MEDIEN 13.11.2013

Eklat um große Chance – Rassismusvorwürfe aus Serbien

© zVg.
Die serbische Tageszeitung Kurir erhebt schwere Vorwürfe gegen die Jury der ORF-Sendung „Die große Chance“. Missverständnis oder bewusster Sensationalismus?


„Schande in Österreich: ‘Pillers, Ihr könnt nicht gewinnen, weil ihr Serben seid!‘ "– so lautet der reißerische Titel der serbischen Boulevardzeitung Kurir rund um die Geschwister „Trio Piller“, die den zweiten Platz bei der ORF-Talentshow „Die große Chance“ erreichte (siehe KOSMO-Interview).

Trotz dieses Erfolgs schreibt die Kurir-Journalistun Dijana Đorđević von einer Jury, die den drei serbischen Jugendlichen feindlich gesinnt gewesen sei. Dabei habe sich insbesondere Peter Rapp, mit fremdenfeindlichen Äußerungen gegen das Trio Piller hervorgetan. Rapp habe die Musik der Pillers als Zigeunermusik abgewertet und versucht das Ergebnis des Publikumsvotings zu beeinflussen. Die Tageszeitung spricht von einer „Beleidigung auf nationaler Grundlage“.

Ungenau oder manipulativ?

Wir haben uns die gesamte Sendung und insbesondere die betreffende Stelle, einen Wortwechsel zwischen den Juroren Sido und Peter Rapp, in der ORF TVthek, genauer angesehen:

Sido meinte, dass Österreich durch die Wahl des Trios Piller ein Statement abgeben könnte, dass es willig sei Zuwanderer zu integrieren. Woraufhin Peter Rapp konterte: „Kein anderes Land in Europa hat so viele Menschen aus anderen Ländern aufgenommen wie Österreich. Und irgendwann einmal schaffen wir es nicht mehr.“ Der Dialog hatte mit der Bemerkung der russischstämmigen Jurorin Karina Sarkissova geendet, die meinte, dass „die drei noch gehen würden“ und einer Zustimmung durch Peter Rapp.

Die betreffende Aussage zur „Zigeunermusik“ kam übrigens nicht von Rapp sondern von der Schlagersängerin Sabine, die nach dem Auftritt der Pillers begeistert kommentierte: „Es klingt so zigeunerisch und es reißt einen vom Sessel.“ Sie fügte hinzu, dass sie selbst liebend gerne mit den jungen Musikern zusammenarbeiten würde.

Herbei geschriebener Skandal

Angesichts der verdrehten Tatsachen stellt sich die Frage, ob die Kurir-Journalistin die Sendung überhaupt gesehen habt, oder nur anhand von Hörensagen schreibt.

Peter Rapps Wortwahl lässt sich zwar eine latente Fremdenfeindlich zuordnen (für die er sich nach der Sendung per Facebook entschuldigte). Der Skandal wirkt aber an den Haaren herbeigezogen und erinnert an die oftmals verhetzende Berichterstattung serbischer Boulevardmedien der 1990er-Jahre. Der reißerische Aufmacher „Ihr könnt nicht gewinnen, weil ihr Serben seid“ wurde nie gesagt, und wer sich die Sendung ansieht, wird sehen, dass die Pillers von der Jury in den höchsten Tönen gelobt wurden.

Darko und Danijel Piller sagten zu KOSMO, dass ihnen die Aufregung unangenehm sei und dass die mit dem zweiten Platz sehr zufrieden seien. „Wir sind dankbar, dass so viele Österreicher für uns gestimmt haben. Die Diskussion finden wir sinnlos, darauf wollen wir uns nicht einlassen“, so Danijel Piller.

KOSMO-Redaktion

Mehr zum Thema:
Kurir-Artikel online
Die Sendung online in der ORF-TVthek
KOSMO-Interview: Trio Piller
BKS-Übersetzung des KOSMO-Artikels

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