Österreicher zu werden. Seit 2008 ist er Mitglied der FPÖ, seit 2010 Bezirksrat in Favoriten, einem der größten Bezirke Wiens, und Vorsitzender der Christlich-Freiheitlichen Plattform.

KOSMO. Die Politik der FPÖ gründet sich auf EU-Skeptizismus - mit welchen Positionen wenden Sie sich bei dieser Wahl an die Wähler?

Konstantin Dobrilović: Dass man die Strukturen der EU im Sinne der Bürger regelmäßig hinterfragen und gegebenenfalls kritisieren muss, ist für uns Freiheitliche ein selbstverständlicher Auftrag. Dass wir gegen die EU sind, sie am liebsten abschaffen oder aus ihr austreten wollen, ist Propaganda derer, die nur ihre Pfründe verteidigen. Wir stellen nicht irgendwelche Interessensgruppen in den Mittelpunkt, sondern die Bürger. Wir wollen ein Europa gleichberechtigter Staaten und Völker, die in zentralen Fragen selbst entscheiden können, was für sie am besten ist. Das darf man nicht wie im Kommunismus realitätsfremden Polit- oder in diesem Fall eben abgehobenen EU-Kommissaren überlassen.

Wenn Sie ein Mandat im Europäischen Parlament gewinnen, wofür werden Sie sich dann einsetzen?

Ich werde die Interessen der Österreicherinnen und Österreicher ehrlich und mit ganzer Kraft vertreten. Das erwarte ich auch von jedem anderen EU-Parlamentarier. Wir alle müssen wieder auf die Menschen hören, ihre Ängste und Sorgen ernst nehmen und ein gemeinsames Europa errichten, in dem sie sich eingebunden fühlen. Nicht die Kritiker, die derzeitige „Drüberfahr-Mentalität“ gefährdet das an sich großartige Projekt.

Fühlen Sie sich als Migrant in der FPÖ manchmal angefeindet?

Ich habe in der Partei da niemals negative Erfahrungen machen müssen. Wir Freiheitliche unterstützen alle Bürger mit Migrationshintergrund, die bereit sind, sich anzupassen und wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft zu werden, uneingeschränkt. Menschen aber, die zu uns kommen und nur nach ihren eigenen Regeln in Parallelwelten leben wollen, sehen wir als Problem an, besonders, wenn ihre Werte nicht mit der demokratischen Ordnung Österreichs vereinbar sind. Andere Parteien, in Wien etwa sehr stark die SPÖ, wollen aber gar keine vernünftige Integration. Dass uns manche Parteien kritisieren, weil wir dieses Problem offen ansprechen, ist nur eine Anbiederung an gewisse ethnische Gruppen, um deren Stimmen zu gewinnen.

Wie ist das Verhältnis der Christlich-Freiheitlichen Plattform zu anderen Religionen? Gibt es da einen Anti-Islamismus?

Die Christlich-Freiheitliche Plattform lebt und propagiert die Werte des Christentums, empfindet aber tiefen Respekt gegenüber anderen Religionen, natürlich auch gegenüber dem Islam. Dieser Respekt darf aber keine Einbahnstraße sein. Mit liberalen Muslimen führen wir einen für beide Seiten erfrischenden Dialog. Dass wir mit Extremisten, die Andersgläubigen den Tod wünschen, nichts zu tun haben möchten, ist aber auch klar. Solch radikale Ansichten findet man derzeit auf der ganzen Welt am ehesten bei islamistischen Splittergruppen. Die tun ihren Glaubensbrüdern, die teils sehr weltoffen sind, nichts Gutes.

Die Ergebnisse des schweizerischen Referendums über die Zuwanderung von Ausländern haben von der FPÖ Beifall erhalten. Warum?

In der Schweiz entscheiden bedeutende Themen traditionell die Bürger und die wissen in der Regel viel besser als Politiker, wo die Probleme liegen. 23 Prozent der Bewohner dieses kleinen Landes haben Migrationshintergrund. Wie Österreich und Deutschland auch hat die Schweiz seit der Öffnung der Grenzen das Problem, dass so viele Menschen kommen, dass sie der Arbeitsmarkt einfach nicht mehr aufnehmen kann. Sie verdrängen dann entweder andere Arbeiter und Angestellte, Einheimische wie auch bereits gut integrierte Ausländer, oder sie nützen nur das Sozialsystem aus. Dass sich die Schweizer dagegen wehren, ist ein Akt der Selbstverteidigung und verdient Respekt. Diese Einsicht wird sich in Österreich hoffentlich auch früher oder später durchsetzen.


Interview: Vera Marjanović / KOSMO

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