POLITIK 28.01.2014

Erinnerung als Pflicht

Ein Kommentar von KOSMO-Chefredakteur Nedad Memić anlässlich des gestrigen Internationalen Holocaust-Gedenktags.


Am 27. Jänner wurde der Holocaust-Gedenktag begangen. An diesem Tag vor 69 Jahren wurde das nazistische Konzentrationslager Auschwitz – der größte Schauplatz der industriellen Menschenvernichtung der Geschichte – befreit. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schworen alle, Massenverbrechen wie Holocaust oder Völkermord dürfen niemals mehr geschehen – danach kamen sie trotzdem: die Genozide in Kambodscha, Ruanda, dann Bosnien-Herzegowina und jüngst in Darfur. Die Massenverbrechen an der syrischen Bevölkerung drohen in einen Völkermord überzugehen.

Und was macht die Weltöffentlichkeit? Sie ist nach wie vor nicht im Stande, eine Lehre aus diesen Gräueltaten zu ziehen. Die Regierungen demokratischer Länder dieser Welt können sich nicht einigen, dass die Leugnung des Holocaust und der Völkermorde überall in der Welt und ohne Ausnahme strafbar sein soll. So ist die Holocaustleugnung in Österreich strafbar, die Propaganda gegen andere Massenverbrechen in der Welt jedoch nicht. In den Nachfolgestaaten Jugoslawiens ist die Bewusstseinsentwicklung über die begangenen Massenverbrechen immer noch ein schmerzhafter Prozess, dessen Ende unabsehbar ist. Daraus entwickelt sich eine absurde Situation: In der Region, die sowohl den Holocaust und Völkermord im Zweiten Weltkrieg sowie den Völkermord im letzten Bosnienkrieg erlebte, existiert kein Gesetz, das die Verherrlichung oder Leugnung von Holocaust oder Völkermord strafrechtlich ahnden soll. Hinterbliebene von Völkermordopfern werden oft schikaniert, und die Erinnerungskultur ist NGOs und gewissenhaften Politikern überlassen.

Ein solches Verhältnis zum Holocaust, Völkermord und Massenverbrechen gibt uns recht wenig Hoffnung, dass die nächsten Generationen das Ausmaß dieser Gräueltaten jemals begreifen werden.

Nedad Memić / KOSMO

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