SATIRE 20.03.2014

Escape from Kärnten

© zVg.
Der Autor und KOSMO-Redakteur Uroš Miloradović schreibt „Geschichten aus dem kurzsichtigen Winkel“:


Gesellschaften verarbeiten ihre Traumata durch die Kunst. Der Konkurs der Hypo Bank verdient, meiner Meinung nach, eine filmische Bearbeitung. Hier ein paar meiner Vorschläge:

Kärnten 2020. Die Geschichte spielt in einer finsteren Zukunft, nach der „Amputation“. Ökonomisch verwüstet wegen des Hypo-Konkurses, wurde Kärnten aus Österreich und auch aus EU ausgegliedert. Rund um das  Land wurde, kurz nach dem Bau der Großen Kärntner Mauer 2017, auch noch ein großer Graben ausgehoben. Damit war das ehemalige Bundesland endlich vom Rest der Welt isoliert.

Gewalttätige Banden, bestehend aus Mitgliedern der einstigen politischen Parteien, herrschen über das Territorium. Die stärkste unter ihnen ist die frühere FPÖ, die die Herstellung der Droge „Blue Meth“ unter ihre Kontrolle gebracht hat und darüber hinaus Zugang zu relativ moderner, aber ziemlich lumpiger Technologie hat.

Die Städte liegen in Trümmern. Die Menschen auf den Straßen sind in Lumpen und Felle gehüllt. Die Bauern beackern die ausgedorrten Felder mit Holzpflügen, die sie selber ziehen. Gelegentlich kommen Fälle von Kannibalismus vor. Unruhen sind häufig, die Gewalt ist blind, ziellos und willkürlich. Seuchen brechen täglich aus. Die ethnischen Slowenen wurden zu einer Kaste der Unberührbaren entwertet und zu Sklaven gemacht. Lokale Machthaber sind von privaten Armeen bewaffneter Schläger, Rowdys, Vergewaltiger und sadistischer Typen umgeben.

Hier steigen wir in die Handlung ein, als ein Flugzeug wegen eines technischen Defekts gezwungen ist in Klagenfurt zu landen. An Bord der Maschine befindet sich die Ehefrau aktuelles Bundeskanzlers Sebastian Kurz, mit ihrer zweijährigen Tochter. Durch eine selbstlose Last-Minute Aktion ihres Bodyguards, wurde ihr Leben gerettet. Nun befindet sie sich auf der Flucht in den unwirtlichen Regionen Kärntens.

Auf einer Krisensitzung der österreichischen Sicherheitsdienste und der Regierung fällt die Entscheidung, die offensichtlich suizidale Rettungsaktion dem gefährlichsten und bekanntesten österreichischen Sträfling anzuvertrauen: Karl-Heinz Grasser.

Gerissen wie eine Schlange und gnadenlos wie ein Tiger, kennt Grasser das Terrain und den Gegner ausgezeichnet. Abgehärtet im Gefängnis, ist der Ex-Minister zu einer tödlichen Kampfmaschine geworden, ohne Gewissen oder Gefühle. Nachdem er einst zufällig im Gefängnissolarium während einer Bräunungssession eingeschlafen ist, hat er Brandwunden dritten Grades davongetragen, Teile seines Körpers wurden durch Maschinen ersetzt, was ihm eine übermenschliche Stärke, Schnelligkeit und Ausdauer verliehen hat. In Begleitung eines Führers betritt Grasser, getarnt als Bauer, unbemerkt Kärnten und nach vielen verschossenen Kugeln und jeder Menge Leichen, die sich hinter ihm aufgehäuft haben, rettet er die Ehefrau des Kanzlers und ihr Kind. Am Ende gibt es noch einen Ausblick auf eine Fortsetzung: Escape from Europe – jetzt erst recht.


Die leichtere Seite dieses düsteren historischen Moments könnte man alternativ auch in einer Reihe erotisch-pädagogischer Filme bearbeiten. Hier ein paar mögliche Titel: Sperm Bank, Spread Your Cheeks For Hypo, Bank-Bang, Can You Take My Hypo, Sluts for Credit, Balls Deep In Debt Hole, Bank Bitch usw. Die Filme könnten viel Geld erwirtschaften und würden mit Sicherheit die Sympathien der breiten Volksmassen erobern. Sowohl in Ausland, als auch Zuhause, würde man den unzerstörbaren Optimismus der Österreicher loben, der sich trotz schwersten Lebensumständen unfehlbar äußert.     

Ein weiteres Format könnte eine Reality Show mit dem Titel „Austria''s Next Konkurs“ sein, an der alle Bürger Kärntens teilnehmen würden. Aber, Moment – das läuft doch schon, oder?

Uroš Miloradović / KOSMO


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