INTERVIEW 28.10.2014

„Es geht nicht ums Schnitzelessen“

© zVg.
Belma Coković bereitet potenzielle Zuwanderer aus Serbien auf das Leben in Österreich vor. Seit Anfang Oktober ist sie als Integrationsbeauftragte in der österreichischen Botschaft in Belgrad tätig. KOSMO sprach mit ihr über Integration, Mehrsprachigkeit und österreichische Werte.


Sie sind seit kurzem Integrationsbeauftragte in der Österreichischen Botschaft in Serbien. Worum geht es bei Ihrer Arbeit?

Belma Coković: Wir sind fest davon überzeugt, dass je früher der Integrationsprozess beginnt, desto leichter fallen den Zugewanderten auch die ersten Schritte in der neuen Heimat. Konkret bedeutet das, dass ich Orientierungsmodule abhalten werde, zu Themen, die in Österreich zentral sind: Welche Chancen bringt das Leben in Österreich, die Werte des Zusammenlebens, Bildung, Arbeit, das Gesundheitssystem. Ich gebe auch Informationen zu Deutschkursen und praktische Tipps und Empfehlungen zu den ersten Schritten in Österreich.

Was muss ein potenzieller Zuwanderer mitbringen, um für eine Aufenthalts- bzw. Arbeitsbewilligung in Österreich in Frage zu kommen?

Zunächst müssen die Kriterien für den jeweils gewählten Aufenthaltstitel erfüllt sein. In Österreich gibt es mehrere Aufenthaltstitel vom „Daueraufenthalt – EU“, der „Rot-Weiß-Rot Karte (plus)“, der „Aufenthaltsberechtigung plus“, „Aufenthaltstitel Familienangehöriger“ und einen „Niederlassungsnachweis.“ Die Prüfung der Aufenthaltskriterien liegt in der Hand der Behörden – mir kommt hier also keine behördliche Funktion zu. Für uns in Österreich sind Sprache und Kultur zwei außerordentlich wichtige Aspekte der Gesellschaft. Deshalb ist es uns wichtig, dass sich Zugewanderte am gesellschaftlichen kulturellen Geschehen beteiligen und bereit sind, die deutsche Sprache zu lernen.

Sebastian Kurz schrieb über Sie bzw. Ihre Stelle, dass Sie „über das Leben in Österreich informieren und österreichische Werte vermitteln“ werden. Was sind für Sie österreichische Werte?

Zuwanderer wollen sich unserer Erfahrung nach oft gerne integrieren. Dafür müssen sie zuerst wissen, was in unserer Gesellschaft wichtig ist, wie man hier „tickt“. Es geht um gesellschaftliche Werte, die Basis für ein harmonisches Miteinander sind. Das sind Werte wie Gerechtigkeit, Respekt, Verantwortung, Einsatzbereitschaft, Vielfalt, Leistung, Selbstdisziplin, etc. Um „Schnitzel essen“ oder „Türe aufhalten“ geht es also ganz klar nicht.

Sie haben einen bosniakischen Namen, was bei ihrer Ernennung als Integrationsbeauftragte für etwas Wirbel in Belgrad sorgte. Was haben Sie von den Reaktionen mitbekommen  und wie sind Sie damit umgegangen?

Interessant, dass Sie das ansprechen, denn es gibt wirklich erstaunte Gesichter, wenn ich in Belgrad meinen Namen bekannt gebe – das liegt daran, dass den Leuten mein Name außerordentlich gut gefällt. So viele Komplimente allein aufgrund meines Vornamens habe ich noch nie bekommen! Auch der Nachname ist in Belgrad sehr willkommen, da er dem des erfolgreichsten serbischen Tennisspielers ähnelt. Also wenn Sie diesen Wirbel meinen, dann gehe ich sehr gut damit um und freue mich richtig darüber. Abgesehen davon bin ich gebürtig aus Montenegro und habe zudem serbische und makedonische Wurzeln. Das Wesentliche ist aber, dass ich als Österreicherin an die ÖB Belgrad geschickt wurde, um allen Zugewanderten aus Serbien so gut wie möglich im Prozess ihres Umzugs nach Österreich zu helfen.

Sie haben in Österreich Bosnisch/Kroatisch/Serbisch – kurz BKS – studiert. Wieso haben Sie sich für dieses Studium entschieden?

Bis vor ein paar Jahren habe ich nur in der Familie meine Muttersprache gesprochen, wie so viele Jugendliche mit ex-jugoslawischen Wurzeln. Ich hatte mit 19 das Bedürfnis, meine Muttersprache zu perfektionieren, sowie mich intensiver mit der Geschichte, Kultur und Literatur des gesamten postjugoslawischen Raumes zu beschäftigen. Daher auch das Studium.

Was können Serbien und Österreich voneinander lernen?

Im Grunde sind wir Österreicher und Serben einander sehr ähnlich. Beide haben eine hemdsärmelige Natur, können und wollen anpacken, sind fleißig und stets darauf bedacht, etwas zu leisten. In unserer Integrationsarbeit kommt uns dies sehr entgegen.

Interview: Ljubiša Buzić / KOSMO

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