INTERVIEW 23.06.2015

„Wir fragen nicht nach der Herkunft“

© KOSMO / Miloradović
Am 24. Juni um 19 Uhr findet die Präsentation des Buchs „Kunstpraxis in der Migrationsgesellschaft“ in der Brunnenpassage am Wiener Yppenplatz statt. KOSMO sprach mit beiden Autorinnen Anne Wiederhold und Ivana Pilić.

KOSMO: Wenn jemand keine Ahnung von der Brunnenpassage hätte, wie würdet ihr dieses Projekt beschreiben?

Anne Wiederhold: Wir bringen Kunst mit hoher Qualität hier an den Brunnenmarkt, und zwar für alle Menschen zugänglich und kostenlos. Wir haben ein eigenes Haus in einer Markthalle und wir bieten ganz unterschiedlichste Genres von Musik, Tanz, Theater, Ausstellungen. Alleine im letzen Jahr hatten wir rund 460 Events, mit ungefähr 25.000 Besuchern.

Wie ist zu dem Buch gekommen und worum es geht darin?

Anne Wiederhold: Die Brunnenpassage gibt es jetzt über sieben Jahren. Wir haben uns entschieden, innezuhalten und zu schauen was für eine Expertise es hier eigentlich gibt. Wir hoffen uns, dass unsere Erfahrung anderen Menschen nachlesbar wird.

Ivana Pilić: Wir haben uns gefragt, wie das Programm für mehr Menschen interessant sein könnte. Es ist präpotent, zu glauben, man müsse immer „die Leute“ an Kunst und Kultur heranführen. Man kann genauso fragen: Wie kann ich mein Kulturkonzepte einlegen, damit sie einfach interessanter sind?

Was sind die Einsichten nach diesen sieben Jahren?

Ivana Pilić: Eine große Erkenntnis ist, dass man als Institution schauen muss, dass die Diversität bei der eigenen Belegschaft beginnt. Man muss auch Mut haben, zu sagen, wenn etwas nicht funktioniert und es dann streichen.

Inwiefern ist Kunst ein erfolgreiches Model für Integration?

Anne Wiederhold: Kunst ist nur ein Aspekt unserer Arbeit, wir sind auch viel mit Kultur beschäftigt, mit Straßenfesten und partizipativen Veranstaltungen. Alle unsere Events sind offen für alle. Die Begegnung von ganz verschiedenen Leuten ist sehr inspirierend und bereichernd.  

Ivana Pilić: Bei vielen unserer Veranstaltungen steht Sprache nicht im Mittelpunkt. Uns stehen viele andere Ausdrucksformen zur Verfügung, wie Körpersprache und Artikulation durch Tanzen oder Singen.

Anne Wiederhold: Ich glaube und hoffe, dass der Raum einfach diese Atmosphäre ausstrahlt, dass die Leute sich willkommen fühlen. Wir fragen die Menschen nicht, woher sie kommen, oder ob die eine Arbeitserlaubnis haben oder einen Deutschkurs besucht haben. Es geht bloß darum, dass die Leute miteinander Kunst machen. Wir arbeiten gar nicht mit der Begriff „Integration“. Der spielt bei uns überhaupt keine Rolle.

Uroš Miloradović / KOSMO

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