RAKIA & CO 04.12.2014

Eine "Schnaps-Idee" aus Serbien

© KOSMO / Radule Božinović
Schon seit einem Jahr wird das Wort Rakija (Schnaps) in Wien mit weit größerem Respekt ausgesprochen als zuvor. Das ist ein Verdienst des jungen Belgrader Paars Lena und Branko Nešić.


Seit einem Jahr gibt es das Lokal Rakia & Co in Wien in der Josefstädter Straße 5. Hier gibt es Flaschen mit dem edelsten Rakija in einfachem, gediegenen Design, aber auch Schnapsgläschen, die sofort an Serbien erinnern. Es ist die erste Wiener Filiale von Rakia & Co, das in Serbien bereits seit einigen Jahren Erfolge feiert. Dahinter steht das junge Belgrader Paar und Branko Nešić. Sie wollen den Rakija auf eine neue, urbane Weise interpretieren.

Ihre gemeinsame Geschäftsgeschichte begann, als sie ein Paar wurden. Lena, die ihr Studium an der Fakultät für Angewandte Kunst abgeschlossen hatte, fragte den Betriebswirt Branko, der damals Inhaber einer Bar in Dorćol war, was er mochte. Als er ihr sagte, dass er Schnaps mochte, folgte die Frage: „Warum machst du dann nicht eine Schnaps-Bar auf?“. Eine Idee, die ihr Leben veränderte.

Dem Schnaps ein neues Image geben

Die eigene Schnaps-Produktion begann mit dem Anbau eines Obstgartens im Dorf Jelašnica in der Gemeinde Surdulica auf einem Grundstück von mehreren Hektar, das sie geerbt hatten. Sie pflanzten Quitten, Pflaumen, Äpfel und Weintrauben und begannen mit der lokalen Bevölkerung zusammenzuarbeiten. Dem Grundprodukt des Schnapses fügten sie Kräuter wie Minze, Lavendel, Thymian, Seidenkraut, oder auch Honig und Zimt hinzu.

“Das war 2006 und die meisten Leute lachten uns aus, wenn wir das Schnapsgeschäft nur erwähnten. Der Schnaps hatte leider kein Ansehen in Serbien. Unsere Landsleute rühmten sich nur mit Getränken, die nach den Rezepten ihrer Großväter gebrannt wurden. Jeder dachte, dass er alles weiß, und die Qualität war meistens schlecht. An Design und Marketing dachte niemand“, erinnern sich Branko und Lena. Darum begannen sie 2007, ein Rakija-Fest zu organisieren, das noch immer besteht und sich von Jahr zu Jahr weiterentwickelt. Schon 2009 begannen sie mit ihrer eigenen Produktion und gründeten ihre Firma Rakia & Co, die mit einem Franchise-Unternehmen begann. In Belgrad eröffneten sie den ersten Gift Shop (Geschenkladen). Die Idee trug Früchte.

Rakija findet Heimat in Wien

Heute haben die Nešićs Partner in Belgrad, Zemun, Kragujevac, Niš und Toronto und auch für Shanghai laufen Vorbereitungen. Seit einem Jahr gibt es Rakia & Co auch in Wien in der Josefstädter Straße 5.

“Wir haben lange gezögert, ob wir unseren Sitz in Österreich oder in der Schweiz einrichten sollten. Gewonnen hat Wien, eine Weltstadt, die in einem ähnlichen Rhythmus atmet wie Belgrad. Es ist ein multikulturelles Umfeld, das Vielfalt akzeptiert. Es gibt viele unserer Landsleute hier, die Wiener sind ausgesprochen freundlich und Serbien liegt auch in der Nähe“, erklärt sich Lena.

“Meine Deutschkenntnisse helfen mir sehr. So kann ich mit der Kundschaft locker plaudern und ihr alles über die Produkte erklären, die wir anbieten. Wir haben auch Stammkunden. Ein Herr aus Salzburg komm jede Woche vorbei, bringt seine Freunde mit und kauft auch immer etwas“, betont Lena und fügt hinzu, dass Margot Fischer, die Gattin des österreichischen Bundespräsidenten, die in der Nähe wohnt, immer einen freundlichen Gruß mit ihr austauscht.

Das ideale Geschenk

Außer Rakija kann man im Geschäft Rakia & Co auch Spitzenweine aus kleinen serbischen Kellereien kaufen, die aufgrund ihrer Qualität führende Marktpositionen errungen haben. Aber das ist noch nicht alles.

In ihren Lokalen bekommt man nicht nur Getränke. Es gibt auch ungewöhnliche, mit Rakija gefüllte Schokoladen aus Serbien oder aus spezialisierten österreichischen Fabriken. Im Angebot befinden sich auch Marmeladen und Süßwaren sowie Ajvar, und zwar alles nach traditionellen Rezepten, wie Lena und Branko betonen.

„Unseren Kunden gefällt auch die Kaffeemischung, die man nach unserem Geschmack ideal in der Džezva zubereiten kann. Ich stelle sie für unsere Stammkunden im Geschäft her und die kaufen dann gleich die Džezva und den Kaffee zusammen. Es gibt auch Kaffeetässchen, Schnapsgläser und attraktiv gestaltete Flaschen für den Rakija sowie eine ganze Reihe anderer Kleinigkeiten“, zeigt uns Lena stolz ihre reiche Produktpalette.

Online-Shop und Rakija-Schule

Vor kurzem wurde in Wien auch das Rakia Bar Corner (Schubertring 4) eröffnet, wo Gäste den ganzen Tag über ein reiches Sortiment an Getränken bestellen können und wo auch Themenabende veranstaltet werden. Demnächst wird Branko Nešić auch eine kleine Rakija-Schule organisieren, wo man alles über die edlen Tropfen lernen kann.

 „Viele Menschen haben keine Ahnung, wie Schnaps hergestellt wird. Das ist unser Nationalgetränk, das von der Wissenschaft noch kaum untersucht worden ist. Unsere Chance ist, dass wir zu den ersten gehören, die den Rakija so behandeln wie die Schotten den Whisky: dass man weiß, aus welcher Destillerie er stammt, ob er aus den Pflaumensorten Požegača, Ranka oder Čačanka gemacht ist und so weiter. Diese Thematik sollte man einfach gesetzlich regeln“, lautet das Fazit von Branko Nešić.

Vera Marjanović / KOSMO

www.rakiabar.com

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