INTERVIEW 30.04.2013

Zuwanderer sind eine Bereicherung

© KOSMO
Frank Stronach (81) spricht im KOSMO-Interview über Zuwanderer, österreichische Freunderlwirtschaft und die aktuellen Turbulenzen in seiner Partei.

KOSMO: Sie haben selbst Migrationsgeschichte. Was sind Ihre Rezepte für eine erfolgreiche Zuwandererbiografie?
Frank Stronach: Wichtig ist, dass jeder Zuwanderer das Land versteht, in das er kommt. Es gibt sowohl in Österreich und in Kanada gute und weniger gute Sitten. In all dem sollte man versuchen, ein guter Bürger zu sein und konstruktiv für das Gastgeberland zu arbeiten.

Das Team Stronach setzt sich ja laut Parteiprogramm für eine geregelte Zuwanderung. Sie haben jedoch bereits gesagt: „Das Boot ist voll“. Ist Österreich für Sie ein Zuwanderungsland?
Österreich ist ein kleines Land und war während des Kommunismus politischen Flüchtlingen gegenüber sehr offen. Nun müssen wir die Leute aufnehmen, die etwas zum Wohle Österreichs beitragen können und diejenigen, die da sind, müssen wir integrieren. Das heißt aber nicht, dass man kein offenes Herz haben kann, insbesondere für Härtefälle oder für die Familienzusammenführung. Die Zuwanderung ist eine Bereicherung, solange man miteinander respektvoll umgeht.

Jeder fünfte Unternehmer in Wien hat den ex-jugoslawischen Hintegrund...
Migranten sind unternehmensfreudiger und haben Mut, etwas zu bewegen. Denn die wissen, dass man sich in einem fremden Land behaupten und überleben muss. Davon profitiert Österreich!

Ist Ihrer Meinung nach für Zuwanderer schwieriger, ein Unternehmen in Österreich aufzubauen?
Ja, das ist es! In Österreich wird das Leben unnötig kompliziert gemacht – schauen Sie nur diese Bürokratie! Das Gleiche herrscht auch in der Politik: Es gibt wenig Politiker mit Migrationshintergrund. Warum? Weil auch bei der Politikerbesetzung Freunderlwirtschaft herrscht! Ein Parteibuch am Arbeitsplatz muss gesetzlich verboten werden!

Seit der Gründung kämpft Ihre Partei mit dem Vorwurf des Politikerkaufs. Nun sagt Ludwig Buchinger aus Niederösterreich, ihm habe das Team Stronach 100.000 Euro angeboten.
Das ist Quatsch! Die Politiker kaufen sich Stimmen mit Wahlzuckerln. Ich nehme mein eigenes Geld, um die Freunderlwirtschaft und Korruption in diesem Land zu bekämpfen. Das ist die Ursache vieler Probleme in diesem Land. Wenn Sie Menschen haben, die nur auf diese Weise in die politischen Positionen kommen, dann sind sie in der Regel unfähig. Um von der wirtschaftlichen Kompetenz gar nicht zu reden.

Bieten Sie aber Politikern für Ihr Engagement Geld?
Ich habe in diesem Land über 150 Millionen Euro Sozialspenden gegeben. Ich habe von niemandem was genommen. Jetzt investiere ich über 20 Millionen in die Politik, denn mir geht es um Werte.

In Tirol sind über 800 Mitglieder aus Ihrer Partei ausgetreten, es haben sich unterschiedliche Wahllisten gebildet. Hoffen Sie auf keine gute Wahl dort?
Wir sind eine junge Partei. Wir haben auch Fehler gemacht, diese Fehler korrigiert man. Zeitungen schreiben aber unterschiedliche Sachen, die der Realität nicht entsprechen.

Wie ist aber konkret die Situation mit den zwei Wahllisten in Tirol?
Wir sind am Parteiaufbau, die Tiroler wollen nicht dominiert werden. Ich habe hier klar gesagt: Ich will weniger vorschreiben – wenn die Leute in Tirol die Werte unserer Partei haben, werde ich sie unterstützen.

In Ihrem Parteiprogramm ist einer der Wege zur Steuerreform die Stopfung von Steuerlöchern. Das Gleiche will auch die Finanzministerin Fekter. Wo unterscheiden Sie sich von ihr?
Die Politiker sagen vor der Wahl alles! In Wahrheit behalten sie Privilegien. Wir wollen eine einfache Steuererklärung. Die Steuern müssen die Wirtschaft ankurbeln. Heutzutage können Firmen im Ausland investieren und ihren Verlust abschreiben! Wir sagen aber, die Firmen, die in Österreich investieren, zahlen nur 10 % Steuer, die restlichen 10 % geben sie an die Mitarbeiter weiter.

Sie fordern ja 17 unterschiedliche Euro-Währungen. Das ist aber nur schwer möglich...
Der österreichische Euro ist mehr wert als der griechische. Den Griechen haben ja Banken das Geld abgezogen. Die Länder, die ähnliche Wirtschaftslage haben, können von mir aus eine gemeinsame Währung haben. Ich bin aber dagegen, dass eine gemeinsame EU-Finanzpolitik aus einem Zentrum geführt wird.

Sind Sie überhaupt noch für die EU?

Das war in erster Linie ein Friedensprojekt. Ich möchte keine gemeinsame EU-Regierung!

Experten gewinnen Ihren Einkommensplänen wenig ab und sagen, diese Vorschläge sind in erster Linie für Gutverdiener maßgeschneidert. Was bieten Sie aber dem Mittelstand?
Die Arbeiter haben ein moralisches Recht auf 10 % vom Profit, und zwar zusätzlich zu den Löhnen. Dagegen kann ja niemand etwas sein. So werden sie motiviert!

Laut vielen PolitikbeobachterInnen könnte das größte Verdienst Ihrer Partei sein, der FPÖ Stimmen zu nehmen. Sind die Freiheitlichen Ihr größter Fischteich?
Nein! Wir wollen Stimmen von allen Parteien, weil sie alle die Bürger verraten haben. Sowohl die SPÖ als auch die ÖVP und die Grünen haben für den ESM gestimmt und die Arbeiter verraten.

Sie haben angekündigt, in den Nationalrat zu ziehen. Bleiben Sie dabei?
Ja, ich bin der Erste auf der Liste und dieses Versprechen halte ich!

KOSMO-Redaktion

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